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Landkreis Augsburg

22.11.2020

Drückjagden auf Wildschweine werden reduziert

Die Population findet aufgrund des zunehmenden Maisanbaus und der immer milderen Winter ausreichend Nahrung.
Bild: Fernando Gutierrez, dpa

Plus So viele Wildschweine wie noch nie wurden im Augsburger Land im vergangenen Jagdjahr erlegt. Doch wegen Corona ist nun alles anders.

So wild wie noch nie waren die Deutschen im vergangenen Jahr auf Wildbret. Mehr als 20.000 Tonnen Wildschwein wurden nach Auskunft ders Deutschen Jagdverbands (DJV) im vergangenen Jagdjahr verspeist. Ein Großteil aller vermarkteten Schwarzkittel kommt aus Bayern. Und auch die Jäger aus dem Augsburger Land waren treffsicher. "Wir hatten im vergangenen Jagdjahr einen Rekordabschuss von 660 WIldschweinen", sagt Hubert Droste, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Zusmarshausen. Auch Roland Bock von der Jägervereinigung Schwabmünchen freute sich über 522 erlegte Tiere. Doch aufgrund Corona wurden nun die zum Jahresende traditonellen Drückjagden zunächst untersagt. Droht nun eine Wildschweinplage?

Roland Bock ist der Vorsitzende der Jägervereinigung Schwabmünchen.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Bei Drückjagden handelt es sich ebenfalls um Veranstaltungen, die nach dem Infektionsschutzgesetzt verboten sind. Dies hat nicht nur zu massiven Protesten des DJV geführt, auch die heimischen Revierinhaber zeigten sich besorgt. Schließlich sei auch für die Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) eine weitere Reduzierung der Wildschweinbestände notwendig. Nun ist auch das Landratsamt Augsburg dieser Argumentation gefolgt und erteilt Ausnahmegenehmigungen. Diese beinhalten jedoch strenge Auflagen.

Wildschweine: Nur 50 Personen sind wegen Corona bei Drückjagden erlaubt

Erlaubt sind bei den Drück- beziehungsweise Bewegungsjagdem nur noch maximal 50 Personen. "Dazu zählt auch das Hilfspersonal, beispielsweise Hundeführer oder Personen, die beim Abtransport helfen", sagt Droste. "Bei unseren Drückjagden sind zum Teil neben den vielen Helfern bis zu 100 Schützen im Einsatz, die die von den Hunden in Bewegung gebrachten Wildschweine ins Visier nehmen".

Verzichten müssen die Waidmänner heuer unter anderem auch auf das traditionelle "Abblasen" oder das "Strecke legen". Auch die Übergabe des "Schützenbruchs", den kurzen Zweig, den sich der erfolgreichen Jäger an den Hut stecken darf, ist nicht erlaubt. "Das sind aber alles Einschränkungen, mit denen wir gut leben können", sagt Droste. Ihm ist wichtig, dass überhaupt gejagt werden darf.

So sieht das auch Roland Bock. "Die geforderten Hygieneregeln sind sinnvoll und auch durchführbar", sagt der Vorsitzende der Jägervereinigung Schwabmünchen. So würden beispielsweise vorab die Teilnehmer online unterwiesen und die Gruppen auf maximal vier bis fünf Personen verkleinert. "Wichtig ist, dass vor allem die Einzeljagden weiterhin erlaubt sind", sagt er. Alles gesellschaftliche und traditionelle Drumherum könne man ja später irgendwann nachholen.

Der WIldschweinebestand ist laut Droste nicht nur im Landkreis Augsburg immer weiter angestiegen: "Die Rekordabschusszahlen im vergangenen Jahr, sind dafür ein eindeutiger Beleg". Denn: Die Population finde aufgrund des zunehmenden Maisanbaus und der immer milderen Winter ausreichend Nahrung. Ein Aspekt, der sich laut Bock zudem positiv auf die Verwertung des Wildbrets auswirkt. War in der Vergangenheit immer wieder ein großer Teil der erlegten Wildschweine aufgrund der hohen Strahlenbelastung nicht für den Verzehr freigegeben, hat sich dies nun ein Stück weit geändert.

Afrikanische Schweinepest ist (noch) kein Thema im Augsburger Land

"Die Becerel-Belastung ist nicht mehr so hoch, da sich die Wildschweine über einen langen Zeitraum von Mais ernähren können", sagt Bock. Aktuell finden die Tiere im Wald noch reichlich Bucheckern und Eicheln "und in der Erde wühlen, brauchen die Tiere erst später". Zudem sei eine möglich Strahlenbelastung nach drei Monaten im Körper des Wildschweins wieder abgebaut. Bock ist auch guter Dinge, dass die gefürchtete Afrikanische Schweinepest (ASP) zumindest vorerst im Augsburger Land kein Thema sein wird.

"Bislang hatten wir noch keinen Fall bei uns", sagt Bock. Für alle Fälle aber habe die Untere Jagdbehörde bereits einen "Schwarzwildbeauftragten" benannt, der im Ernstfall alle Maßnahmen mit dem Veterinäramt koordiniert. Bewährt habe sich bislang auch der rund 200 Kilometer lange Zaun an Bayerns östlicher Grenze, der einen Wildschweinverkehr aus den betroffenen Gebieten verrhindern soll. "Wildschweine sind in der Regel ja standorttreu", erklärt Bock. Und so lange die Futterversorgung im Augsburger Land stabil bleibe, würden die Tiere nicht weiterziehen.

Wildbret zur Weihnachtszeit - das steht bei vielen Bürgern ganz oben auf der Wunschzettel. 
Bild: Michael Geyer (Archiv)

Ordentlich in Bewegung aber werden die Schwarzkittel im Dezember kommen. Dann, wenn die Bracken und Terrier bei der Drückjagd durch die Wälder streifen, um das Wild dem Jäger vor die Büchse zu treiben. Denn Wildbret zur Weihnachtszeit - das steht bei vielen Bürgern ganz oben auf der Wunschzettel.

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