Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Drei gelbe Smileys sorgen für gute Laune

Welden

09.02.2018

Drei gelbe Smileys sorgen für gute Laune

Farbenfroher Besuch in der Metzgerei Weiß in Welden: Solveig Weiß fotografiert die lustigen Weiber Ilse Brüning, Marlene Rinninger und Hilde Reck sowie ihren Mann Karl hinter der Verkaufstheke. 
Bild: Marcus Merk

Seit 38 Jahren ziehen die lustigen Weiber einen Tag lang durch den Ort und sammeln Spenden. Warum die Zukunft dieses Brauchs unsicher ist

Die lustigen Weiber von Welden sind erfinderisch: Zu ihrer neuen Ausstattung gehört ein selbst gebastelter Spendomat. Damit will das Trio die Bankkonten derjenigen Männer „plündern“, die sagen, sie hätten von ihren Frauen kein Geld mitbekommen. „Was meinen Sie, wie uns da manche anschauen, wenn wir dann unseren Spendomat für EC-Karten rausholen?“, sagt Ilse Brüning und kichert. Spaß gehört dazu, wenn sich die 78-Jährige mit ihren zwei Freundinnen auf eine Tour durch den Ort begibt.

Seit 38 Jahren ziehen die Weiber am Donnerstag vor dem Faschingswochenende durch die Geschäfte, Praxen, Firmen, das Rathaus und besuchen auf Wunsch inzwischen auch Privatleute. Vor allem ältere Bewohner, die nicht mehr viel aus dem Haus kommen, freuen sich über diese Abwechslung und warten schon auf das Klingeln an der Tür an diesem Tag.

Jedes Jahr eine neue Kostümidee

Heuer haben sich die lustigen Weiber als quietschgelbe Smileys verkleidet. Bei den Kostümen lassen sie sich jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen. Sie waren schon Polizistinnen, Schwarzwaldmädels, TÜV-Prüferinnnen, Ärztinnen oder Hexen. Die Idee dafür entsteht bei privaten Treffen. Die drei temperamentvollen Frauen sind seit langer Zeit befreundet. Früher zogen sie in Welden gemeinsam los zum Weiberball, doch den gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.

Großes Hallo empfängt die Drei bei ihrem Rundgang in der Metzgerei Weiß. „Das sind einfach Weldener Originale“, freut sich Johann Feil, der sich dort gerade sein Mittagessen holt. Das Engagement und die gute Laune der Frauen imponieren ihm. Gerne gibt der Inhaber des Autohauses am Ort eine Spende. Die Weiber sammeln für einen guten Zweck. Im Schnitt kommen so 2000 Euro zusammen. Das Geld wird an die sozialen Einrichtungen im Ort verteilt.

Gute Stimmung ist garantiert

Wenn die lustigen Weiber da sind, ist gute Stimmung garantiert. Mit den Worten „der schönste Platz ist doch immer an der Theke“, marschieren sie in der Metzgerei nach hinten zu Solveig und Karl Weiß und bitten die Geschäftsleute um eine Spende. Auch ein Liedchen haben sie auf den Lippen. Ihr Slogan in diesem Jahr lautet: „Immer lächeln ohne Frust, auch wenn man mal was geben muss.“

Am Stoffbeutel von Hilde Reck hängt eine besondere Ausbeute des Tages: Ein Bündel abgeschnittener Krawatten, die meisten sind logischweise eher etwas aus der Mode gekommene Stücke. „Aber es sind auch einige ganz schöne dabei“, wundert sich die mit der Schere bewaffnete Sammlerin. Ein Mann habe heuer sogar freiwillig gleich seine komplette Krawatte hergegeben, erzählt Hilde Reck.

Als sie am Pfarrhaus läuten, öffnet Pfarrer Victor Onwugigbo und lacht beim Anblick der kostümierten Besucherinnen. Auch seine Sekretärin hat diese schon erwartet. „Hut ab, das ist super, was die Frauen machen,“ lobt sie das Engagement. Eine Krawatte können diese dem Pfarrer nicht abschneiden, dafür haken sie ihn unter und Marlene Rinninger hat für den Geistlichen einen lockeren Spruch parat, um das Eis zu brechen. „Wir sind keine Engel, aber wir sind auch keine Bengel.“

Früher zogen die Weiber im Dutzend durch den Ort, doch die Zahl wird immer geringer. Zwei im Trio sind inzwischen 73 Jahre alt, eine 78. Neue junge Frauen kommen bisher leider nicht dazu, bedauert Marlene Rinninger. „Wir wären froh, wenn noch jemand mitmacht,“ sagt sie. Schließlich wäre es schade, wenn es eines Tages nach so vielen Jahren diesen Brauch in Welden nicht mehr geben würde.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren