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Gersthofen

17.01.2020

Ein Feuerwehrmann mit brennender Leidenschaft

Andreas Schnepp ist Feuerwehrmann aus Gersthofen. Seine Leidenschaft für seinen Beruf hört aber nach Feierabend nicht auf. In seiner Wohnung sammelt er Modellfahrzeuge, Helme und Armabzeichen der Feuerwehr.
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Andreas Schnepp ist Feuerwehrmann aus Gersthofen. Seine Leidenschaft für seinen Beruf hört aber nach Feierabend nicht auf. In seiner Wohnung sammelt er Modellfahrzeuge, Helme und Armabzeichen der Feuerwehr.
Bild: Marcus Merk

Plus Hausbesuch: Andreas Schnepps Beruf ist sein Leben. Der Feuerwehrmann aus Gersthofen baut sogar Fahrzeuge nach, die er selbst bei Einsätzen schon gefahren ist.

Begonnen hat alles vor 43 Jahren. Andreas Schnepp hält als kleiner Bub seine erste Modellfigur in der Hand, ein Geschenk vom Großvater. Eine Eisenbahn. Damals wusste Schnepp noch nicht, wie dieses Präsent sein weiteres Leben bestimmen wird.

Heute ist der 49-Jährige begeisterter Sammler: Feuerwehrfahrzeuge, Helme, Figuren und Armabzeichen. So viele, dass es schon gar nicht mehr in seine Wohnung passen. Warum Feuerwehr? Auch da spielt der Großvater eine entscheidende Rolle.

Sein Leben dreht sich um seinen Beruf

Andreas Schnepp ist in Gersthofen Leiter der Werkfeuerwehr im Industriepark und aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sein Leben dreht sich um seinen Beruf. Auch bei ihm zu Hause. Besuchern fällt sofort eines auf: Im Flur steht eine große Glasvitrine, vollgestellt mit kleinen, roten Feuerwehrfahrzeugen. Über der Eingangstür rankt ein Bilderrahmen mit den unterschiedlichsten Armabzeichen der Werkfeuerwehren.

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Unweigerlich bleibt man davor stehen und sucht nach bekannten Namen. „Anhand der Abzeichen sieht man, wie sich die Industrie in der Gegend verändert hat“, sagt Schnepp und deutet auf Wimpel von Osram und der US Army. Es ist aber ein anderes Abzeichen, das heraussticht: das der JVA Kaisheim. „Mir hat ein Kommandant der JVA erzählt, dass ein Häftling an dem Design mitgearbeitet hat“, erklärt Schnepp und muss schmunzeln.

Nicht nur Fahrzeuge, auch die Feuerbekämpfer selbst haben es in die Sammlung von Andreas Schnepp geschafft.
Bild: Marcus Merk

Das ist aber längst nicht alles. Die Sammlung von Andreas Schnepp geht in seinem Büro noch weiter. Vitrine um Vitrine reiht sich an der Wand, ein wenig wirkt es wie eine kleine Ausstellung. Stolz zeigt der 49-Jährige an eine Stelle über seinem Kopf. Dort hängen an Haken eindrucksvolle Helme aus den 1970er-Jahren an der Wand. Aus den USA, Japan, China, Frankreich oder Österreich – rund 90 Stück müssten es sein, schätzt Schnepp. Wie viele Modellfiguren er hat, könne er aber längst nicht mehr sagen. „Ich habe 1990 mit dem Sammeln der Helme angefangen und musste vor ein Paar Jahren aufhören, weil der Platz rar geworden ist.“ Hinzu kam, dass sich Schnepp das Zimmer nun mit seiner Frau teilen muss. Seit die Familie aus ihrem Haus in eine Wohnung umgezogen ist, hat der 49-Jährige nicht mehr einen ganzen Raum, sondern nur mehr die Hälfte des Büros für seine Sammelleidenschaft. „Wir haben für den Umzug alles in Watte und Styropor eingewickelt“, sagt Schnepp und stöhnt leicht. „Das war nicht einfach.“

