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Dinkelscherben

04.09.2019

Dinkelscherbens Wald muss zum TÜV

Philipp Hanner, Bürgermeister Edgar Kalb und Philipp Würth überprüfen den Zustand des Gemeindewaldes.
Bild: Michaela Krämer

Hitze, Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen zu. Wie ist die Lage in der Region? Wir waren beim Ortstermin in Dinkelscherben dabei.

Nicht nur der Dschungel am Amazonas brennt. Auch hierzulande sind Förster, Waldbesitzer und Umweltschützer alarmiert: Die heimischen Wälder sind in Not. In den vergangenen Monaten setzten ihnen Hitze, Dürre und Schädlinge zu. Aber ist es tatsächlich so besorgniserregend? 

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Ortstermin in Dinkelscherben: Recht zufrieden zeigte sich Philipp Würth von der PEFC Deutschland bei der Überprüfung, ob die Vorschriften seiner Organisation im Gemeindewald befolgt werden. Was ist eigentlich PEFC? Die vier Buchstaben stehen für ein internationales Waldzertifizierungsprogramm (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes).

Mit dem PEFC-Siegel würden Produkte gekennzeichnet, deren Holz aus umwelt- und sozialverträglicher Forstbewirtschaftung und nicht aus illegalem Raubbau stammt, erklärte der Fachmann.

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Die Einhaltung der Vorgaben überprüft

Auch der Gemeindewald Dinkelscherben trägt ein Gütesiegel. Aber ob das noch Gültigkeit hat? Am Dienstag überprüfte nach etwa 15 Jahren der „Wald-TÜV“ wieder die Einhaltung der Vorgaben. Begleitet wurde er von Bürgermeister Edgar Kalb sowie von Philipp Hanner, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Augsburg West.

Auf rund 60 Kriterien im langen Vorschriftenkatalog werden die Wälder stichprobenartig überprüft. „Wichtig ist die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft“, betonte Würth. Nicht nur der Zustand der Bäume, auch die Beachtung ökologischer und ökonomischer Aspekte spielen eine große Rolle. Bei der Baumernte dürfen nur bodenschonende Maschinen zum Einsatz kommen. Wird auch die biologische Vielfalt im Wald gefördert?

Forstarbeiter dürfen keine Dumpinglöhne bekommen

Einbringen von Mischbaumarten anstelle von Monokulturen, Aufbau von Mischbeständen, keine Anpflanzung genmanipulierten Setzlinge, keine Düngung zur Ertragssteigerung, nannte Würth unter anderem als Beispiele der Kriterien. Auch dürfen die ausgebildeten Forstarbeiter nicht mit Dumpinglöhnen abgespeist werden. Die Sicherheit bei der Arbeit spielt eine ebenso große Rolle beim Wald-TÜV, deswegen gibt es für die Forstarbeiter und privaten Waldbesitzer auch Motorsägenkurse.

„90 Prozent der Fläche in der Gemeinde Dinkelscherben sind Grünland, etwa die Hälfte davon ist Wald“, erklärt der Bürgermeister. „Früher schon hatten wir hier ideale Bedingungen, denn das Klima war optimal, und wir haben gute Böden.“ Das ist heute nicht anders. Auch wenn so mancher Spaziergänger über Totholz oder gerodete Flächen nicht besonders erfreut ist, so ist ein gewisser Anteil an Totholz und Biotopbäumen wichtig für den Lebensraum der Artenvielfalt. „Ein Förster blickt 20 Jahre voraus, wenn er den Wald inspiziert, ein Besucher sieht nur den Jetztzustand“, sagte Würth.

Heute hat jede Baumart irgendwelche Feinde

Heutzutage gebe es keine Baumart mehr, die keine Feinde hat, erklärte Philipp Hanner, auf die Borkenkäfer-Problematik angesprochen. Die Schönheit des Gemeindewaldes Dinkelscherben hat einen hohen Freizeitwert. Der Wald ist ein Wohlfühlbereich, ein Stück Kultur, davon ist Bürgermeister Edgar Kalb überzeugt. Denn neben dem Waldkindergarten gibt es auch einen Trimm-dich-Pfad. Und weiter: „Man muss auch die positive Entwicklung sehen. Es gab noch nie so viel Wald wie heute.“ (kräm)

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