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Diedorf

25.07.2019

Diedorfer Trinkwasser muss weiterhin gechlort werden

Obwohl der Antrag abgegeben wurde, ist ein Ende der Chlorung noch nicht wirklich in Sicht.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Erst im September will das Gesundheitsamt die erneuerten Anlagen besichtigen. Bis dahin stehen noch einige Arbeiten an. Dies sorgt im Gemeinderat für Unruhe.

Kurz vor der Gemeinderatssitzung in dieser Woche fand in Diedorf eine Besprechung zur Trinkwasserversorgung statt. Beteiligt waren das Gesundheitsamt, die Gemeindewerke und das mit der Ertüchtigung des Netzes beauftragte Ingenieurbüro. Bürgermeister Peter Högg und seine Mitarbeiter übergaben bei dieser Gelegenheit eine neue Gefahrenanalyse und den Antrag auf einen Ausstieg aus der Trinkwasserchlorung – „wohlwissend, dass wir mit der Sanierung noch nicht ganz fertig sind“, erklärt Högg anschließend auf der Sitzung.

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Obwohl der Antrag abgegeben wurde, ist ein Ende der Chlorung noch nicht wirklich in Sicht. Klar war, dass die Gemeinde erst das „Maßnahmenpaket Eins“ des Gesundheitsamtes abarbeiten muss. Abschlussarbeiten stehen dabei noch an den Hochbehältern in Biburg aus. Außerdem wurde ein Schaden im Behälter in Anhausen festgestellt, der laut Bürgermeister Högg zwar ungefährlich ist, aber auch im Laufe der restlichen Ertüchtigungsarbeiten behoben wird.

Der Ausstieg aus der Chlorung ist noch nicht wirklich in Sicht

Trotzdem hatte die Gemeinde beim letzten Gespräch auf positive Signale gehofft. Das Ergebnis war laut Bürgermeister aber „ernüchternd, der Ausstieg aus der Chlorung ist noch nicht wirklich in Sicht“. Erst Mitte September will das Gesundheitsamt die ertüchtigten Anlagen im Diedorfer Wassernetz besichtigen. „Dann können auch neue Gespräche über ein Ende der Chlorung stattfinden“, sagt Högg.

Diedorfer Trinkwasser muss weiterhin gechlort werden

Allerdings wirkt er nicht wirklich zuversichtlich. Es steht noch ein „Maßnahmenpaket Zwei“ aus. Inhalte sind beispielsweise die Erstellung eines Betriebshandbuchs für das Wassernetz und die Bohrung eines neuen Brunnens im südlichen Gemeindegebiet. Das Problem laut Bürgermeister: „Bis wir das alles erledigt haben, vergehen noch mindestens zwei Jahre.“

Technisch möglich, gesetzlich aber nicht

Besonders kritisch sehen Bürgermeister und Gemeinderat die Diskrepanz zwischen der technischen und der gesetzlichen Sichtweise. Die für das Wassernetz zuständigen Ingenieure hätten ihm gegenüber schon erklärt, dass „unser Wassernetz mittlerweile eines der sichersten im Landkreis ist“, sagt der Bürgermeister. Technisch sei ein Ende der Chlorung also schon möglich, gesetzlich laut Gesundheitsamt aber nicht, so Högg. Ein Widerspruch, der auch im Gemeinderat für Unruhe sorgt.

Auf Nachfrage bestätigt Jens Reitlinger, der Pressesprecher des Landratsamts, bei dem auch das Gesundheitsamt sitzt, dass die Gemeindeverwaltung bereits einige Maßnahmen ungesetzt habe, „um den gesetzlichen Anforderungen einer risikofreien Wasserversorgung zu genügen“. Von einem abgeschlossenen Prozess könne aber erst die Rede sein, „wenn alle bekannten Risikofaktoren behoben sind.“

Eine Frage der Gleichberechtigung

Daniel Fendt, der Fraktionsvorsitzende von „Wir für Diedorf“, wirft im Rat die Frage der Gleichberechtigung auf. Er wünscht sich eine Liste von Kommunen, die dieselben Standards erfüllen müssen. Er will vor allem sehen, ob andere Kommunen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Diedorf, auch chloren müssen. Sie hätten diese Frage auch gegenüber dem Gesundheitsamt schon gestellt, erklärt Högg und ergänzt: „Wir bekommen die einfache Antwort, dass wir chloren müssen, weil wir das Pech hatten, dass es einen Störfall gab.“

Das Gesundheitsamt betont, dass man Wasserversorgungssysteme „grundsätzlich“ nicht auf diese Weise vergleichen könne. Das Vorgehen nach einem Störfall sei „einzelfallbasiert“ und orientiere sich an den örtlichen Gegebenheiten, die notwendigen Maßnahmen würden sich an den „individuellen Umständen“ bemessen. Auch der Vergleich mit anderen Fällen von Trinkwasserverunreinigungen sei fachlich nicht haltbar.

Viel Verständnis bringt keiner auf

Im Gemeinderat meldet sich auch Maria Prues, die Vorsitzende der SPD-Fraktion zu Wort: „Ich finde es nicht richtig, dass man uns immer wieder am langen Arm verhungern lässt und uns immer neue Maßnahmen aufdrückt.“ Peter Högg fasst allgemein zusammen: „Wenn wir Glück haben, können wir noch dieses Jahr mit der Chlorung aufhören, wenn wir Pech haben, wird es noch länger dauern.“ Viel Verständnis für das Vorgehen des Gesundheitsamtes scheint im Gemeinderat keiner aufzubringen. Insgesamt chlort Diedorf das Trinkwasser nach einem Störfall schon seit über zehn Monaten.

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