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Stadtbergen

02.03.2017

Dringend gesucht: erschwinglicher Wohnraum

Monia Körber, Sohn Alexander und Ehemann Alexander Fischer suchen seit einem Jahr nach einer neuen Bleibe in Stadtbergen, weil es in ihrer jetzigen Wohnung an verschiedenen Stellen feucht ist und schimmelt. Im Augenblick eine neue Mietwohnung zu finden ist allerdings schwer: Der Wohnungsmarkt ist wie leer gefegt.
Bild: Andreas Lode

Stadtbergen hat den größten Bestand an Mietwohnungen im Landkreis. Trotzdem sucht eine Familie seit einem Jahr.

Erst vor wenigen Tagen hat Alexander Fischer die schwarzen Flecken an der Wand der Erdgeschosswohnung überstrichen. Doch das ist nur Kosmetik. Denn bald wird der Schimmel das feuchte Mauerwerk der Mietwohnung wieder überziehen. Alexander Fischer, der zweijährige Sohn Alexander und Frau Monia Körber müssten schnellstens aus der 70 Quadratmeter großen Mietwohnung im Zentrum von Stadtbergen. Aber wohin? Der Wohnungsmarkt ist im Augenblick wie leer gefegt.

Weder bei den großen Immobilienportalen im Internet noch auf der zweimal wöchentlich in unserer Zeitung erscheinenden Immo-Börse finden sich geeignete Angebote. „Wir suchen schon seit einem Jahr“, sagt Monia Körber, die mit ihrer Familie gerne in Stadtbergen oder Leitershofen bleiben möchte.

Es ist die Nähe zu Augsburg, die gute Anbindung und die vielen sportlichen oder kulturellen Angebote, die Kommunen im westlichen Stadtrand von Augsburg als Wohnorte so attraktiv machen. Thomas Micheler von der Wohnungsbau-GmbH des Landkreises (WBL) bestätigt: „Wohnungen im Speckgürtel sind begehrt.“ Die Nachfrage sei im Augenblick so groß, das eine Warteliste geführt werden muss. Micheler: „Und die ist enorm groß.“ Wird eine Wohnung frei, dann ist sie im nächsten Augenblick schon wieder vergeben. Die WBL hat rund 700 eigene Wohnungen in Stadtbergen, dazu kommen etwa 90 weitere. Sie gehören der Stadt, werden aber vom Landkreis-Unternehmen verwaltet.

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Nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion sollen in Stadtbergen noch mehr Wohnungen entstehen. Fraktionsvorsitzender Roland Mair: „Mit 20 neuen Sozialwohnungen im Jahr verwandeln wir Stadtbergen nicht in eine arme Kommune, mit steigenden Ausgaben im Bereich der Sozialleistungen und mit geringeren Einnahmen, sondern in ein Stadtbergen, in der jeder seinen Platz findet.“ Stadtbergen dürfe kein „Reichengetto“ werden und auch keine „Armensiedlung“. Mair: „Auch Durchschnittsverdiener tun sich mittlerweile schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.“ Dass die Situation besonders für einkommensschwache Gruppen angespannt ist, sieht auch die CSU-Fraktion. Allerdings: „In Stadtbergen wurde und wird viel getan. Wir können eben nur im Rahmen unserer Möglichkeiten handeln und nicht die Wohnraumnot der ganzen Region lösen“, sagte Fraktionschef Josef Kleindienst. Stadtbergen nehme eine Spitzenposition im Landkreis ein, was das Angebot von preisgünstigem Wohnraum betrifft. Kleindienst erinnert an die 39 Wohneinheiten, die im Virchow-Viertel gebaut werden. Am Nestackerweg baue die WBL 36 neue Mietwohnungen. Weitere Projekte skizzierte Stadtbaumeister Ulrich Lange: Baugebiete, die auch in größerem Umfang Mehrfamilienhäuser vorsehen, sind in Leitershofen „Im Anger Teil I“ mit etwa 67 Wohneinheiten. „Östlich der Leitershofer Straße“ in Stadtbergen sollen insgesamt rund 200 Einheiten entstehen.

„Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht und ist diejenige Kommune im Kreis, die mit zirka 900 Wohnungen den höchsten Bestand an preisgünstigen Wohnungen vorzuweisen hat“, stellte Günther Oppel von Pro Stadtbergen in der Diskussion klar. Mit der Behauptung, es gäbe einen Mangel an preisgünstigen Wohnungen, werde landauf landab Druck auf die Kommunen gemacht, um massive Baulandausweisungen auszulösen, sagte der Fraktionsvorsitzende. Er forderte eine „Situationsanalyse“ und ein Zukunftskonzept. Ein Hauptaugenmerk von Pro Stadtbergen: Werden freie Wohnungen der WBL und der Stadt auch tatsächlich an einheimische Interessenten vergeben?

Monia Körber und ihre Mann Alexander Fischer würden sich freuen, wenn sie weiterhin in Stadtbergen bleiben können. Sie hatten übrigens auch schon überlegt, sich ein Eigenheim zu bauen. Aber wo gibt es im Augenblick günstige Grundstücke? Die sind wie freie Wohnungen Mangelware.

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