Newsticker

RKI meldet am Sonntag 14.611 neue Corona-Fälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Ehrlicher Finder fährt 100 Kilometer: "Muss ein Mensch einfach machen"

Gersthofen

07.11.2017

Ehrlicher Finder fährt 100 Kilometer: "Muss ein Mensch einfach machen"

Der 24-jährige Mustafa Gürdas aus Gersthofen hat vor wenigen Tagen eine Brieftasche gefunden und sie zu ihrem Besitzer in Memmingerberg gefahren. Der möchte sich nun bedanken.
Bild: Marcus Merk, AZ

Um einen Geldbeutel zu seinem Besitzer zu bringen, fährt Mustafa Gürdas 100 Kilometer weit von Gersthofen nach Memmingerberg. Er erklärt, warum er das getan hat.

Du wirst gesucht. Dieser Satz hat sich bei Mustafa Gürdas eingebrannt. Als ein Freund ihm diese Botschaft am Handy überbringt, zuckt er kurz zusammen. "Was habe ich gemacht?", fragt sich der 24-Jährige. Die nächtliche Hilfe vor wenigen Tagen hat der junge Gersthofer "fast schon wieder vergessen" und als "Selbstverständlichkeit" abgetan. 100 Kilometer fuhr er spätnachts von Gersthofen nach Memmingerberg, um Jürgen Zanker seinen verloren geglaubten Geldbeutel persönlich vorbeizubringen.

In der Aufregung hatte Zanker ganz vergessen, nach dem Namen des jungen Mannes zu fragen (wir berichteten). Über unsere Zeitung hat er den ehrlichen Finder gesucht – und nun gefunden. Denn nachdem wir den Artikel veröffentlicht hatten, haben auf Facebook mehrere Leser Tipps gegeben, um wen es sich bei dem ehrlichen Finder handelt.

Es ist der 24-jährige Mustafa Gürdas aus Gersthofen. Als der glückliche Geldbeutelbesitzer aus Memmingen von der freudigen Nachricht erfährt, sagt er: "Das freut mich wirklich, denn ich möchte ihm noch eine kleine Belohnung zukommen lassen." 50 Euro, Schokolade und Gummibärchen hatte Gürdas in jener Nacht abgelehnt. "Wahrscheinlich wollte er nicht aufdringlich sein", mutmaßt Zanker.

Die Ehrlichkeit des Finders der Geldbörse imponiert

Nach wenigen Minuten schon habe sich Gürdas damals verabschiedet und sei wieder ins Auto gestiegen. "Wäre ich im Besitz meiner Kräfte gewesen und nicht schlaftrunken, dann hätte ich ihn gleich reingebeten. Dann hätten wir das sicher anders geregelt", erklärt Zanker. Die Ehrlichkeit und Bescheidenheit habe ihm imponiert. Auf Facebook haben Hunderte Menschen auf den Artikel positiv reagiert und die ehrliche Tat gelobt. "Wenn nur jeder Mensch so wäre", schreibt zum Beispiel Nutzer Patrick Knöpfle, Anita Schiller kommentiert: "Hut ab vor diesem ehrlichen Finder."

 

Und was sagt Mustafa Gürdas selbst über sein Engagement? "Ich wollte ihm das Portemonnaie so schnell wie möglich zurückgeben. Ich finde, das muss ein Mensch einfach machen", erklärt er trocken. Er habe verhindern wollen, dass Zanker seine Karten sperren lassen und Ausweise wieder beantragen müsse. Denn das wäre mit Stress und viel Zeit verbunden gewesen.

Drei Stunden Fahrt und 100 Kilometer nimmt Mustafa Gürdas um 23 Uhr auf sich

Der Feinwerkmechaniker setzte sich also nach seiner Schicht um 23 Uhr ins Auto und machte sich auf den Weg nach Memmingerberg ins Unterallgäu. Den Geldbeutel hatte er zuvor auf dem Weg zur Arbeit gegen 14 Uhr mitten auf der B17 aufgesammelt. Der Besitzer hatte die Börse vermutlich während eines Zwischenstopps in einem Schnellrestaurant aufs Autodach gelegt und dann vergessen. Gürdas erzählt: "In der Pause habe ich den Geldbeutel durchgeschaut, um die Adresse des Besitzers ausfindig zu machen." Vier Nummern aus dem Telefonbuch habe er angerufen, weitergeholfen hatte ihm das nicht. Die einzige Alternative: Sich auf den Weg machen.

Dass er sich tatsächlich noch spätabends nach Feierabend hinter das Steuer gesetzt hat, lag an dem Blutspendeausweis, den er im Portemonnaie gefunden hatte, sagt der 24-Jährige: "Wer anderen hilft, dem soll auch geholfen werden." Die insgesamt drei Stunden Fahrt hin und zurück hätten ihm nichts ausgemacht – er fahre gerne längere Strecken. Für ihn sei es Belohnung genug gewesen, zu sehen, wie fröhlich das Ehepaar Zanker auf das Fundstück reagierte. "Ich war zwar müde, aber auch sehr glücklich", sagt er und erklärt: "Erst wollte ich den Geldbeutel nur in den Briefkasten werfen, dann habe ich aber doch geklingelt."

Als er dann gegen 2.30 Uhr daheim ankam, legte er sich "mit einem guten Gefühl ins Bett". Am nächsten Tag erzählte er die Geschichte im kleinen Kreis, bei Freunden und in der Familie. Unter anderem seiner Tante Nazife Gürdas. Für sie ist es keine Überraschung, dass es ausgerechnet ihr Neffe war, der geholfen hatte. "Wenn ich es mir bei jemanden aus unserer Familie vorstellen kann, dann bei Mustafa. Das passt zu ihm."

Seine Hilfsbereitschaft soll nun bald belohnt werden, betont Jürgen Zanker. "Ich habe mein Ziel erreicht und den Finder gefunden. Mal schauen, wie er auf meinen Anruf reagiert. Eine Belohnung wollte er in der Nacht ja vehement nicht annehmen." Er könne sich vorstellen, sich bald mit Gürdas zu treffen und ihn zum Essen einzuladen. Ein Gutschein für ein Sportgeschäft soll ein zusätzliches Dankeschön sein.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren