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Musiktheater

02.05.2016

Ein Café mit Aussicht auf Erfolg

„Eine Comedian-Harmonists-Geschichte von heute“ mit Aussicht auf Erfolg: In der Gersthofer Stadthalle spielten (von links) Olaf Drauschke (Frank Kasupke, der Barmann), Holger Off (Felix Kasupke, der Kellner), Ralf Steinhagen (Bang Kasupke, der Koch) ein hervorragendes Musiktheater.
Bild: Andreas Lode

Die Berlin Comedian Harmonists präsentieren sich beim Gastspiel in Gersthofen hervorragend eingespielt

Es hätte so kommen können: Ebenfalls in Berlin, allerdings im Hier und Jetzt, im ausgestorbenen Traditionscafé „Schöne Aussicht“ ohne Perspektive auf Gäste hatten die Betreiberbrüder Felix, Frank und Bang Kasupke nur ihre schönen Stimmen, die sie mit dem obdachlosen Pianisten Henrik, dem unfreiwilligen Transvestiten Hubertine Fink (Philipp Seibert) und dem als einzig gut beschäftigten Elektriker Karl-Heinz Fricke (Wolfgang Höltzel) zum Sextett „Berlin Comedian Harmonists“ fusionierten, um das Café vor dem Verkauf und sich vor Hartz IV zu retten.

Wie das berühmte Originalensemble starteten sie also – mit einer Ausnahme – aus misslichen Verhältnissen und wäre ein Arrangeur wie Harry Frommermann mit von der Partie gewesen, die Karriere der Comedian Harmonists hätte wie gesagt durchaus so starten können. „Café ohne Aussicht“ heißt das Musiktheater von Franz Wittenbrink, Miriam Busch und Katrin Kersten mit Fokus auf das Ensemble, seinen Gesang und seinen zusammengewachsenen Klang, das in der Freinacht mit großem Erfolg in der Stadthalle Gersthofen gastierte.

Denn wie seine Vorgänger war das Sextett hervorragend aufeinander eingespielt, sang mit bravouröser Intonation und Präzision zusammen, plastisch in der Aussprache, trotz des rasanten Wechsels zwischen Schauspiel und Musik, trotz kniffeliger Taktwechsel und Rückungen. „Eine Comedian-Harmonists-Geschichte von heute“ nennt sich der Zweiteiler, der kleine Episoden etwa aus der Ensemble-Biografie oder der Verfilmung Vilsmaiers einbaute, aber doch getrennte Wege geht, auch musikalisch.

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Zwar fließen Hits der Vorgänger und Volkslieder mit ein, ebenso ihre charakteristischen Instrumentenimitationen und die typischen witzigen Choreografien, aber die stilistische Bandbreite ist vorherrschend. So reihten sich Kreislers „Liebesleid“ an Duke Ellingtons „Caravan“ oder Nenas „99 Luftballons“, denen zuletzt die Luft ausgeht. Michael Jacksons „Bad“ wurde rhythmisch, pianistisch und gesanglich ein Meilenstein.

Dabei versuchten die Sänger erst gar nicht, sein unverwechselbares Organ zu imitieren und blieben solistisch ganz richtig im Tenorbereich. Einen Tenor wie Ari Leschnikoff oder Bassisten wie Robert Biberti hatten die zweiten Berliner allerdings nicht, die, bestückt mit zwei Tenören, zwei Baritonen und einem Bass – dem schön sonor singenden Wolfgang Höltzel – in den mittleren Lagen am stimmigsten klangen. Am Anfang war das brüderliche Trio mit Holger Off, Olaf Drauschke, Ralf Steinhagen, und wurde in Bälde bereichert durch den ausgezeichnet begleitenden Pianisten Horst Maria Merz, der während des Spielens eine wundersame Metamorphose vom „Penner“ zum befrackten Musiker durchlebte.

Bis zur Vollzähligkeit des Ensembles war die erste Halbzeit zu Ende, die gekonnt gemacht war und gespielt wurde, aber auch Längen hatte, doch der zweite, musiklastige Teil machte es wieder wett. Hier kam Frank Kasupkes Alkoholsucht tragikomisch zum Ausdruck. Angenehm fiel die kaum merkliche Verstärkung der Stimmen auf, aber auch, dass die einzige Lovestory des Abends eine homosexuelle war. (skn)

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