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26.05.2015

Edenbergen – öde oder kraftvoll?

Warum es mehrere Erklärungen für den Ortsnamen des Gersthofer Stadtteils gibt

Die bayerische Gebietsreform in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat es mit sich gebracht, dass Dörfer zu „Stadtteilen“ wurden – was die Bedeutung der Orte wohl ein wenig schmälert, so geschichtsträchtig sie auch sein mögen. Edenbergen ist so ein Dorf, das zum Stadtteil von Gersthofen geworden ist, mit knapp über 300 Einwohnern zum kleinsten. Den Fahrern auf der nahen Autobahn ist der Ortsname bestenfalls durch den gleichnamigen Rasthof geläufig.

In den Annalen taucht die Siedlung um 1200 auf, aber nur als Bergen – was übrigens ältere Einheimische heute noch sagen – eine Gewohnheit, die in Bayern verbreitet ist; so heißt etwa das oberbayerische Altötting bei den Einheimischen Eding und Fürstenfeldbruck nur Bruck.

Im 14. Jahrhundert wird Edenbergen als Berg by Patzenhouen (Batzenhofen) erwähnt. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts findet sich die Bezeichnung Oedenberg by Batzenhofen (Höfe des Bazzo). Die neue erste Silbe bezieht sich allerdings diesmal wohl nicht auf eine Person. Vielmehr verbirgt sich dahinter das alte Wort öde, allerdings in einer etwas anderen Bedeutung als heute.

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Öde (oede, odi) hieß ursprünglich fort, von etwas weg. Namenskundler erklären das bei Edenbergen als Bezeichnung für abgeholzt, gerodet – aber eben nicht für unfruchtbar und öd: Edenbergen ist folglich die Siedlung auf/an dem gerodeten Berg. Das seit 1969 gültige Wappen geht allerdings auf diese Bedeutung nicht ein: Silber und rot mit einem blauen Löwen und drei Lilien – es ist das Familienwappen derer von Gailenbach, die seit dem 18. Jahrhundert das Gut oberhalb des Flüsschens besitzen.

Den Namen Gailenbach tragen nicht nur das landwirtschaftliche Anwesen, sondern auch die Mühle und das Flüsschen. Dabei ist nicht eindeutig geklärt, was der Name eigentlich besagt. Möglicherweise gibt’s wieder einmal eine Person, die Pate stand: Gagilo, also Bach des Gagilo (oder auch Gamal). Aber auch eine andere Deutung bietet sich an – wenngleich da ältere Personen erröten oder die Nase rümpfen mögen: Geil ist das (einst böse, aber heute in aller Munde als „super“ und damit auch entschärfte) Wort, das der Duden immer noch in seiner ursprünglichen Bedeutung, allerdings auch mit einem Hinweis auf die neue Gebräuchlichkeit in seinem Lexikon führt. Tatsächlich bedeutet geil eigentlich kraftvoll, übermütig und auch aufschäumend. Und so könnte Gailenbach auch „munter fließender Bach“ bedeuten.

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