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Diedorf-Anhausen

23.01.2019

Diedorfer Studentin tauscht Hörsaal gegen Wald

Die Entscheidung ist gefallen. Die Diedorferin Jonna Edelmann wird nach acht Semestern ihr Lehramtsstudium abbrechen, um Försterin zu werden. Und mit dieser Entscheidung geht es der 22-Jährigen so richtig gut.
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Die Entscheidung ist gefallen. Die Diedorferin Jonna Edelmann wird nach acht Semestern ihr Lehramtsstudium abbrechen, um Försterin zu werden. Und mit dieser Entscheidung geht es der 22-Jährigen so richtig gut.
Bild: Marcus Merk

Jonna Edelmann bricht nach acht Semestern ihr Lehramtsstudium an, um Försterin zu werden. Sie hat eine klare Meinung zur Jagd und dem Klimawandel. 

Als Jonna Edelmann das erste Mal eine Jagd beobachtete, war sie ganz gespannt, was sie alles erleben wird. Unsicher fragte sich die 22-Jährige: Werde ich geschockt sein, wenn die Tiere vor meinen Augen sterben? Kann ich es überhaupt aushalten, Blut zu sehen? Doch das Erlebnis hat Jonna Edelmann in ihrer Entscheidung bestärkt: Die Diedorferin wird nach acht Semestern ihr Lehramtsstudium abbrechen, um Försterin zu werden.

Schon seit einigen Semestern ist die 22-Jährige, die Englisch und Französisch fürs Gymnasium studiert, unzufrieden mit ihrem Studium. „Ich war nie wirklich glücklich. Ich habe noch mal ein Fach gewechselt, aber das hat auch nichts geändert.“ Die Idee, Försterin zu werden, hatte sie bereits nach dem Abitur, aber damals wollte Jonna Edelmann zum Studieren nicht aus ihrem Heimatort Anhausen wegziehen. Doch im Laufe der Semester an der Uni wurde es für die junge Frau immer klarer, einen anderen Berufsweg einzuschlagen. „Damit ich mir auch wirklich sicher bin, ganz von vorne anzufangen, habe ich erst mal ein Praktikum gemacht. Ich wollte sehen, ob der Beruf der Försterin auch wirklich meinen Vorstellungen entspricht.“

Gleich noch ein zweites Praktikum drangehängt

Jonna Edelmann bewarb sich beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und setzte sich selbst das Ziel: „Danach entscheide ich mich endgültig, wie es weitergeht. Doch es hat mir so gut gefallen, dass ich gleich noch ein zweites Praktikum bei den Bayerischen Staatsforsten drangehängt habe.“

Beim AELF bekam die 22-Jährige einen Betreuer, den sie die ganze Zeit über begleiten durfte, zum Beispiel beim Vermessen von Waldflächen, um staatliche Förderungen zu berechnen. „Das Amt selbst arbeitet anders, da es keinen eigenen Wald besitzt, den es bewirtschaftet. Dort geht es viel mehr um die Beratung der Waldbesitzer und wie sie den Wald für die Klimawandel umbauen können.“

Es geht darum, Zukunftsbäume zu fördern.

Bei den Bayerischen Staatsforsten war die Arbeit dagegen weitaus praktischer, da sich die Förster dort um eigenen Reviere im Staatswald kümmern. Dort begleitete Jonna Edelmann einen Revierleiter vor allem beim Waldauszeichnen. Sie erklärt, was das bedeutet: „Es geht vor allem darum, Zukunftsbäume, die groß und stark werden sollen, zu fördern. Und die anderen Bäume, die den Zukunftsbäumen im Weg stehen und das Wachstum behindern, müssen die Förster fällen lassen.“

Diese Aufgabe war für die 22-Jährige besonders spannend. Es sei ihr vorher nicht klar gewesen, was alles dazugehöre, um den Wald zu formen und ihn zukunftssicher zu machen. „Mir war das vorher gar nicht klar, auf was man dabei alles achten muss. Und wie man den Wald so verändert, dass er für den Klimawandel gerüstet ist, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich ist.“ Diese Kombination fasziniert Jonna Edelmann bei der Arbeit der Förster: „Der Wald ist wie ein Wirtschaftsunternehmen. Auf der einen Seite muss er Geld einbringen, auf der anderen Seite muss man nachhaltig arbeiten, um in der Zukunft genügend Holz zu haben.“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich beruflich zu orientieren

Nach ihren vielen unterschiedlichen Eindrücken, ist sich Jonna Edelmann sicher: Sie will ihr Lehramtsstudium abbrechen und sich für Forstingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan bewerben. Dort wird sie ihren Bachelor machen, anschließend hat sie verschiedene Möglichkeiten, sich beruflich zu orientieren: „Ich könnte zum Amt gehen, zu den bayerischen Staatsforsten, aber auch zu einem privaten Waldbesitzer wie einer Stadt oder in den Holzmarkt bei einem Sägewerk einsteigen.“

Damit sie für alle Bereiche breit aufgestellt ist, wird sie im Studium eine Bandbreite an Fächern belegen. Dazu zählt unter anderem Tierkunde, Holzlehre, Botanik, Informatik und Betriebswirtschaft. Außerdem muss die 22-Jährige einen Motorsägenschein machen, genauso wie einen Jagdschein – beide sind fester Bestandteil im Studium. Die sagt: „Jagd ist natürlich für die Förster ein angespanntes Thema, das habe ich während meiner Praktika immer wieder mitbekommen.“

Eine Drückjagd genau beobachtet

Für Jonna Edelmann war das erste Erlebnis dagegen spannend: „Ich war auf einer Drückjagd dabei und habe alles beobachtet.“ Dabei wird ein Waldstück abgesperrt und die Jäger des Jagdreviers sitzen auf den Hochständen. Dann geht einer der Jäger mit seinen Hunden durch das Gebiet und „drückt“ die Tiere aus ihrem Unterschlupf.

Bevor sie dabei zugesehen hatte, war sich Jonna Edelmann nicht sicher, wie sie dazu stehen sollte: „Aber meine Meinung ist, dass es in Ordnung ist, solange man aus den richtigen Gründen jagt. Viele Tiere haben keine natürlichen Feinde mehr. Die Jagd erhält das Gleichgewicht im Wald.“

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