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Landkreis Augsburg

27.02.2015

Dinkelscherben hat die meisten Asylbewerber

Bis Jahresende sollen im Kreis noch einmal mindestens 1600 Menschen unterkommen. Das stellt die Behörden vor Probleme.
Bild: Patrick Pleul/dpa

Bis Jahresende sollen im Kreis noch einmal mindestens 1600 Menschen unterkommen. Das stellt die Behörden vor Probleme.

Verschleppte Frauen und Kinder, ermordete Männer, tausende Familien auf der Flucht: Die neuerlichen Gräueltaten gegen Christen in Syrien werden in einigen Wochen auch im weit entfernten Landkreis Augsburg zu spüren sein. Dort bereiten sich freiwillige Helfer, Sozialarbeiter und Behörden auf eine Flüchtlingswelle vor, welche die bisherigen Prognosen noch übertrifft.

Weltweit sind so viele Menschen auf der Flucht wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr und im Augsburger Land werden bis Jahresende 1600 Asylbewerber zusätzlich erwartet. Als diese Prognose der Regierung vor knapp zwei Wochen eintraf, habe er sich erst einmal hinsetzen müssen, sagt der Chef der Ausländerbehörde, Max Rauscher. In den vergangenen drei Jahren akquirierten Regierung und Landkreis zusammen im Augsburger Land mit Mühe und Not knapp 1000 Plätze. Jetzt sollen bis zum Jahresende noch einmal 1600 her. Mindestens. Denn in den vergangenen Monaten wurde jede Vorhersage über die zu erwartende Anzahl an Menschen rasch von der Wirklichkeit überholt. Sicher ist nur. Derzeit kommen pro Woche 35 Menschen an, die eine menschenwürdige Bleibe brauchen.

In einer ersten Reaktion nahm der Landkreis sein Jugendheim in Dinkelscherben länger in Beschlag. Die knapp 100 Menschen dort sollten eigentlich im Frühjahr nach Langweid umziehen, jetzt dient das Kreisjugendheim bis 31. Juli als Flüchtlingsheim. Dort und in weiteren Häusern in Dinkelscherben hat das Landratamt inzwischen über 140 Menschen untergebracht – so viele wie in keiner anderen Kommune im Landkreis – Stand Mittwoch.

Der Freie-Wähler-Politiker Fabian Mehring hat unterdessen kritisiert, dass das Landratsamt im Meitinger Ortsteil Ostendorf bis zu 50 Flüchtlinge unterbringen wird, gestern zogen in den Neubau in der Nähe des Kindergartens schon die ersten Menschen ein. Der Meitinger Kommunalpolitiker wirft dem Landratsamt vor, über die Köpfe der örtlichen Verantwortlichen hinweg Tatsachen zu schaffen. Er ist sich sicher, dass „in Absprache mit der Kommune eine Vielzahl an geeigneteren Lösungen“ denkbar gewesen wäre.

Landrat Martin Sailer (CSU) wollte zu Mehrings Kritik keine Stellung nehmen. Ausländerbehördenchef Rauscher und seine Vorgesetzte Marion Koppe weisen sie zurück. Laufend sei das Landratsamt mit den Kommunen in Kontakt. Fakt sei, so Rauscher: „Wir müssen nehmen, was wir bekommen können.“ Eine bessere Koordination, wie sie Mehring fordert, sei da nicht drin.

Für eine wirkliche Entlastung, das bestätigten Koppe und Rauscher gestern auf Anfrage unserer Zeitung, könnte nur eine größere Unterkunft sorgen. Doch diese sucht das Landratsamt bislang vergeblich. Die Verhandlungen mit dem Bund wegen der Kasernen auf dem Lechfeld stecken bislang fest, das Verteidigungsministerium will nicht herausrücken. Verschärft wird die Situation durch die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Anerkannte Asylbewerber, welche die Unterkünfte eigentlich verlassen könnten, belegen dort weiter Plätze, weil es kaum günstige Wohnungen für sie gibt.

Kritiker Mehring fordert „ein Gesamtkonzept, dass insbesondere die Nutzung öffentlicher Liegenschaften miteinbezieht und eine tragfähige Struktur zur Betreuung der Asylsuchenden beinhaltet.“ Denn auf Dauer können man nicht darauf hoffen, dass sich genügend Ehrenamtliche finden, die sich um die Asylbewerber kümmern“, so der FW-Politiker.

Derzeit werden die Flüchtlinge im Kreis von rund 250 ehrenamtlichen Helfern betreut. Um deren Motivation müsse man sich nicht sorgen, sagt Astrid Zimmermann, welche die Freiwilligenhilfe im Kreis koordiniert. „Die Bevölkerung sieht doch die Not der Menschen.“

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