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Kutzenhausen

27.06.2019

Drohungen und Hass: „Wer aus Scham schweigt, deckt die Täter“

Kutzenhausens Bürgermeisterin Silvia Kugelmann wird bedroht – und geht damit an die Öffentlichkeit. 
Bild: Marcus Merk

Plus Kutzenhausens Bürgermeisterin Silvia Kugelmann wurde bedroht und beleidigt. Jetzt will jeder mit ihr darüber reden. Was macht das mit ihr?

Hassbriefe, Morddrohungen, ein aufgestochener Autoreifen. Kutzenhausens Bürgermeisterin Silvia Kugelmann wurde beleidigt und bedroht. Seitdem sie sich entschlossen hat öffentlich darüber zu sprechen, steht ihr Telefon nicht mehr still.

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Ein Interview in der Zeit, Fernsehbeiträge, eine Einladung zu Markus Lanz – alle wollen mit Ihnen über den Hass sprechen, den Sie erfahren haben. Hätten Sie damit gerechnet?

Silvia Kugelmann: Nein. Niemals. Ich habe lange gezögert, als die Anfrage für ein großes Interview in der Zeit kam. Es ist mir wichtig zu betonen, dass mein Fall nichts mit der aktuellen Debatte zu Bedrohungen durch Nazis zu tun hat. Dennoch war es die richtige Entscheidung öffentlich über die Anfeindungen zu sprechen.

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Weshalb?

Kugelmann: Wer aus Scham schweigt, deckt damit die Täter. Natürlich hatte ich Angst, dass die Beschimpfungen dadurch zunehmen. Ich wusste nicht, wie die Öffentlichkeit reagiert. Aber ich wollte die Möglichkeit annehmen, anderen Betroffenen Mut zu machen. Wenn die Gesellschaft nicht versteht, wie real die Bedrohungen sind, bleiben die Betroffenen alleine. Nur wenn man über diesen Hass spricht, können wir zurück zu einer Gesellschaft der Solidarität und Toleranz.

Hat das funktioniert?

Kugelmann: Die Öffentlichkeit hilft sich zu solidarisieren. Nachdem ich an die Öffentlichkeit gegangen bin haben sich Kommunalpolitiker aus ganz Deutschland bei mir gemeldet. Vielen von ihnen ging es ähnlich. Überrascht hat mich, dass auch Menschen aus meinem privaten Umfeld auf mich zukamen, die jetzt erst verstanden haben, um was es ging.

Hätten Sie damit gerechnet, dass so vielen Kommunalpolitikern ähnliches passiert ist?

Kugelmann: Nein. Für das Interview in der Zeit habe ich mich mit anderen betroffenen Bürgermeistern getroffen. Das war eine sehr emotionale Begegnung. Sie hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin. Auch eine aktuelle Studie zeigt: Hass, Bedrohungen und Beleidigungen gegen Bürgermeister und Gemeinderäte nehmen zu.

Woher kommt dieser Hass?

Kugelmann: Die Motivation ist sicher vielfältig. Ich denke, oft sind es private Gründe. Was ich allgemein feststellen kann ist, dass die Gesellschaft verroht. Der Ton wird rauer und Werte verfallen. Wir merken das besonders in der Kommunalpolitik. Ein Beispiel: Gibt es in irgendeiner Gemeinde neue Bauplätze, können Sie sich sicher sein, dass es großen Streit gibt. Zum Problem wird das, wenn es zu Beleidigungen und Bedrohungen kommt. Wenn ihr Leben bedroht wird, geht die Unbeschwertheit im Beruf verloren. Aber es ist wichtig sich frei von dieser Angst zu machen. Sonst ist es nicht möglich, ein normales Leben zu führen.

Wie schaffen Sie das?

Kugelmann: Ich versuche, diese Menschen zu verstehen. Ganz werde ich das nie schaffen – und das will ich auch nicht. Wichtig ist, für sich zu entscheiden, diese Dinge nicht mehr an sich heranzulassen und auch öffentlich darüber zu sprechen. Sonst zerbricht man. Diese Botschaft möchte ich auch an die Öffentlichkeit richten.

Sie treten nicht noch einmal als Bürgermeisterkandidatin an. Ist das da nicht das falsche Signal?

Kugelmann: Diese Entscheidung habe ich schon im Oktober vergangenen Jahres verkündet. Ich will mich beruflich neu orientieren und ich finde, das ist nach 24 Jahren als Gemeinderätin und Bürgermeisterin auch legitim. Außerdem werde ich für den Kreistag kandidieren.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie noch einmal antreten?

Kugelmann: Trotz allem – ich glaube ja. Es ist kein einfaches Amt, aber es ist ein sehr schönes.

Hier lesen Sie mehr über die Hintergründe der Drohungen und Beleidigungen gegen Silvia Kugelmann.

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