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14.03.2016

Dillinger Stadträte befürchten einen „Schildbürgerstreich“

So soll die Anschlussstelle Höchstädt West aussehen. Den Dillinger Stadträten ist es allerdings ein Dorn im Auge, dass die gelb markierte Straße – derzeit ein Abschnitt der Steinheimer Spange – wieder ausgebaut werden soll. Diese Kosten sollen nach Willen der Räte eingespart und in den Ausbau des Wegenetzes gesteckt werden, damit Landwirte nicht weitere Wege zu ihren Feldern fahren müssen.
Bild: Staatliches Bauamt Krumbach

Stellungnahme Gremium stimmt dem Bau der neuen B16 in Höchstädt grundsätzlich zu. Mit einem Detail der Planung haben die Ratsmitglieder aber große Probleme

Dillingen Der Dillinger Stadtrat stimmt dem Bau der neuen Bundesstraße 16 in Höchstädt grundsätzlich zu. Das haben die Stadträte am Montagabend in ihrer Sitzung einstimmig beschlossen. Dillingen gehört zu den etwa 30 Kommunen, Organisationen und Verbänden, die im Planfeststellungsverfahren zum Bau der neuen B16 angehört werden. Von der sieben Kilometer langen neuen Straße, die etwa 35 Millionen Euro kostet, liegen nur etwa 300 Meter auf Dillinger Flur. Für das Projekt werden 55 Hektar Fläche nötig, nur 3,6 Hektar liegen auf Dillinger Gemarkung.

Oberbürgermeister Frank Kunz gab eingangs die Richtung vor, indem er sagte, dass man über vieles diskutieren könne – etwa die in Berlin festgesetzte Trassenführung im Norden von Höchstädt. „Hierzu haben wir aber im Rahmen dieses Planfeststellungsverfahrens nicht Stellung zu nehmen.“ Ähnlich äußerte sich auch Höchstädts Bürgermeister Stefan Lenz, der den Beginn der Sitzung verfolgte. Man könne sich lange darüber unterhalten, ob die vom Bundesverkehrsministerium festgelegte Trasse im Norden Höchstädts die erstbeste, zweitbeste oder gar nur die drittbeste Lösung sei. „Es ist aber die einzige Lösung, die eine Chance auf eine schnelle Umsetzung hat“, betonte Lenz. Und es gehe nicht nur um eine Entlastung Höchstädts, sondern um die wichtigste Verkehrsachse im Landkreis Dillingen. So ist es auch in der Dillinger Stellungnahme formuliert. „Die Stadt Dillingen begrüßt die mit dem Aufbau der B-16-Ortsumfahrung Höchstädt verbundene Stärkung der Verkehrsinfrastruktur der wichtigsten überregionalen Entwicklungsachse im nördlichen Landkreis Dillingen und die mit dem Ausbau verbundene Verkehrsentlastung von Höchstädt, mit der auch eine Entlastung von Steinheim und Donaualtheim erreicht werden kann.“

Bauoberrat Martin Hatzelmann sagte, dass sich das Bundesverkehrsministerium bereits 2009 auf die Nordtrasse festgelegt habe. Unterm Strich schneide diese Lösung am besten unter allen Trassen ab. Hatzelmann bestätigte, dass es durch den Bau der B16 Höchstädt auch zu einer Verkehrsentlastung für Steinheim und Donaualtheim kommen werde. Georg Schrenk (FW) zweifelte indes, dass die Nordtrasse die beste sei. Aus Sicht der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Ökologie sei eine Trasse, die 1300 Meter länger ist und so mehr Landschaft verbaut, am schlechtesten. Hermann Balletshofer (Wählergemeinschaft Steinheim) wollte von Lenz wissen, was Höchstädt zur Entlastung der Herzogin-Anna-Straße vorhabe. Eine Umgehung südlich von Steinheim Richtung Wertingen komme nicht in Frage. „Die Steinheimer Flur ist jetzt schon geknechtet wie keine andere in Schwaben“, sagte Balletshofer.

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Günter Schwertberger, Peter Graf, Thomas Demel, Dietmar Reile (alle CSU), Josef Kreuzer (Umland) und Rainer Schindler (FW) begrüßten wie Oberbürgermeister Kunz den Weiterbau der B16, forderten aber Verbesserungen in der Planung. So sollen die Umwege für die Landwirte, die zur Flur „Hackenberg“ wollen, minimiert werden. Außerdem soll das Staatliche Bauamt den Verlust an Jagdfläche kompensieren und geeignete Wildschutzmaßnahmen schaffen.

Ein Detail rief jedoch bei mehreren Dillinger Stadträten Unmut hervor. So soll an der Anschlussstelle Höchstädt West eine neue Abbiegespur in Richtung Steinheimer Kreisel errichtet werden. Etwa 500 Meter der bestehenden Steinheimer Spange würden dann wieder ausgebaut. Peter Graf mutmaßte, das Bauamt würde so eine halbe Million Euro in den Sand setzen.

Umlandfraktionschef Kreuzer nannte dies einen „Schildbürgerstreich“. Und Schrenk meinte ebenfalls: „Schilda lässt grüßen.“ Dem widersprach Bauoberrat Hatzelmann mit Nachdruck. Als die neue B16 in Dillingen geplant wurde, sei es überhaupt nicht sicher gewesen, welche Trasse in Höchstädt zum Zuge kommt. Wenn das etwa 500 Meter lange Stück der Steinheimer Spange wieder ausgebaut werde, könnten so etwa 17000 Quadratmeter Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Schwertberger riet, die Kreuzung so zu verlegen, dass die Straße nicht herausgerissen werden muss. Hatzelmann entgegnete, dies sei nicht möglich, weil wegen der Verkehrssicherheit gewisse Radien eingehalten werden müssten.

In der Stellungnahme des Dillinger Stadtrats steht, dass der Ausbau durch die Anpassung der Streckenführung vermieden werden soll. Die eingesparten Mittel sollen in den Ausbau des örtlichen Wegenetzes investiert werden, damit Bauern nicht längere Wege fahren müssen. Die Landwirte, so wurde mehrfach betont, würden durch den Bau der neuen B16 über die Maßen belastet. Die neue Bundesstraße führt durch bestes Ackerland. 50 Hektar seien es in Dillingen gewesen, jetzt kämen in Höchstädt weitere 55 Hektar hinzu, sagte Reile. Balletshofer stellte fest: „Der Flächenschwund auf Steinheimer Flur ist gigantisch.“ Deshalb sind den Landwirten die geplanten Ausgleichsflächen von elf Hektar ein Dorn im Auge.

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