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Literatur

01.03.2016

„Doktorchen“ erzählt von seinen Erlebnissen

Dr. Michael Lichtwarck-Aschoff kam zu seiner ersten Lesung nach Horgau. Das Foto zeigt ihn mit Büchereileiterin Renate Hoch-Ohnesorg, Pia Unger und Jutta Unger (von links).
Bild: Erwin Grab

Warum sich der Arzt Dr. Michael Lichtwarck-Aschoff Horgau als Ort seiner ersten Lesung ausgesucht hat

Mit etwa 60 Besuchern war der Leseraum der Horgauer Bücherei am Samstagabend mehr als gut besetzt, denn es galt, einen Preisträger zu begrüßen und anzuhören: den Gewinner des Schwäbischen Literaturpreises und des Irseer Pegasus, Dr. Michael Lichtwarck-Aschoff aus Stadtbergen.

Dass Horgau der Ort für seine erste Lesung war, das ist der langjährigen Freundschaft des Autors mit der Büchereileiterin Renate Hoch-Ohnesorg zu verdanken, die Lichtwarck-Aschoff aufforderte, sein „anderes neues Leben“, wie er sich selber ausdrückte, in der Bücherei zu beginnen, in der auch schon andere bekannte Autoren wie Peter Dempf, Dr. Martha Schad oder Andreas Nohl zu Gast waren.

Welche Gefühle berühren einen – jetzt im Ruhestand befindlichen – Arzt und Universitätsprofessor vor seiner ersten Lesung? Nein, aufgeregt sei er nicht, denn er sei es ja aus seiner Berufspraxis gewohnt, vor einem großen Auditorium zu reden, erklärte er. „Aber hier und heute gebe ich doch sehr viel Persönliches von mir preis. Erlebnisse und Erfahrungen, die mich in meiner beruflichen Laufbahn, besonders aber in meiner Einstellung, geprägt haben.“ Genau diese vielen Erinnerungen machten das Besondere an dieser Lesung aus.

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Lichtwarck-Aschoff liest nicht, er erzählt. Das Manuskript auf dem Tisch dient scheinbar nur als Erinnerungsstütze, denn das Geschriebene ist nicht die Erfindung eines Autors, sondern das geistige Tagebuch eines erfolgreichen Arztes. Natürlich sind die Namen geändert und manche Geschehnisse mit dichterischer Freiheit umschrieben, aber die Zuhörer fühlen sich mitgenommen und angerührt, wenn sie hören, dass ein Oberarzt seinen Assistenten daran erinnert, dass um die „Lunge von Zimmer 314“ herum ein Mensch existiert; ein Mensch mit einen Namen und eigenem Schicksal. Wenn die Putzfrau, die in mehr als 20 Jahren so viele hat kommen und gehen sehen, orakelt: „Gell Doktorchen, den lässt gehen, der will nicht mehr!“ – oder: „Doktorchen, den bringst doch durch, gell?“ Sie weiß, dass für manche die Reise schon gebucht ist. Eine Reise, für die es kein Storno gibt.

Ja, manche Textpassagen machen betroffen und nachdenklich. Aber immer kommt bei Lichtwarck-Aschoff zum Schluss das Lächeln der Hoffnung: „An den Himmel muss ich mich erinnern, dass ich das ja nicht vergesse!“, lässt er einen „Psychotischen“ sagen, oder auch: „Was der Mensch so aushält, hält keine Sau aus!“ So vergingen fast zwei Stunden wie im Fluge, angenehm unterbrochen von der Musik von Pia Unger (Querflöte) und ihrer Mutter Jutta Unger, die sie auf der Gitarre begleitete. (AL)

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