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Diedorf

13.09.2019

Diedorfs exotische Bäume imponieren durch ihre Höhe

Die Baumriesen faszinierten die Teilnehmer besonders.
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Die Baumriesen faszinierten die Teilnehmer besonders.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Im Diedorfer Garten und Exotenwald sind zwei Gebiete von besonderer Bedeutung. Ein Förster erklärt, warum fremdländische Holzarten so wichtig sind.

Siegfried Knittel liebt den Wald. Dies merken die rund zwei Dutzend Teilnehmer der vom Naturpark Augsburg-Westliche Wälder und der Forstverwaltung der Stadt Augsburg organisierten Wanderung durch den Diedorfer Exotenwald sofort. Der Förster und Revierleiter erzählt mit leuchtenden Augen kurzweilig über Waldgeschichte, Klimawandel und Forstwirtschaft. Dabei lauschen ihm die Teilnehmer gespannt und konzentriert.

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Zunächst geht es von der Forstdienststelle an der Wellenburger Straße bergauf in den rund drei Hektar umfassenden sogenannten Diedorfer Garten. Zusammen mit dem fünf Hektar großen anliegenden und nicht frei zugänglichen Exotenwald handelt es sich hier um besondere Waldflächen. Siegfried Knittel erklärt, warum: „Beide Komplexe beherbergen rund 70 fremdländische Bäume.“

Initiator war ein Onkel des Schriftstellers Ludwig Ganghofer

Gleichzeitig geht Knittel auf die Historie ein. Initiator sei der städtische Oberforstrat Franz Ganghofer, ein Onkel des Schriftstellers Ludwig Ganghofer, gewesen. Anfang der 1880er-Jahre habe er viel Geld in die Hand genommen, Exoten eingekauft und dort Versuchspflanzungen angelegt. „Dabei hat er ein gutes Gespür für Pflanzen und deren Bedürfnisse entwickelt“, resümiert Knittel. Heute lasse sich die Eignung der nordamerikanischen und asiatischen Baumarten für die hiesigen Böden hervorragend ablesen.

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Der Förster veranschaulicht auch die Bedeutung des Augsburger Forstamts. Es besitze rund 7700 Hektar Wald, also etwa die doppelte Fläche des Ammersees. Das sei das zweitgrößte Waldareal in Deutschland. „Diedorf ist eines von sieben Forstreviere.“

Knittel bezeichnet die Waldflächen als Trinkwasserspeicher und Schadstofffilter, aber auch als Lebensraum und Erholungsgebiet. „Gerade heute im Klimawandel erhalten sie eine wichtige Bedeutung.“

Früher waren die Walderträge doppelt so hoch

Hauptfunktion des Diedorfer Reviers sei eine naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft. Es werde höchstens so viel abgeholzt wie nachwächst, verdeutlicht der Förster. Doch die Einnahmen sprudeln längst nicht mehr so gut. Früher seien die Walderträge doppelt so hoch gewesen. „Heuer sei der schwarze Zahlenbereich kaum zu schaffen“, meint er. „Eine Fichte in normaler Qualität bringt derzeit rund 63 Euro, eine mit Käferholz maximal 30 Euro.“ Das sei nicht kostendeckend. Zudem seien vier Stiftungen mit 83 Prozent an den Reinerlösen des Gesamtwaldbesitzes des Forstamts außerhalb der Stadtgrenzen beteiligt. Auf der anderen Seite: „Manche Bäume im Revier weisen stolze Preise auf und sind rund 18000 Euro wert.“

Als Besonderheit bezeichnet der Förster die Flatterulme: „Der Baum ist sehr klimatolerant, tiefwurzelnd, gut bei Trockenheit und robust gegen Stürme.“ Er fordert die Teilnehmer auf, die Blätter anzufassen. „Rau wie Sandpapier“, urteilt eine Teilnehmerin. Ein paar Schritte weiter verweist Knittel auf einen stattlichen Silberahorn. Er bezeichnet ihn als „absolutes Highlight“, bricht ein Zweiglein ab und fordert auf, daran zu riechen. Der Pflanzensaft schmeckt deutlich nach Ahornsirup.

Eine japanische Großblattmagnolie und ein Berg-Mammutbaum

Faszinierend sind auch die Douglasien mit ihren mächtigen Stämmen. Der sturmfeste Nadelbaum habe wie die Fichte sehr gute Holzeigenschaften, darüber hinaus komme er mit dem Klimawandel bestens zurecht. In Verbindung mit der Buche sorge er für ein positives Ökosystem. Als robust wertet Knittel auch die Küstentanne. Weiter macht er im Exotenwald auf zwei „wirkliche Exoten“ aufmerksam: auf die Japanische Großblattmagnolie und den Berg-Mammutbaum. Dort findet übrigens keine planmäßige wirtschaftliche Nutzung statt.

Welche Waldbäume mit zunehmenden Wetterkapriolen überhaupt noch Zukunft haben? „Wir müssen heute einen Wald gestalten, der extreme Situationen, selbst verheerende Stürme wie Wiebke und Lothar in den 1990er-Jahren, aushält“, antwortet Knittel. Ein strukturreicher Mischwald gebe dem Förster große Freiheit. Ziel sei, einen Wald ohne große Nachpflanzungen zu erzeugen.

Das schwere Unwetter 2013 habe extreme Schäden verursacht, erinnert Knittel. Rund 14.000 Festmeter seien geschädigt worden, besonders Fichten. „Im Folgejahr mussten 100.000 Pflanzen gesetzt werden, nach Orkan Lothar im Jahr 1999 sogar 220.000.“

Beeindruckt haben die Teilnehmer an der rund vier Kilometer langen Wanderung vor allem die Höhen der Exoten. So recken die höchste Douglasie und Küstentanne 55 Meter in den Himmel. Siegfried Knittel gibt dazu einen Größenvergleich: „Fichten und Lärchen kommen auf maximal 40 bis 45 Meter.“

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