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Trinkwasser

19.01.2019

Diedorfer müssen weiter mit Chlor im Wasser leben

Seit September wird das Trinkwasser in Diedorf gechlort. Ein genaues Ende ist nicht in Sicht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Exklusiv Beim Infoabend zur Chlorung des Trinkwassers in Diedorf haben die Menschen viele Fragen an die Gemeinde. Doch auf die wichtigste gibt es keine exakte Antwort.

Wie lange wird das Wasser gechlort? Welche Kosten kommen auf die Diedorfer zu? Lässt sich das Chlor aus dem Wasser filtern? Der Infoabend der Gemeinde zum Thema „Störfall in der Wasserversorgung“ hat gezeigt: Die Menschen n Diedorf sind besorgt: um ihr Wasser und ihre Gesundheit. Und sie erwarten Antworten.

Entsprechend voll war die Aula in der Diedorfer Grund- und Mittelschule am Donnerstagabend. Über 300 Bürger wollten hören, was Bürgermeister Peter Högg und die Experten zur Chlorung des Trinkwassers zu sagen haben. Bislang hatte die Gemeinde eine Infoveranstaltung nicht für nötig gehalten. Zum Ärger vieler Bürger war das Gesundheitsamt, das die Chlorung angeordnet hatte, beim Infoabend nicht vertreten.

Das Wassernetz muss systematisch untersucht werden

Weil an zwei Stellen coliforme Keime entdeckt wurden, wird das Trinkwasser in Diedorf seit September gechlort. Eine genaues Ende ist nicht in Sicht. Die Chlorung werde bis Mittes des Jahres andauern, erklärte Bürgermeister Högg. Man unterliege den Vorgaben des Gesundheitsamtes. Das schreibt eine systematische Untersuchung des gesamten Netzes vor. Im Laufe des Jahres werden die drei Hochbehälter in Diedorf, Willishausen und Biburg abwechselnd vom Netz genommen und saniert. Außerdem nehmen Fachleute die vier Brunnen, alle technischen Anlagen und möglichen Schwachstellen im Rohrleitunssystem unter die Lupe.

Zudem werden ab Februar alle privaten Wasseranschlüsse überprüft. Die Kontrolle sei für die Bürger kostenlos, betonte Elke Lochbrunner von den Gemeindewerken. Allerdings müssen die Bürger zahlen, wenn ein Teil am Hausanschluss ausgetauscht werden muss.

Der Keimbefall kostete die Gemeinde schon 200.000 Euro

Erst, wenn alle Sofortmaßnahmen umgesetzt sind, kann die Chlorung beendet werden, so die Auflage des Gesundheitsamtes. Bei vielen Bürgern stößt das auf Unverständnis. „Man schießt mit Kanonen auf Spatzen“, sagte Claudia Riedel. Die Wasserproben weisen aktuell keine Keime auf. Doch Burkhard Bittner vom zuständigen Ingenieurbüro für Wasserversorgung hielt dagegen: „Wir können noch nicht sicher sein, dass die Keime nach der Chlorung nicht wieder auftauchen.“ Bislang kostete der Keimbefall die Gemeinde 200.000 Euro. Für die Umsetzung der Sofortmaßnahmen sind weitere 683.000 veranschlagt. An den aktuellen Wasserpreisen werde sich deshalb nichts ändern, betonte Högg.

Die Sofortmaßnahmen würden eine langfristige Sanierung nicht ersetzten. Das Diedorfer Wassernetz stammt aus den 1970er Jahren. Im vergangenen Jahr begann die Gemeinde, ein Sanierungskonzept zu entwickeln. Doch wegen des Störfalls im September konnten die Arbeiten nicht umgesetzt werden.

Mit dem veralteten Wassernetz sei Diedorf nicht allein, erklärte Burkhard Bittner. Die Wasserversorgung sei flächendeckend in ganz Bayern marode. „Auch Diedorf könnte staatliche Fördermittel zur Sanierung der Wasserversorgung erhalten“, sagte der Experte.

Das Chlor lässt sich nicht aus dem Wasser filtern

Doch vorerst müssen die Diedorfer mit Chlor im Trinkwasser leben. Die Dosierung ist nach Aussagen der Experten für den dauerhaften Gebrauch geeignet. Doch nicht überall ist die Dosierung gleich hoch. Je weiter ein Bürger vom Wasserbehälter entfernt wohnt, desto weniger Chlor hat er im Wasser. Es gebe keine Filter, um das Chlor aus dem Wasser zu bekommen, sagte Bittner. Nur nach dem Abkochen sei es nahezu chlorfrei.

Josef Pemp aus Diedorf hält die Chlorung für richtig: „Da müssen wir jetzt durch.“ Wenn Keime im Wasser nachweisbar sind, müsse etwas getan werden. Ingeborg Metzger sieht das ähnlich. „Schön ist es zwar nicht, wenn morgens im Bad alles nach Chlor riecht“, sagt sie. Aber wer übernehme die Verantwortung, wenn etwas passiert.

Auch die Frage, warum sich Diedorf nicht an die Wasserversorgung der Stadt Augsburg anschließt, stand im Raum. Doch Bittner erklärte: es gebe eine Kooperation, aber ein neuer Wasserlieferant ersetze nicht das eigene Netz. Die Stadtwerke hätten nicht die Kapazitäten, ein Netz wie Diedorf mit zu versorgen. Zudem sei zugespeistes Wasser finanziell nicht unbedingt günstiger.

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