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Diedorf

28.09.2018

Diedorfer müssen sich an gechlortes Wasser gewöhnen

An zahlreichen Messstellen wird mehrmals am Tag der Chlorwert gemessen.
Bild: Marcus Merk

Plus Es wird mindestens ein Jahr dauern, bis die Versorgung wieder hygienisch arbeiten kann. Und das ist längst noch nicht alles.

Die Diedorfer werden sich ans Chlor in ihrem Trinkwasser gewöhnen müssen: Mindestens ein Jahr lang wird das Desinfektionsmittel dem Leitungswasser zugegeben werden müssen. Denn so lange wird es sicher dauern, die Sofortmaßnahmen zur Wiederherstellung einer hygienischen Infrastruktur einerseits umzusetzen, und andererseits eine umfassende Gefährdungsanalyse und Risikoabschätzung der Trinkwasserversorgung vorliegen zu haben. Diese beiden Dinge seien jedoch die Voraussetzungen dafür, dass das Gesundheitsamt des Landkreises Augsburg einem Ende der Chlorung zustimmen könnte, hat Chemie-Ingenieur Burkhard Bittner jetzt den Mitgliedern des Diedorfer Werkausschusses klar gemacht.

Zudem kann aktuell die Anordnung, das Trinkwasser zusätzlich auch noch abzukochen, immer noch nicht aufgehoben werden. Das Wasserwerk ginge zwar „engagiert und kompetent“ mit der Chlorung um. „Doch das ist kompliziert. Wir stolpern da über alle möglichen Schwierigkeiten des Systems“, so Burkhard Bittner, der damit auch den Kern des Problems ansprach: Die Wasserversorgungen in den bayerischen Kommunen seien „Kinder ihrer Zeit“, die Anfänge stammen oft aus den sechziger Jahren. Anschließend sei diese Infrastruktur fortlaufend erweitert worden, was den Betrieb aber nicht vereinfache. Das Auftreten coliformer Keime sei deshalb kein Einzelfall. „Sie befinden sich in guter Gesellschaft“, so der Fachmann.

Störfälle treten aufgrund des Alters der Systeme immer häufiger auf

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Was er auch sagte: In jüngster Vergangenheit treten Störfälle wie der aktuelle in Diedorf aufgrund des Alters der Systeme häufiger auf. Hier handelte es sich um einen coliformen Keim pro 100 Milliliter Wasser. Wahrscheinlich habe es solche Verunreinigung aber auch schon in der Vergangenheit gegeben, ohne dass sie bekannt geworden waren. Verändert hätten sich in jüngster Zeit die Möglichkeiten der Überwachung des Wassers und auch die Befugnisse der Gesundheitsämter. Und das Gesundheitsamt des Landkreises Augsburg schaue besonders genau hin, so Bittner.

Tatsächlich hatte das Gesundheitsamt vor einigen Monaten begonnen, sämtliche Wasserversorgungen des Landkreises zu untersuchen. Nach etwa einem Drittel war der damaligen Amtsleiterin Christine Hagen klar: Völlig in Ordnung ist keine Infrastruktur. Das unterstrich nun auch Burkhard Bittner. In ganz Bayern hätten etwa 95 Prozent der Wasserversorgungsanlagen beispielsweise keine Luftfilteranlage an den Brunnen. Das sei jedoch heute Stand der Technik und müsse nun während der Sofortmaßnahmen eingesetzt werden.

Bestandsaufnahme dauert bis zu eineinhalb Jahren

Parallel zu den Sofortmaßnahmen, darunter fallen größere Arbeiten am Tiefbrunnen und am Hochbehälter in Willishausen und ein neuer Anlagenteil am Hochbehälter in Biburg, muss die Gemeinde aber auch an der Gefährdungsanalyse weiterarbeiten. Allein diese Bestandsaufnahme dauere erfahrungsgemäß ein oder eineinhalb Jahre. „Da sind andere Gemeinden im Landkreis Augsburg schon etwas weiter“, so der Ingenieur, der damit auf ähnliche laufende Verfahren in Bobingen und Dinkelscherben anspielte. In Gessertshausen ist die Gemeinde bereits damit befasst, die Maßnahmen aus ihrem Gefährdungsbericht umzusetzen. Hier hatte vom Sommer 2016 an zehn Monate lang das Wasser im Versorgungsbereich Deubach gechlort werden müssen. Auch Diedorf hatte schon mit seiner Gefährdungsanalyse begonnen, wurde dann aber von einem akuten Keimbefall praktisch überholt.

Mindestens 250000 Euro werden die Sofortmaßnahmen kosten, so Burkhard Bittner im Werkausschuss. Und wahrscheinlich sei das kein langfristig investiertes Geld. Am Ende könnte mit der Gefährdungsanalyse herauskommen, dass die gesamte Trinkwasserversorgung „auf links“ gedreht werden müsse, um zukunftsfähig zu werden. Das sei dann aber ein Vorhaben für die nächsten zehn Jahre. Deshalb gebe es zu diesem Vorgehen keine Alternative.

Was er auch betonte: Das Wasser aus den Leitungen habe, sobald das Abkochgebot beendet sei, auch mit einem Chlorwert von höchstens 0,6 Milligramm pro Liter Wasser immer noch deutsche Trinkwasserqualität und könne bedenkenlos getrunken werden.Warum muss im Augsburger Land so oft Trinkwasser gechlort werden? Hier geht es zu einem Beitrag von a.tv

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