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Dinkelscherben

09.08.2019

Dinkelscherben geht beim Hochwasserschutz leer aus

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Vor allem bei Tauwetter steigt der Pegel der Zusam an.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Plötzlich ist kein Geld mehr für ein Rückhaltebecken bei Dinkelscherben da. Das Projekt an der Singold wird hingegen gefördert. Kommt es nun zu Enteignungen?

Momentan plätschert die Zusam ruhig vor sich hin. Doch das kann sich schnell ändern. Mit Angst denken die Dinkelscherber zurück an das folgenschwere Hochwasser im Jahr 2005. Damals standen viele Keller unter Wasser. Bis zu 100 Anwesen in Dinkelscherben wären betroffen, wenn es wieder zu einem Jahrhunderthochwasser kommt, schätzen Experten.

Seit Jahren ist deshalb ein großes Rückhaltebecken an der Zusam bei Siefenwang geplant. Die schlechte Nachricht: Nun legt der Freistaat die Pläne dafür in die Schublade. Es fehle am Geld, erklärte der Chef des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes in Donauwörth, Kurt Nunn.

Man habe abwägen müssen

Die Absage des Projekts in Dinkelscherben hängt offenbar direkt mit dem Hochwasserschutz an der Singold zusammen. Man habe zwischen den beiden Projekten abwägen müssen, sagt Maximilian Hartmann vom Wasserwirtschaftsamt. Die Singold bei Holzhausen (Kreis Landsberg) habe ein „höheres Schadenspotenzial“ und sei deshalb priorisiert worden. Dort soll ein Rückhaltebecken entstehen. „Das heißt aber nicht, dass das Projekt in Dinkelscherben gestorben ist“, sagt Hartmann. Momentan geht es aber nicht weiter.

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Hintergrund: Seit Jahren wird über das Rückhaltebecken bei Siefenwang diskutiert. Um vor einer Katastrophe zu schützen, plant das Wasserwirtschaftsamt südöstlich von Dinkelscherben einen 300 Meter langen Damm. Dieses Rückhaltebecken bei Siefenwang soll ein hundertjährliches Hochwasser, ein sogenanntes HQ 100, zurückhalten. Vor eineinhalb Jahren lagen die geschätzten Baukosten bei rund 3,4 Millionen Euro. Dinkelscherben wollte sich mit 1,2 Millionen Euro beteiligen. Auch die Nachbargemeinde Zusmarshausen hatte als Hochwasserschutz-Profiteur knapp 100.000 Euro beigesteuert.

Harald Güller fordert ein Enteignungsverfahren

Doch liegt das Projekt auf Eis. Als entscheidend für die momentane Absage gelten die gescheiterten Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern. Über eine Million Euro müsse der Freistaat für den Grund zahlen, heißt es in einem Schreiben des Landtagsabgeordneten Harald Güller (SPD). Offenbar ist das dem Freistaat zu viel. In dem Schreiben wendet Güller sich an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Güller fordert ihn auf, ein Enteignungsverfahren einzuleiten. Nur so sei eine Einigung noch möglich. Die Eigentümer werden von einer Kanzlei vertreten, die sich auf derartige Fälle spezialisiert hat, erklärt Güller. Und die wolle „mit allen Mitteln Maximalpreise durchsetzen“. Deshalb müsse man das Enteignungsverfahren nun einleiten. Das heiße aber nicht, dass die Eigentümer zwangsläufig enteignet werden.

Der Antrag könne erst dann gestellt werden, wenn der Freistaat die Mittel für die notwendige Finanzierung in den Haushalt aufnimmt. Daran scheitere es bislang. Auch das Wasserwirtschaftsamt sieht in dem Verfahren, an dessen Ende eine Enteignung der Eigentümer stehen könnte, einen notwendigen Schritt. „Andernfalls geht es nicht voran“, sagt Maximilian Hartmann. Ist es eingeleitet, werde man versuchen, zu verhandeln. Kommt es zu keiner Einigung müsste ein Gericht entscheiden, wie viel Geld den Eigentümern für ihre Grundstücke zusteht.

Passiert ist aber nichts

Dass das Projekt an der Zusam vorübergehend abgesagt wurde, stieß auf Kritik. Landrat Martin Sailer schimpfte: „Das ist ja der Wahnsinn.“ Auch Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb wollte es kaum glauben. Halbjährlich habe er Schreiben an die Behörden verfasst, um das Projekt voranzutreiben. Passiert ist aber nichts. Kalb: „14 Jahre sind vergangen und es wurde noch keine Schaufel Erde bewegt, und noch keines der benötigten Grundstücke wurde erworben. Was für eine Geldverschwendung.“ Kalb geht davon aus, dass die Kosten für die Maßnahmen sich in dieser Zeit „mindestens verdoppelt“ haben. Zudem könnten sich die Ansprüche an das Rückhaltebecken durch den Klimawandel erhöht haben. Kalb fürchtet, dass, „wenn nicht bald etwas operativ umgesetzt wird“, auch in den kommenden 14 Jahren nicht gebaut wird.

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