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Altenmünster

17.08.2018

Die fahrenden Bienenvölker aus Altenmünster

Alois Schuster (v.l.). bei der Kontrolle seiner Bienenstöcke im Weisinger Forst. Hermann Stocker, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Zusmarshausen, und Dieter Erhard, zuständiger Revierleiter, erhalten dadurch einen Einblick in das Innere eines Bienenvolks. 
Bild: Silke Schulz-Könicke

Auf Autoanhängern werden die Stöcke in den Weisinger Forst zwischen Altenmünster und Glött gebracht. Die Insekten erholen sich sogar, glauben Imker.

 „Waldhonig ist das reinste Lebensmittel, das wir haben“, sagt Alois Schuster. Er ist langjähriger Erster und inzwischen Zweiter Vorsitzender des Imkervereins Holzheim. Das wertvolle Gold entsteht im Staatswald des Weisinger Forsts. Dort sind in den Sommermonaten gut und gerne sechs Millionen Bienen unterwegs und arbeiten mit sprichwörtlichem Fleiß an dieser süßen und gesunden Köstlichkeit.

„Aktuell haben 42 Imker rund 320 Völker, überall verstreut in den zehn Forstrevieren“, sagt Hermann Stocker, der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Zusmarshausen. Zusätzliche acht Imker haben einen Wanderbienenvertrag und sind im Weisinger Forst unterwegs. Im Scheppacher Forst gibt es sogar eine Belegstelle, wo Bienenköniginnen begattet werden.

Bis zu 50000 Bienen pro Volk

Insgesamt 17 Imker lassen laut Förster Dieter Erhard, dem zuständigen Revierleiter, ihre Bienenvölker in den Sommermonaten im Weisinger Forst Nektar, Pollen und Honigtau sammeln, 13 davon im Staatswald. Pro Imker kann man laut Alois Schuster mit acht bis zehn Völkern rechnen, ein durchschnittliches Volk erreicht im Sommer eine Stärke von bis zu 50000 Bienen.

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Zentrale und unverzichtbare Aufgabe der Biene, dem drittwichtigsten Nutztier Deutschlands nach Rind und Schwein, ist die Bestäubung von Pflanzen. Der größte Teil der Nutzpflanzen ist auf die Bestäubung durch Insekten – allen voran die Honigbiene – angewiesen. „Aber die Veränderungen in der Landwirtschaft in Richtung Agrarindustrie haben den Bienen sehr zu schaffen gemacht“, sagt Alois Schuster. Er und etwa ein Drittel seiner Kollegen ziehen im Sommer daher in den Wald um.

Die Imker sind mobil: Die Bienenstöcke werden auf Anhängern dorthin transportiert, wo es viele Blüten zum Bestäuben gibt. „Klassischerweise sind die Bienen im Frühjahr in der Obstblüte unterwegs und ziehen dann Anfang Juni in den Wald um.“ Obstgärten und Streuobstwiesen werden allerdings immer seltener: Schuster lässt seine Völker deshalb im Frühjahr im Auwald Nektar sammeln, danach geht es in den Weisinger Forst. Die Waldimkerei bedeute zwar einen höheren Aufwand, so Schuster. Aber: „Im Wald gibt es keine Spritzmittel. Und das macht unseren Honig so wertvoll.“

Kein Verkehr, aber viele Wasserflächen

„Im Wald haben die Bienen ihre Ruhe. Es gibt keinen Verkehr, aber viele Wasserflächen, vor allem im Weisinger Forst. Bienen brauchen dringend genügend Wasser.“ Schuster weiß das Biotopverbundsystem im Staatswald daher sehr zu schätzen. „Man sieht richtig, wie sich die Bienen nach dem Umzug in den Wald erholen, es wird wieder mehr Brut angelegt.“

Im Weisinger Forst finden die Bienen zunächst eine sehr gute „Tracht“ von Himbeeren und Brombeeren. So wird das gesamte Angebot an Nektar und Pollen bezeichnet, die in den heimischen Bienenstock eingetragen werden. „In dieser Zeit baut sich dann die Waldtracht auf“, erklärt Schuster und meint damit den sogenannten „Honigtau“: Blatt- und Schildläuse saugen die zuckerhaltigen Pflanzensäfte der Waldbäume. Da sie nur einen Teil des Zuckers verwerten können, scheiden sie den Überschuss aus. Da dieser neben den Pflanzenzuckern Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Duftstoffe der Bäume enthält, ist der Waldhonig so wertvoll.

Die Bayerischen Staatsforsten setzen sich gemeinsam mit den Imkern für die Bienen ein. Mit dem Naturschutzprojekt „Der Wald blüht auf“ steigern die Staatsforsten unter anderem das Angebot an Blühflächen für heimische Insekten im Staatswald und verbessern so auch den Lebensraum für Honigbienen und ihre wilden Verwandten, für Hummel, Schmetterling und Käfer.

Der Imkerverein Holzheim pflegt einen sehr guten Kontakt zu Landwirten: Insgesamt vier Hektar Bienenweide säen sie an Rändern und entlang von Wegen an. Die Samen kauft der Imkerverein. Im Gemeinderat von Altenmünster ist das Insektensterben auf Initiative von Gemeinderat Dieter Erhard in den Fokus gerückt. (mit mcz)

Hilfe: Alle staatlichen Forstbetriebe in Bayern stellen für Hobbyimker und Imkervereine kostenfrei Flächen für das Aufstellen von Bienenvölkern zur Verfügung. Hobbyimker müssen nur bei ihrem zuständigen Forstbetrieb anfragen.

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