Anfassen ist nicht erwünscht

In der hellen Wohnung am Stadtrand von Gersthofen lebt Schnepp seither mit seiner Frau und seinem beiden Töchtern im Teenageralter. „Meine Kinder haben mit meinem Hobby nie etwas anfangen können“, erinnert sich Andreas Schnepp an die Kindheitstage. „Wenn aber Kinder zu Besuch sind, sperre ich die Vitrinen zu.“ Anfassen nicht erwünscht. „Die Modelle sind nicht zum Spielen gedacht“, sagt Schnepp, der bis zu 70 Stunden Arbeitszeit in die kleinen Fahrzeuge investiert. Im Maßstab 1:87 bastelt er seine Lieblingsfahrzeuge nach. „Ich baue momentan den Fuhrpark der Werkfeuerwehr MVV und der Freiwilligen Feuerwehr Gersthofen.“

Der gelbe Rollladen des Löschwagens ist etwas Besonderes und typisch für die französische Bauweise.
Bild: Marcus Merk

Er deutet auf seinen Schreibtisch, auf dem der Gersthofer Einsatzwagen und das Löschfahrzeug stehen, bereit, irgendwann einen Platz in der Vitrine zu finden. Mithilfe eines filigranen Werkzeugs bringt Schnepp die kleinsten Details an den Modellen an. „Sogar das original Kfz-Kennzeichen haben die Wägen“, erklärt der 49-Jährige nicht ohne Stolz. Und tatsächlich: Ganz klein lässt sich ein A auf dem Kennzeichen erkennen. Selbst die Aufschrift an den Seiten der Löschfahrzeuge ist detailgetreu nachgestellt. „Die kleben wir allerdings auf, so fein kann ich das niemals nachzeichnen“, sagt Schnepp.

In der Vitrine finden sich aber nicht nur Gersthofer Fahrzeuge. Auch die Nürnberger Wache ist dort zu finden. „Ich habe einen Teil meiner Feuerwehrausbildung dort gemacht“, erklärt Schnepp.

Er leitet seit 16 Jahren die Werkfeuerwehr

Der studierte Chemieingenieur, ursprünglich aus Kirchheim unter Teck bei Stuttgart, ist dabei viel rumgekommen: In Celle, Frankfurt, Augsburg und bei der BASF in Ludwigshafen war er bereits. Seit 1996 ist er in Gersthofen und leitet seit 16 Jahren die Werkfeuerwehr. Bald steht auch die Wache der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Vitrine. „Die habe ich mit einem Kollegen zusammen gebaut.“ Mit diesen Worten trägt der 49-Jährige ein etwa ein Meter langes Modell in sein Büro. „Das Basteln entspannt mich.“ Einige seiner Kollegen würden eine ähnliche beeindruckende Sammlung bei sich zu Hause haben. „Bei uns gibt es mehr solche Verrückte.“

Im Flur seiner Wohnung stehen Fahrzeuge aus unterschiedlichen Epochen.
Bild: Marcus Merk

Sanft legt er ein kleines Fahrzeug aus der Vitrine in seine Hand. „Ich habe auch das Modell, das ich direkt nach meinem Führerschein gefahren habe.“ Aus den 60er-Jahren stammt das Modell „ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 Magirus Merkur 150 D10“, wie Schnepp aus dem Stegreif erklären kann. „Damit bin ich meine erste Einweisungsfahrt über die Schwäbische Alb gefahren, das war richtige Kraftarbeit.“

Mit 14 kam er zur Freiwilligen Feuerwehr

43 Jahre begleitet Schnepp sein Hobby bereits. Auf die Frage, was zuerst da war, Sammelleidenschaft oder Beruf, sagt er ohne große Überlegung: „Zuerst habe ich die Modelle gesammelt, über meinen Opa kam ich dann mit 14 zur Freiwilligen Feuerwehr.“ Schon der Senior engagierte sich in einer kleinen Wehr. Fasziniert von der Technik und den großen Fahrzeugen, fand auch Andreas Schnepp bei der Jugendfeuerwehr schnell seinen Platz. Vielleicht findet sich auch diese Wehr eines Tages in seiner Vitrine wieder.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche:

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