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Ehingen

16.10.2017

Die letzten Zeitzeugen sollen vor die Kamera

Rosamunda Hiller (oben) aus Langenneufnach, 1920 geboren, ist die bisher älteste Teilnehmerin beim Zeitzeugenprojekt.
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Rosamunda Hiller (oben) aus Langenneufnach, 1920 geboren, ist die bisher älteste Teilnehmerin beim Zeitzeugenprojekt.
Bild: Michael Kalb

Unterstützt vom Landkreis Augsburg arbeitet Filmemacher Michael Kalb an einem großen Archiv- und Filmprojekt

Im Augsburger Land entsteht gerade ein Archiv- und Dokumentarfilmprojekt, das es so noch nicht zuvor gegeben hat. Gemeinsam mit Claudia Ried, der Kreisheimatpflegerin des Landkreises Augsburg, und Christoph Lang, Leiter des Stadtarchivs und Stadtmuseums Aichach und Vorsitzender des Heimatvereins Reischenau, interviewt Filmemacher Michael Kalb aus Dinkelscherben Zeitzeugen aus dem Augsburger Land, die vor 1930 geboren sind. Ein besonderes Augenmerk liegt bei den Gesprächen auf den persönlichen Geschichten und Erlebnissen der Personen in ihrer Heimat. So kann der Alltag dieser Zeit, die Nazidiktatur, der Zweite Weltkrieg und die Flucht und Vertreibung aus ehemaligen deutschen Gebieten ins Augsburger Land im Fokus stehen. Erst vor wenigen Monaten hatten in der Augsburger Allgemeinen in einem exklusiven Interview die beiden Ehinger Schwestern Barbara Wolf und Gerlinde Zerle aus Ehingen aus dem Jahr 1946 erzählt. Damals war ihr Vater Rupert Speer Bürgermeister und somit für die Verteilung von Vertriebenen zuständig. „Das waren harte Zeiten für alle“, sagten sie.

Aus den mehrstündigen Interviews soll zum einen ein etwa 90-minütiger Dokumentarfilm entstehen und zum anderen ein historisches Archiv, welches in Schrift, Bild und Ton für hoffentlich viele Jahre und für zukünftige Generationen zugänglich sein wird. Ein solches Archiv kann für zukünftige Heimat- und Geschichtsforschung sehr wichtig sein. Das Team sucht hierfür noch Helfer, die schnell und zuverlässig an der Tastatur die Interviews abtippen können. Die Arbeit wird entlohnt.

Das Projekt wurde bereits vor dem Schul- und Kulturausschuss des Landkreises vorgestellt und stieß auf positive Resonanz der Kreisräte. Der Landkreis unterstützt das Projekt ideell und finanziell. Bislang wurden 16 Personen aus allen Ecken des Landkreises vor der Kamera interviewt. Doch da das Projekt auch bei den Bürgermeistern des Landkreises auf offene Ohren stieß, liegen dem Team über 50 weitere Vorschläge von Personen vor, die noch vor 1930 geboren sind. „Bei allen gilt es natürlich vorher abzuklären, ob sie sich noch fit genug fühlen und einverstanden sind, vor der Kamera zu erzählen“, erklärt Filmemacher Kalb.

Die letzten Zeitzeugen sollen vor die Kamera

„Natürlich gibt es schon zahlreiche Dokumentationen und Interviews zu diesen Themen. Doch es gibt kein filmisches Werk, das die Menschen und persönlichen Erlebnisse im Landkreis Augsburg und den einzelnen Orten zeigt und publikumswirksam aufbereitet“, sagt Michael Kalb, der auch die Idee zu diesem Projekt hatte. Und realistisch gesehen arbeitet die Zeit gegen dieses Projekt, da die letzten Zeitzeugen sterben. Immerhin ist die älteste Teilnehmerin bis jetzt schon 97 Jahre alt, es ist Rosamunda Hiller aus Langenneufnach.

Und deshalb ist das Team in diesem Jahr und Anfang des nächsten Jahres noch fleißig mit der Kamera im Landkreis Augsburg unterwegs, um die Geschichten der Menschen zu hören. Bis der Film allerdings auf den Leinwänden der lokalen Kinos und Bürgersäle flimmern wird, wird sicher noch ein Jahr vergehen. Ein Interview dauere in der Regel über zwei Stunden, wonach allein die Sichtung des Rohmaterials bei mindestens zwei Dutzend Gesprächen am Ende dann Tage und Wochen Arbeit nach sich zieht.

„Das alles dann auf 90 Minuten zu kürzen und dazu noch einen roten Faden zu finden, wird eine Mammutaufgabe“, sagt Kalb. Und dennoch freut er sich schon darauf. Denn bereits bei den Gesprächen mit den Menschen konnte er und sein Team schon sehr viel lernen. „Man gewinnt plötzlich einen ganz anderen Blick auf einige Dinge und gerade als junger Mensch lohnt es sich, den Menschen zuzuhören“, so Kalb. (AL)

Mehr Am Montag, 4. Dezember, präsentiert das Team einen ersten Zwischenstand des Projekts in der öffentlichen Sitzung des Schul- und Kulturausschuss des Landkreises Augsburg. Sitzungsbeginn ist um 14.30 Uhr im Landratsamt im Großen Sitzungssaal 184.

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