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Gersthofen

28.04.2013

Doktortitel weg, Waffenkarte weg

Weil sein in Paraguay erworbener Doktor-Titel aberkannt wurde, darf ein 63-Jähriger aus Gersthofen keine Gewehre mehr besitzen.
Bild: Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Weil sein in Paraguay erworbener Doktor-Titel aberkannt wurde, darf ein 63-Jähriger aus Gersthofen keine Gewehre mehr besitzen.

Erst der Ärger wegen des angeblich falschen Doktortitels, dann auch noch das. Das Landratsamt hat dem Arzt aus Gersthofen – das schmerzt den 63- Jährigen, der vor dem Verwaltungsgericht geklagt hat, noch viel mehr – seine Waffenbesitzkarte entzogen. Wegen „Unzuverlässigkeit“. So etwas lässt sich kein Mediziner gerne vorwerfen. Für den Kläger, einen leidenschaftlichen Sportschützen, ist das ein geradezu verhängnisvoller Vorwurf.

Schießen ist das Hobby des Mediziners

Seit vier Jahrzehnten ist Schießen sein Hobby, das er ohne eigene Waffen nicht mehr ausüben kann. Und das alles, wie er Richterin Beate Schabert-Zeidler erklärte, weil ein Strafrichter vor drei Jahren sich geirrt, in den Untiefen des bayerischen Hochschulrechts den Überblick verloren habe. Anders als in den Fällen einer Reihe bekannter deutscher Politiker hatte ihm niemand den Vorwurf gemacht, er habe für seinen „Dr. med“ abgeschrieben.

Doktortitel in Paraguay erworben

Sein Pech war nur: Sein an der Universität von Asuncion in Paraguay erworbener Doktorgrad wird in Deutschland nicht anerkannt. Des Streitens müde, so sagt der Arzt es heute, habe er vor dem Amtsgericht eine Geldstrafe von 1800 Euro akzeptiert. Der 63-Jährige und wohl auch sein Verteidiger übersahen dabei eine Konsequenz, die das Urteil hat. Wenn ein Angeklagter, wie in diesem Fall, zu 60 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt wird, prüft die Behörde an seinem Wohnort, ob der Verurteilte Waffen und einen Jagdschein besitzt. 2004 hat der Gesetzgeber das Waffenrecht verschärft.

Wer zu 60 Tagessätzen und mehr verurteilt worden ist, der wird automatisch als „unzuverlässig“ eingestuft, darf keine Waffen mehr besitzen und muss sowohl die Waffenbesitzkarte als auch den Jagdschein abgeben. Diese leidvolle Erfahrung haben schon einige prominente Augsburger machen müssen. Gesetz ist Gesetz – damit musste sich auch der Kläger kopfschüttelnd abfinden. Dennoch wird er nicht gänzlich auf sein Hobby verzichten müssen. Das Gericht riet ihm, seine Gewehre für zwei Jahre zur Miete bei einem Waffengeschäft oder einem dazu berechtigten Bekannten einzustellen. Danach muss das Landratsamt, wenn er dies beantragt, prüfen, ob er Gewehre besitzen darf.

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