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20.01.2009

Ein Hauch von Wien weht durch den Bürgersaal

Stadtbergen Mit einem sympathischen Hauch von Wien und dessen berühmten Neujahrskonzert umgab sich der Bürgersaal Stadtbergen - natürlich mit dem "kleinen" Unterschied, dass hier eben das Symphonieorchester Stadtbergen unter der Stabführung von Roberto Seidel antrat, um in ebenso schwungvoller wie charmant gelungener Weise, wenn auch mit ein paar Tagen Verspätung, ihrem Publikum die besten Wünsche zum neuen Jahr zu übermitteln. Dabei wurde erkennbar, wie das Orchester seit der Übernahme durch Roberto Seidel eine deutliche Steigerung erfahren hat.

Feines Gespür für Wünsche des Publikums

Roberto Seidel, Vollblutmusiker mit feinem Gespür für die Wünsche seines Publikums, trat in der inzwischen schon gewohnten Eleganz und Routine mit der Absicht auf, eine kleine Kopie von Wien zu geben, was er auch, mit Augenzwinkern, so darbot, dass sich deutliches Wohlgefühl im Publikum verbreitete.

Dass er nicht nur mit Engagement, sondern auch mit großem Mut zu Werke geht, bewies er gleich zu Beginn dieses dem großen Walzerkönig Johann Strauß gewidmeten Abends, indem er die "Fledermaus"-Ouvertüre zur Einstimmung wählte, was eigentlich ihrer Schwierigkeit nach etwas hoch gegriffen anmutete. Doch in Vermeidung einer musikalischen Kopie großer Weltklasseorchester ließ sich Seidel nicht dazu hinreißen, sein Orchester zu überfordern: Gemäßigt im Tempo und in ruhiger, souveräner Stabführung gab er seinen Musikern die Möglichkeit, sich zu finden, Nervosität abzulegen und den Prozess ständiger Steigerung zu initiieren, was von Stück zu Stück den Zuhörer mehr vergessen ließ, dass man es nicht mit einem hoch dotierten Profi-Orchester zu tun hatte.

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Nach einer schon sehr ansprechenden Darbietung der "Annen-Polka" ließen Seidels Symphoniker tonschön die Fantasie ihrer Zuhörer in den Wiener Wald wandern, von den nostalgischen Zitherklängen ebenso berührt wie von der wienerischen Rhythmik mit ihren typischen Vorhalten ergriffen.

Jetzt, wie im ganzen Konzert, zeigte Seidel im Verzicht auf alle unnötigen Dirigentenallüren, wie selbstverständlich er seine Leute im Griff hat - und in puncto Feinfühligkeit gegenüber der Musik hält er ohnedies großen Vergleichen stand.

Für den folgenden Csárdás aus der "Fledermaus" sowie für den "Frühlingsstimmen-Walzer" hatte man Susanne Winter, eine Sopranistin des Landestheaters in Innsbruck gewonnen, die mit ihrem samtweichen, angenehm timbrierten Sopran beide Stücke sehr beachtlich meisterte und sich verdientermaßen in die Herzen des Publikums sang.

Natürlich durfte die "inoffizielle Nationalhymne Österreichs" "An der schönen blauen Donau" ebenso wenig fehlen wie der Walzer "Wiener Blut", und freilich auch nicht die unverwüstliche "Tritsch-Tratsch-Polka". Dass Seidel hiermit großen Applaus ernten durfte, obgleich doch wohl jeder im Publikum diese Stücke bestens von den größten Orchestern der Welt im Ohr hat, ist mit Sicherheit das Resultat seines gelungenen Bemühens, ehrlich zu musizieren und den Geist dieser genialen Werke mit den vorhandenen Mitteln so zu erwecken, wie es der große Tonschöpfer konzipiert hat.

Sonderlob für den Cellisten

Die letzten Darbietungen "Rosen aus dem Süden", "Kaiserwalzer" und der "Radetzky-Marsch" von Johann Strauß' Vater, darf man wohl als die gelungensten Stücke dieses Abends bezeichnen, wobei ein spezielles Sonderlob dem ersten Cellisten zu zollen ist, der im Kaiserwalzer, aber nicht nur da, mit seinem tonschönen Spiel voll überzeugte.

Als Claus-Peter Damitz, der mit Witz und Charme die Moderation dieses Abends übernommen hatte, allen Musikern für ihr Engagement dankte, sprach er allen Hörern aus dem Herzen, die sich schon auf das nächste "Seidel-Konzert" freuen.

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