1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Die geheime Botschaft der Hubertus-Lärche

Walkertshofen

15.06.2018

Die geheime Botschaft der Hubertus-Lärche

DSCF9400(2).jpg
2 Bilder
Kennen die Geschichte hinter der Hubertustafel:   Forstbetriebsleiter Hubert Droste, Georg Wagner sowie Revierleiter Andreas Thoma (von links).
Bild: Karin Marz

Ein 90 Jahre alter Bildstock im Staatswald barg 90 Jahre lang eine Botschaft. Die Prophezeiung von sehr viel Geld liegt jetzt in einem Tresor in Zusmarshausen.

90 Jahre lang hatten Zeitgenossen die Chance, mit einer Säge zum Millionär zu werden. Das ist vorbei. Es glaubt zwar niemand wirklich an die alte Prophezeiung aus dem Konradshofer Forstrevier, doch die Wahrsagung zieht selbst Verantwortliche des staatlichen Forstbetriebs Zusmarshausen in den Bann. Sozusagen von Amts wegen wurde nun in einem Tresor in Sicherheit gebracht, was über Jahrzehnte hinter einer Holztafel versteckt war. Und das Forstamt warnt: Millionär wird hier keiner mehr. Dafür markiert eine schmucke Tafel die geheimnisvolle Stelle im Staatsforst. Sie lenkt aber auch ab. Es geht um eine über hundert Jahre alte Lärche im Wald an der Verbindungsstraße zwischen Walkertshofen und Gessertshausen. Es geht auch um eine Wahrsagung und ihre Widerrufung sowie um die Legende, wie der Adelsmann Hubertus von Lüttich zum Heiligen wurde.

Ihm erschien ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen

Bereits seit 1927 hängt ein schmucker Bildstock an der alten Lärche. Auf der Tafel ist der adelige Hubertus zu sehen, der – wie die Legende aussagt – sich einst als Einsiedler in die Ardennen zurückgezogen hatte und im siebten Jahrhundert nach Christus an einem Karfreitag verbotenerweise zur Jagd ging. Als ihm dabei ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen erschien, wandelte sich sein Leben und er warb intensiv für den christlichen Glauben, wurde später Bischof von Maastrich.

Dem einstigen Förster von Walkertshofen bedeutete diese Geschichte des heiligen Hubertus sehr viel. Er ließ 1927 eine szenische Darstellung als Tafel an der Lärche anbringen. Dann nagte der Zahn der Zeit über Jahrzehnte doch ziemlich an dem Holzschild, bis es 1984 abgenommen wurde.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Millionär im Handumdrehen

Es ist nicht bekannt, wer alles zuvor schon von dem kleinen Etui wusste, das damals in einer Aushöhlung auf der Rückseite der Tafel gefunden wurde. Darin ein Zettel, welcher prophezeit: „Wer diesen Baum einst fällt, gewinnt viel Geld! Er wird – auf Ehr – im Handumdrehen ein Millionär“.

Das für dieses Revier zuständige staatliche Forstamt steckte nach der Renovierung das Etui wieder an die alte Stelle. Allerdings wurde der Spruch ergänzt. Schließlich erschien die Prophezeiung angesichts der Holzpreise und der Eigentumsverhältnisse unrealistisch. Auch sollte niemand verleitet werden, die Lärche zu fällen: Mit etwas Schalk wurde also ein Text hinzugefügt: „So schön das wär, heut reichts nicht mehr. Drum wer die Lärch’ einst fällt, hat wohl viel Holz, doch nicht viel Geld.“

Das Bild wurde originalgetreu gestaltet

34 Jahre später war die Hubertus-Tafel erneut verwittert und unansehnlich. Georg Wagner, ehemaliger Haumeister im Forst, regte an, die Tafel zu erneuern. Dieser Tage wurde sie wieder angebracht. Neu gefertigt wurde sie von Edwin Mayer, und Franz Gschwendtner aus Großaitingen malte das Bild des heiligen Hubertus. „Bis auf das Blech, auf dem das Bild angebracht ist, und das kleine Dächlein ist der Bildstock komplett neu. Das Bild des Hubertus wurde originalgetreu gestaltet“, sagt Wagner.

Etwas Wichtiges hat sich jedoch geändert. Die alte Prophezeiung befindet sich nicht mehr in ihrem Versteck, sondern liegt jetzt im Tresor im staatlichen Forstbetrieb in Zusmarshausen. Die Gefahr, dass das Etui gestohlen werde, sei einfach zu groß, sagt dessen Leiter Hubert Droste.

Denn die Geschichte sei kein echtes Geheimnis mehr. Das Etui und seine Botschaft hätten zwar nur einen ideellen Wert, aber die Tafel würde bei einem Diebstahl beschädigt werden und das wolle man verhindern. Droste und Andreas Thoma vom Forstrevier Konradshofen freuen sich sehr, dass solche Erinnerungsorte für die Waldbesucher erhalten werden und würdigten den Einsatz von Georg Wagner, der sich um die Erneuerung kümmerte. Die Kosten übernimmt der Forstbetrieb des Freistaats Bayern.

Die Tafel hängt an einem anderen Baum

Damit könnte die Geschichte zu Ende erzählt sein. Doch es gibt noch etwas, was wenige wissen. Wagner brachte die neue Tafel nicht an jenem Baum an, an dem die ursprüngliche Hubertustafel hing, sondern an einer ebenfalls über hundertjährigen Lärche in der Nähe. Soll das böse Buben verwirren und den eigentliche Hubertusbaum besonders schützen? Nein, er sagt, er fürchte, der ursprüngliche Baum sei sturmgeschädigt und könnte einmal fallen und die Hubertustafel unter sich begraben. Forstbetriebsleiter Droste ist optimistischer: „Wenn kein Sturm reinfährt, können beide Bäume noch sehr, sehr lange stehen und die Tafel wird bestimmt noch oft restauriert werden. Die Lärchen sind wunderschön und haben bei uns einen besonderen Status. Keiner will sie fällen.“ Unter guten Bedingungen könnten Lärchen durchaus 500 Jahre alt werden.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Polizei_Symbolbild_Blaulicht.jpg
Diedorf

Polizei zeigt zwei Männer in Asylbewerberheim an

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen