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Adelsried

18.05.2019

Ein Adelsrieder will den Mount Everest erklimmen

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6 Bilder
Der Adelsrieder ist mit sechs weiteren Bergsteigern und einem Führer unterwegs.
Bild: Günter Haas

Plus Günter Haas ist bereits am Fuße des höchsten Bergs der Welt. Doch zum Gipfel geht es nur, wenn das Wetter mitspielt. In einem Video meldet er sich jetzt vom Basislager.

Der kalte Wind pfeift ihm um die Ohren. Der Adelsrieder Günter Haas meldet sich aus 5200 Metern Höhe vom Basislager auf dem Mount Everest – dem höchsten Berg der Erde. Links und rechts davon türmen sich Geröllfelder und Gletscher. In der Ferne ist unter sattblauem Himmel der Gipfel des Everest zu erkennen. Dort oben zu stehen, das ist der Traum des Adelsrieders. Es sind nur noch wenige Kilometer, die ihn davon trennen. Doch wenn das Wetter nicht mitspielt, wird es unmöglich.

Haas und seine Truppe harren auf dem Basislager aus und warten. Noch wäre es viel zu gefährlich, die letzte Etappe vor dem Gipfel zu besteigen. Über 300 Bergsteiger kamen auf dem Weg schon ums Leben. Eisige Winde lassen den Körper erfrieren. „Nur bei geringer Windgeschwindigkeit kann der Gipfel bestiegen werden“, sagt Haas. „Gewöhnlich bildet sich jedes Jahr im Mai ein kleines Wetterfenster.“ Dann lässt der Jetstream auf Höhe des Everest nach, bevor der Monsun kommt.

„Die Angelegenheit wird fast schon zur Geduldsprobe“

Inzwischen warten Haas und seine Gruppe schon seit knapp zwei Wochen auf dieses Fenster. „Die Angelegenheit wird fast schon zur Geduldsprobe.“ Die Wetterexperten rechnen damit, dass es nächste Woche endlich losgehen kann, sagt Haas. „Es bleibt also spannend.“

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Der Adelsrieder ist mit sechs weiteren Bergsteigern und einem Führer unterwegs. Die Gruppe kommt aus vier verschiedenen Nationen. Angeführt werden sie von Luis Stitzinger, einem bekannten Bergsteiger aus Füssen. Einer der Teilnehmer war der Herausforderung nicht gewachsen und musste umkehren, berichtet Haas. Nach einer Eingehtour in der näheren Umgebung des Basislagers musste er die Heimreise antreten.

Schon seit seiner Jugend besteigt er Berge

Der höchste Berg der Welt ist auch für erfahrene Bergsteiger eine Herausforderung. Dabei hat der Adelsrieder durchaus Erfahrung. Schon seit seiner Jugend besteigt er Berge. Darunter zum Beispiel der Aconcagua (6962 Meter) in Südamerika oder der Denali (6190 Meter) in Alaska. Zum Vergleich: Das Gipfelkreuz der Zugspitze liegt auf rund 2960 Metern Höhe.

Günter Haas aus Adelsried will auf das Dach der Welt: den Mount Everest.
Video: Günter Haas

Seit Wochen schon befindet sich Haas in dem Basislager auf der Nordseite des Berges. Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft macht ihm zu schaffen. Der liege nur bei rund der Hälfte dessen, was wir hierzulande gewohnt sind, sagt Haas. „Die große Herausforderung beim Höhenbergsteigen ist die Adaption des Körpers an die Höhe.“ Der rebelliere dort oben mit Appetit- und Schlaflosigkeit. „Man fühlt sich matt, energielos.“ Ab 5000 Metern Höhe baue man beständig körperlich und psychisch ab. Haas hat sich inzwischen einen Reizhusten zugezogen. Dabei hat sich der Adelsrieder schon vor Monaten auf die lange Reise vorbereitet.

Die Höhe macht ihm zu schaffen

Ende Februar hat Haas zuhause in Adelsried damit begonnen. Er schlief in einem sogenannten Hypoxiezelt. Darin lässt sich der Sauerstoffgehalt verringern. So gewöhnt sich der Körper an die Verhältnisse in der Höhe. Bergkrankheiten lässt sich so vorbeugen. „Trotzdem macht mir die Höhe zu schaffen“, sagt Haas.

Immer wieder unternehmen er und seine Gruppe Touren vom Basislager aus. Nach etlichen Eingehtouren in der näheren Umgebung stieg die Gruppe auf das „Intermedian Camp“, ein weiteres Zwischenlager in 5800 Metern Höhe. Dort übernachtete Haas, bevor es in das nächste Lager auf 6400 Metern ging. „Die Landschaft dort oben ist wirklich atemberaubend“, sagt Haas. Bis zu 30 Meter hohe Schnee- und Eispyramiden säumten den Weg. „Die Yaks mit unserem Gepäck waren unsere ständigen Begleiter.“ Doch an Schlaf war für den Adelsrieder dort oben nicht zu denken, berichtet er. „Ich war froh, nach einem kleinen erzwungenen Frühstück den 23 Kilometer langen Rückweg ins Basislager wieder antreten zu dürfen.“

Es geht nur noch im „Zeitlupentempo“ voran

Ein paar Tage später brach die Gruppe zu einer weiteren Tour auf über 7000 Meter Höhe auf. Dort oben können man sich wegen des geringen Sauerstoffgehalts nur noch im „Zeitlupentempo“ bewegen, berichtet Haas „Wegen der Höhe und des starken Windes konnte ich jedoch wiederum kein Auge zumachen.“ Der Wind drückte ihm das Kuppelzelt buchstäblich ins Gesicht. Doch Haas will wieder hoch.

Wenn es das Wetter gut mit ihnen meint, geht es in der kommenden Woche los. Die Route zum Gipfel verläuft in ein Seitental. Haas: „Man läuft weiter auf Geröllfelder und Gletscher.“ Erst nach dem höher gelegenen Camp, ab 6500 Metern, werde es weiß. „Man bewegt sich fast nur noch auf Schnee und Eis.“ Der Gipfel des Mount Everest liegt auf 8848 Metern Höhe. Knapp 30 Kilometer trennen Haas zur Zeit noch davon.

Er fuhr bereits mit dem Fahrrad quer durch Amerika

Für den Adelsrieder ist es nicht das erste sportliche Abenteuer. Vor Jahren machte sich der für außergewöhnliche Aktionen bekannte Sportler mit dem Fahrrad quer durch Amerika auf. Elf Tage und elf Stunden hat er beim „Race Across America“ gebraucht, um die 4800 Kilometer zwischen Oceanside an der kalifornischen Pazifikküste durch 14 Bundesstaaten bis nach Annapolis an der östlichen Atlantikküste hinter sich zu bringen. Elf Tage und elf Stunden auf dem Rennrad. Durch Wüsten und Gebirge. Weiter entfernt könnte die heiße Wüste für den Adelsrieder auf dem bitterkalten Everest im Moment wohl kaum sein.

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