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Theater

18.10.2016

Drei prominente Kerle in den besten Jahren

Bei der Jugendliebe Karin kennen sie keinen Spaß: Rolf, Wolfgang und Manfred streiten sich um die Vaterschaft von Karins Tochter.
Bild: Sonja Diller

Ein bekanntes Trio in Neusäß: Horst Janson, Christian Wolff und Hans-Jürgen Bäumler sinnieren übers Alter

Drei große Namen sind immer noch der Garant für volle Häuser. Wie geschehen in der Stadthalle Neusäß, als Hans-Jürgen Bäumler, Horst Janson und Christian Wolff als 78-jährige „Kerle im Herbst“ ihrem Publikum einen vergnüglichen Abend bescherten. Vor vollen Sitzreihen präsentierten sie ihre „Erkenntnisse aus der „Welt der Verkalkung“ auf amüsante Art.

Sie könnten auf jeden Fall noch alles, was in ihrer Jugend so selbstverständlich war, sind die drei auf Mallorca residierenden Ruheständler überzeugt. Egal ob es sich darum handelt, auf einen Apfelbaum zu klettern oder um Leistungen zwischen den Laken. Wenn sie es denn wollten. Aber sie wollen ja nicht wirklich mehr als mit einem Getränk im Liegestuhl die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Darin sind sich zumindest Manfred (Horst Janson) und Wolfgang (Christian Wolff) einig. Rolf (Hans-Jürgen Bäumler, mit realen 74 Jahren der jüngste im Trio), setzt dagegen auf Körperertüchtigung und erklimmt mit seiner Rennmaschine und mit großer Ausdauer die Berge der neuen Wahlheimat. Die belehrenden Vorträge ihres Turnvaters Jahn können die beiden auf Schonhaltung bedachten Herren schon nicht mehr hören und freuen sich diebisch über seine von der Terrasse aus zu beobachtende schnaufende Heimkehr mit plattem Reifen.

Frischen Wind bringen Briefe einer ehemaligen Schulfreundin in die Idylle der flachsenden Senioren. Die schöne Karin kündigt ihren Besuch an und versetzt damit die drei Herren in helle Aufregung. Erinnerungen von langen Beinen und zarten Rundungen haben sie alle. Auch wenn Wolfgang sich später als homosexuell outete, war auch er in der Jugend von Karin angetan. Der Gedanke, dass sich hier nach 57 Jahren Kleinigkeiten geändert haben könnten, schleicht sich erst nach und nach in die Überlegungen ein. Seltsam ist allerdings, dass ein Brief nach dem anderen von der jungen, hochschwangeren Haushälterin Dani (Sarah Jane Janson) überreicht wird. Die Casanovas vergangener Tage erfahren, dass Karin neun Monate nach dem Schulabschluss eine Tochter zur Welt gebracht hat, und diese nicht von ihrem späteren Ehemann stammen kann. Es stellt sich raus, dass alle drei damals ein Verhältnis mit der Schönen hatten. Wer ist also der Vater? Diese Frage wollen sie mit Karin klären, die aber nicht ankommt. Dafür bringt Haushälterin Dani den letzten Brief und damit die traurige Erkenntnis, dass die nie kennengelernte Tochter ebenso wie Karin inzwischen verstorben sind. Dani ist die Enkelin, die sich die potenziellen Großväter genauer ansehen wollte. Die Herren verlieben sich Hals über Kopf in die nach all der Aufregung geborene Urenkelin und alles wird gut.

Für die leichte Geschichte bedankten sich die vielen Fans mit lang anhaltendem Applaus. Als ehemaliger Eisprinz hatte Hans-Jürgen Bäumler ebenso wie seine beiden Kollegen viel Vertrauensvorschuss mitgebracht und nicht enttäuscht. Mit Horst Janson als TV-Kultfigur „Bastian“ und Christian Wolff als ehemaliger Förster Falkenau konnte nichts mehr schiefgehen bei der knapp zweistündigen Geschichte rund um die Frage, ob das Alter die Sichtweise verändert. Tut es nicht, resümierte der Mallorca-Rentner Manfred. Denn: „Mein Opa war ein alter Mann, aber ich hatte doch gestern noch Pickel“, sagt alles über die Diskrepanz zwischen Fremd- und Eigenbild. Und damit war die Geschichte vielleicht doch eine mit mehr Denkanstößen als gedacht.

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