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Landkreis Augsburg

20.11.2018

Dürre: Wie gut halten sich die Christbäume aus dem Landkreis?

Riecht aromatisch und nadelt nicht: Ulrich Zott aus Ustersbach setzt auf die sogenannte Frasertanne aus Nordamerika.
Bild: Marcus Merk

Verlieren die Christbäume wegen der Trockenheit der vergangenen Monate in diesem Jahr ihr Kleid früher? Produzenten im Norden schlagen Alarm.

An Weihnachten ist der trockene Sommer gedanklich längst Vergangenheit. Trotzdem könnte er noch Ärger machen: Verlieren die Christbäume in diesem Jahr früher als sonst ihre Nadeln? „Das ist unklar“, sagt Ulrich Zott vom gleichnamigen Obsthof in Ustersbach. Er befasst sich seit vielen Jahren leidenschaftlich mit den kleinen Bäumen. Er hat in Skandinavien sogar Kurse belegt, um mehr über den optimalen Christbaum herauszufinden. Nach dem Rekordsommer steht für Zott fest: Wer auf Nummer sicher gehen und keine Nadel-Probe riskieren will, besorgt sich am besten einen frischen Baum aus der Region.

Die Christbaum-Produzenten aus dem Augsburger Land haben schon von den Ausfällen aus dem Sauerland gehört

Ob dauerhafte Hitze und Trockenheit den Bäumen zu schaffen machen, sei vor allem eine Frage des Standorts, meint Rudolf Buchner. Er hat in Fischach-Siegertshofen eine Christbaumkultur. „Der Boden bei uns hält das Wasser besser“, erklärt er. Sein Kollege Martin Link aus Heretsried sagt: „Bei kiesigen und sandigen Böden könnte es für Bäume eng werden.“ Er hat bereits von den Ausfällen vieler Christbaum-Produzenten aus dem Sauerland gehört.

Nach mehreren Wochen fast ohne Regen bangten die Betreiber von großen Weihnachtsbaum-Plantagen um ihre Jungpflanzen. Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger schlug bereits im August Alarm und rechnete je nach Standort mit Ausfällen von bis zu 70 Prozent – die könnten dann in einigen Jahren für die Kunden spürbar werden.

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Alternativen zur Nordmanntanne als Christbaum? Fraser- oder Türkentanne?

Drohen auch Ausfälle im Augsburger Land? Wohl kaum. „Da wir bis Ende Juni ausreichend Niederschläge bekommen haben, und unsere Böden Wasser gut speichern, stehen die eigenen Kulturen gut da. Vorteil unserer Flächen ist auch, dass sie relativ klein sind und die Bäume im Schutz des Waldes wachsen“, sagt Hubert Droste, der Leiter des Forstbetriebs Zusmarshausen der Bayerischen Staatsforsten. Die Förster verkaufen seit vielen Jahren Christbäume unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt im Kloster Oberschönenfeld. Ein Teil des Erlöses wird an die Kartei der Not gespendet.

Sich gar nicht erst auf ein Risiko beim Nachwuchs einlassen will Ulrich Zott. Der Ustersbacher sucht deshalb nach Alternativen. Wer beispielsweise auf den Lieblingsweihnachtsbaum der Deutschen – die Nordmanntanne – verzichten will, könne auch der so genannten Frasertanne den Vorzug geben. Die Baumart aus Norderamerika habe laut Zott mehrere Vorteile: „Sie schaut der Nordmanntanne ähnlich. Sie hält ihre Nadeln. Und sie versprüht ein zitroniges, waldartiges Aroma.“ Zott schwärmt von der Baumart: „Alle Kunden, die sie bisher hatten, wollen sie wieder haben.“

Die Frasertanne ist übrigens nicht der einzige Neuling, den sich Zott geholt hat. Immer wieder greift er zu Exoten, um zu prüfen, wie sie sich im Augsburger Land machen. Auch die Staatsforsten hat eine große Versuchreihe begonnen – es geht allerdings nicht um Christbäume, sondern um die forstliche Zukunft Bayerns. Sie wächst auf einer Fläche von gut 5000 Quadratmetern, versteckt im Lindacher Forst zwischen Biburg und Horgau, heran.

Im Frühjahr wurden dort Baumarten gepflanzt, die in 100 Jahren dem prognostizierten Klimaänderungen gewachsen sein sollen. Die Experten hoffen, dass sie in der Zukunft das Spektrum der Nadelholzarten in Süddeutschland einmal erweitern können. Die Wahl für den besonderen Versuch fiel auf Atlas- und Libanonzeder sowie Türkentanne, weil sie jetzt schon unter Klimabedingungen wachsen, die für Schwaben in einigen Jahrzehnten erwartet werden. Der Türkentanne gefällt’s offenbar nicht auf dem Versuchsfeld der Bayerischen Staatsforsten: Die meisten der kleinen Pflänzchen sind im Frühjahr verkümmert.

Die diesjährigen Trends in Sachen Christbäume

Das sind die Trends, die die Experten des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger sehen:

Die Preise Sie könnten geringfügig steigen – um 50 Cent bis ein Euro pro laufendem Meter, was laut Zott auch an steigenden Personalkosten liegt.

Die Nachfrage Bei voraussichtlich unverändertem Nachfragevolumen von rund 27 Millionen Bäumen scheinen Angebot und Nachfrage nicht mehr so ausgeglichen zu sein wie 2017. Der Importanteil geht laut Bundesverband zurück. In diesem Jahr liegt er bei weniger als zehn Prozent, wobei die eingeführten Bäume nach wie vor aus Dänemark kommen. Vor zehn Jahren kam ein Viertel der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume noch aus dem Ausland.

Der Verkauf Immer beliebter werden laut Erzeugerverband „Weihnachtsbaum-Events“ wie das Selbstschlagen des Weihnachtsbaums in der Kultur. Weihnachtsmärkte auf landwirtschaftlichen Höfen seien ebenfalls gut besucht.

Natürliche Weihnachtsbäume liegen weiterhin im Trend. Der Plastikbaum geht halt gar nicht.

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