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Emersacker

21.11.2019

Ein Jahr nach Brand im Schloss Emersacker: Wirt Jonny will neue Kneipe

Im ersten Stock des historischen Gebäudes könnten Ausstellungen stattfinden. Mehrere repräsentative Räume sollen hier restauriert werden. Auch Stuck an den Decken soll wieder zu sehen sein.
Bild: Andreas Lode

Plus Vor einem Jahr stand das historische Gebäude in Emersacker in Flammen. Wirt Jonny verlor sein Lebenswerk. Nun hofft er, eine neue Wirtschaft aufbauen zu können.

Der Geruch von verbranntem Holz liegt noch immer in der Luft. Auch ein Jahr nach dem verheerenden Brand im Schloss Emersacker. Ein alter Spielautomat in der Ecke des alten Lagerraums erinnert noch an die Pilskneipe von Jonny Czichon. 20 Jahre lange stand er hier hinter dem Tresen. Dann die Katastrophe. Mit einem Schlag verlor Jonny seine Existenz.

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Ein Jahr später ist er wieder im ehemaligen Gastraum. Ein defekter Kühlschrank löste das Feuer laut den Ermittlern aus. In der Ecke, in der er stand, ist noch immer schwarzer Ruß an der Wand zu sehen. „Hier hängen so viele Erinnerungen“, sagt der 62-Jährige. Ob es nun die „Ice-Remember-Party“ mit 500 Gästen, das US-Car-Treffen oder die „Bunny-Party“ war – Emersackers Kneipenwirt Jonny zog mit immer neuen Ideen die Menschen an. Mit seiner weißen, über acht Meter langen Stretchlimousine fuhr er seine Gäste gerne Mal nach Hause. Auch Hochzeitspaare oder Junggesellen chauffierte er mit dem im Augsburger Land bekannten Gefährt. „Man muss sich was einfallen lassen“, sagt Jonny. So auch nach dem verheerenden Brand vor einem Jahr.

„Pilskneipe mit Pfiff“ in Emersacker soll wiedereröffnen

Ein neuer Job musste her. Vom Limoservice allein habe er nicht leben können. Eine neue Kneipe komme für ihn nur am alten Standort wieder in Frage. Geholfen hat Jonny letztlich ein ehemaliger Kneipengast. Er las in der Zeitung von dem Unglück, nahm Kontakt zu Christian Czichon auf und bot ihm eine Halbtagsstelle im Lager seines Unternehmens an. Ein „guter Job“ sei das, meint Jonny. „Aber einfach nicht das selbe“. Der Kneipenwirt will zurück hinter den Tresen. Er hofft, dass seine „Pilskneipe mit Pfiff“ wieder eröffnen kann. Und mit ihm, viele Unterstützer.

Aufnahmen von den Löscharbeiten am Schloss Emersacker.
Video: Maximilian Czysz

Freunde und Verwandte starteten im vergangenen Jahr eine Spendenaktion für den Wirt. Mit den Spenden aus der Sammlung könnte eine neue Kneipe eingerichtet werden. Denn von der alten Kneipe in golden glänzenden Ambiente mit auffälligen Tresen ist nichts mehr übrig. Weit über 1000 Grad herrschten an jenem Montagmorgen vor einem Jahr in seiner Kneipe, erinnert sich Jonny. Was nicht verbrannte, war mit einer dicken Rußschicht überzogen. Auch die Papagei-Dame Karina, das Maskottchen der Kneippe, verlor beim Brand ihr Leben.

Sanierung: Derzeit wird das Dach des Schlosses saniert

Heute sind die ehemaligen Gasträume leer geräumt. Das Gebäude wurde komplett entkernt und gereinigt. Die tragenden Balken wurden von einem Zimmermann erneuert. Derzeit ist man mit dem Instandsetzen des alten Dachs beschäftigt.

In den kommenden Wochen sollen die Außenarbeiten abgeschlossen sein, erklärt Emersackers Bürgermeister Michael Müller. Im kommenden Jahr werde man dann auch mit dem notwendigen Innenausbau beginnen. Neue Sanitäranlagen, Elektrik, Leitungen – es gibt viel zu tun. Entsprechend dem Denkmalschutz sollen die alten Teile des Schlosses so gut es geht erhalten bleiben.

Was die Kosten angeht, wird es sich bei der Sanierung wohl um ein Millionenprojekt handeln. Müller geht von etwa 1,3 Millionen Euro aus. Müller rechnet damit, dass etwa 600000 Euro von der Versicherung übernommen werden. Die zahlt nämlich nur das, was durch den Brand zerstört wurde. Doch schon vorher war das historische Gebäude in keinem guten Zustand. Um die restliche Summe stemmen zu können, hofft die Gemeinde auf hohe Förderzusagen. Die gebe es allerdings nur, wenn man die Gemeinnützigkeit des Gebäudes nachweißen kann, erklärt Müller.

Derzeit ist man am Schloss in Emersacker noch mit den Arbeiten am Dach beschäftigt.
Bild: Andreas Lode

Neue Räume für die Vereine in Emersacker

Im ersten Stock des Mansardengebäudes finden sich mehrere repräsentative Räume. Zuletzt wurden sie nicht genutzt, nun aber sollen sie aufwendig restauriert werden. So soll zum Beispiel der alte Stuck an den Decken wieder hergerichtet werden. Müller könnte sich vorstellen, dass diese Räume künftig für Ausstellungen genutzt werden. Auch im zweiten Stock soll es Veränderungen geben. Hier wäre Platz für verschiedene Vereine, sagt Müller. Vor allem für die, die noch kein eigenes Vereinsheim haben. Aber was wird aus der „Pilskneipe mit Pfiff?“

Kneipenwirt Jonny nach dem Brand in seiner Pilskneipe. Er will das Gasthaus wieder aufbauen.
Bild: Andreas Lode

„Es wird wieder eine Gastronomie geben“, sagt Müller. Die Gemeinde hatte dem Kneipenwirt versprochen, dass er die Pacht wieder übernehmen kann. Doch es gibt einen Haken: „Die Pacht wird steigen“, sagt Müller. Durch die Renovierung sei die Gemeinde dazu gezwungen, die Preise zu erhöhen. Besonders die hohen Auflagen im Gastrobereich treiben die Baukosten in die Höhe. Es gehe nicht darum Profit zu schlagen, doch eine Steigerung der Pacht sei nicht zu verhindern. Noch ist unklar, was die Pacht kosten soll. Die Gemeinde hätte gerne eine Wirtschaft, in der kleinere Gerichte angeboten werden, vielleicht einen Biergarten. Vorstellen kann Jonny sich das gut. Sein Ziel: „An Weihnachten hatte ich immer volles Haus“, erinnert sich Jonny. Ab 21 Uhr standen die Leute Schlange. An Heilig Abend im kommenden Jahr könnte es wieder so weit sein.

Mehr Hintergründe zum Brand im Schloss Emersacker lesen Sie hier.

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