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Nordendorf

28.01.2019

Durchblick von Nordendorf bis in die Karibik

Die Produktionshalle in Nordendorf hat Werner Fech (links) selbst geplant und in Zusammenarbeit mit einigen, wenigen Gewerken umgesetzt. In fünf Jahren soll Sohn Tobias Fech (rechts) in seine Fußstapfen treten.
Bild: Steffi Brand

Fensterbauer Werner Fech hat mit seiner Erfindung den Weltmarkt erobert. Von einem Land aber lässt er momentan lieber die Finger.

Bereits während seiner Lehre zum Fenster- und Türenbauer keimte in Werner Fech, dem Geschäftsführer von Fech Fenstertechnik, der Wunsch, einmal seine eigene Firma zu führen. Als er sich diesen Traum am 4. September 1989 erfüllte, hatte der heute 55-Jährige keine Vorstellung davon, wie es um seinen Ein-Mann-Betrieb mit Wasserwaage und Bohrmaschine 30 Jahre später bestellt sein würde. 

Fech ist heute der größte Arbeitgeber am Standort Nordendorf und beschäftigt etwa 45 Mitarbeiter inklusive Subunternehmen. 40 Fenster werden täglich in der Schaezlerstraße im Gewerbegebiet von Nordendorf gefertigt - und zwar in der Halle, die Fech von den Grundmauern auf selbst geplant hat. Vergangenes Jahr verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von fünf Millionen Euro. Worauf der Gründer jedoch mit deutlich mehr Stolz blickt als auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen, fällt jedem sofort ins Auge, der das Firmenfoyer betritt: Dort nämlich befindet sich die recht umfangreiche Hall-of-Fame des Unternehmers.

Den Umsatz verdreifacht

Seine Patente dokumentieren dort, dass das Fech-Jet-System aus der Feder von Werner Fech stammt und, dass dieses Prinzip kein anderer deutschland- und europaweit nachmachen darf. „Das war der Durchbruch“, erklärt der Unternehmer, der mit seiner Erfindungen den Umsatz binnen zwei bis drei Jahren verdreifachen konnte. Mit der innovativen Erfindung des schraublosen Fenster- und Türeneinbaus in sogenannte Sandwichelemente nach dem Vorbild eines Kabelbinders, wie Fech die Technik dahinter beschreibt, ging es für den in Wortelstetten geborenen Familienvater mit Unternehmergeist steil bergauf.

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Und auch das ist im Foyer dokumentiert. Für seine weltweiten Exporte bekam Fech im Jahr 2011 den Exportpreis von Bayern. Bananenreifeplantagen auf Curaçao in der Karibik und in Marokko wurden bereits mit der patentierten Fech-Fenstertechnik ausgestattet. Auch eine Großschlachterei in Tadschikistan, eine Ölbohrplattform vor der Küste von Norwegen und Teile des Flughafens in Dubai sind mit der Fenstertechnik aus Nordendorf ausgestattet. Drei Jahre später, im Jahr 2014, wurde dem erfindungsreichen Fensterbauer der Bayerische Innovationspreis verliehen. Aus dem Jahr 2018 befinden sich gleich zwei Auszeichnungen im Firmenfoyer: der Bayerischen Staatspreis und die Auszeichnung als Deutscher Fensterbauer des Jahres.

Komplette Produktion erfolgt in Nordendorf

Die komplette Produktion des Unternehmens erfolgt in Nordendorf. In die Welt kommen die Fech’schen Fenster dann über eigenständige Niederlassungen, die die Baustellen im Ausland betreuen. Um nationale Bauprojekte kümmert sich das Unternehmen von Nordendorf aus selbst. Viele Objekte für die Lebensmittelbranche hat der Unternehmer bereits umgesetzt. Darauf wird er sich künftig auch vermehrt stürzen, denn die Automobilindustrie bereitet ihm aktuell Sorgen. „Aufgrund der Dieselproblematik wurde einige Fertigungshallen nicht wie geplant errichtet“, verrät der Unternehmer die Zusammenhänge. Auch auf den englischen Markt möchte er aktuell nicht zählen. Zu unklar ist die Situation, die sich durch den Brexit ergeben hat.

Dass das Unternehmen heute in der Schaezlerstraße zu finden ist, stand im Jahr 2011 binnen nur 18 Tagen fest. Nur so lange hat es gedauert, bis das Landratsamt Augsburg den Neubau genehmigte. Diese schnelle Reaktion hat selbst Fech nicht erwartet, der am ursprünglichen Firmensitz in Buttenwiesen eineinhalb Jahre um die Möglichkeit gekämpft hat, sein Firmengelände zu erweitern. Da es für die Firma dort keine Möglichkeit gab, die dringend nötige Erweiterung umzusetzen, siedelte der Unternehmer um. Nach Nordendorf. Damit verdreifachte er seine Gewerbefläche und arbeitet heute mit seiner Belegschaft auf 1800 Quadratmetern. So konnte die Anzahl der Mitarbeiter kontinuierlich steigen. Jedes Jahr konnte der Unternehmer neue Angestellte anheuern und merkte immer dann, wenn er wieder als Preisträger durch die Medien geisterte: „Die Qualität der Bewerbungen hat sich deutlich verbessert.“

In fünf Jahren will er sich zurückziehen

Auch seine künftigen Ziele hat Fech fest im Blick. In fünf Jahren, mit 60 Jahren, möchte er sich aus der Firma zurückziehen. Dann soll Sohn Tobias Fech das Ruder übernehmen, der bereits heute mit seiner Lebensgefährtin Anja Käsmayr im Betrieb arbeitet. „Dann habe ich 45 Jahre gearbeitet und 35 Jahre davon diese Firma geleitet“, rechnet Fech zusammen. Dies ist allerdings Zukunftsmusik. Für heuer steht zunächst das 30. Firmenjubiläum an. Und das soll im Herbst mit einem großen Fest gefeiert werden.

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