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22.06.2008

Ein Gotteshaus für die Muslime

Ein Freudentag für die Türkisch-Islamische Gemeinde von Gersthofen: Die Eyüp-Sultan- Moschee in der Augsburger Straße wurde gestern eingeweiht. Viele Menschen waren gekommen und verfolgten das Programm zur Eröffnung, bis dann am Nachmittag das symbolische rote Band durchschnitten wurde.

Laut, eindringlich und beinahe schneidend ist der Gesang von Adem Karabey. Er rezitierte gestern aus dem Koran mit "der Stimme einer Nachtigall", so Bekir Albogam, Islamwissenschaftler und Referatsleiter der Türkisch-Islamischen Union, der durch das Programm führte. Der Rezitator ließ dann auch den Ruf des Muezzins erklingen, der die Gläubigen fünfmal am Tag zum Gebet auffordert. In der Augsburger Straße 100 ruft er allerdings nicht von einem Minarett, sondern im Gebetsraum.

"Nach langen Diskussionen wurde auf den Turm verzichtet", erinnerte Bürgermeister Jürgen Schantin in seinem Grußwort. Darin ging er auf den langen Weg zum türkischen Gotteshaus ein. "Es gab vier Bauanträge, nach den ursprünglichen Planungen sollte die Moschee viel größer werden." 300 Gläubige haben jetzt in dem rechteckigen Bau mit Kuppeldach Platz. Der Gebetsraum für die Männer ist 136 Quadratmeter groß, die Frauen beten auf 56 Quadratmetern. Der moderne Bau hat großflächige Fenster, ihre Form symbolisiert zwei zum Himmel ausgestreckte betende Hände.

Diese Form hat es besonders Gersthofens evangelischem Pfarrer Johannes Repky angetan. "Diese hell erleuchteten Fenster auf dem Flyer zur Einladung beeindrucken mich." Die Moschee sei ein Ort der Begegnung mit Menschen und mit Gott. Gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Ralf Gössel überreichte er dem Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde Gersthofen, Mustafa Kabak, einen Korb mit Brot und Salz. "Das Brot ist die Grundlage für das Leben, das Salz die Würze."

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Neben Ansprachen und Glückwünschen kamen auch Musik und Tanz nicht zu kurz. Ein Mann im langen Rock dreht sich zu mystischer Musik. Kinder sagten Gedicht auf und rezitierten den Koran: "Wenn du schläfst, während dein Nachbar hungert, gehörst du nicht zu uns", oder "ein wahrhafter Glaube ist der, der nicht verletzend ist". Für das Projekt Moschee in Gersthofen hat sich besonders der ehemalige Bürgermeister Siegfried Deffner stark gemacht. Auch er saß unter den Ehrengästen und war etwas überrascht, als er ans Rednerpult gebeten wurde.

"Gersthofen wird reicher mit der Moschee", sagte Deffner. Das beziehe sich nicht nur auf die Architektur, sondern auch auf den religiösen Inhalt. "Allah freut sich über das neue Gotteshaus, auch wenn es kein Minarett hat." Die Muslime seien in Gersthofen herzlich willkommen, besonders, weil sie schon immer die Begegnung mit Schulen und der Stadt gesucht haben. "Das, was man kennt, fürchtet man nicht", so Deffner, der dankte, dass die Gemeinde häufig ihre Tänze und Lieder öffentlich vorführt.

Von der großen Vielfalt der Folklore konnten sich die Gäste am Sonntagmittag beeindrucken lassen. Und nach einem Gang durch die nun offiziell eröffnete Moschee mit ihrem 400 Kilogramm schweren Leuchter lockte das Büffet, das die Frauen im Garten aufgebaut hatten.

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