1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Ein Kindheitstraum erfüllt sich am Kap

Diedorf-Anhausen

13.03.2015

Ein Kindheitstraum erfüllt sich am Kap

IMG_7237.JPG
7 Bilder
Quer durch Afrika und am Ende am Kap der Guten Hoffnung: Günther Frank aus Diedorf war zwei Wochen in Afrika unterwegs.

Günther Frank aus Anhausen durchquert alleine mit dem Auto den kompletten afrikanischen Kontinent. Was er in zwölf Wochen auf 20000 Kilometern alles erlebte.

Ein Bild, das in seinem Kinderzimmer hing, hat in Günther Frank schon in frühen Jahren die Sehnsucht nach Afrika hervorgerufen. Darauf abgebildet war ein Teil des Chapman’s Peak Drive, der spektakulären Küstenstraße südlich von Kapstadt. „Diese Straße will ich mal fahren“, hat er schon als kleiner Bub gesagt. Jetzt hat sich der Kindheitstraum des Anhausers erfüllt. Nach einer Tour, bei der er in zwölf Wochen ganz allein mit seinem Nissan Patrol knapp 20000 Kilometern quer durch den afrikanischen Kontinent gefahren ist, stand er endlich am Ziel seiner Wünsche. „Die Maut für diese herrliche Straße habe ich gerne bezahlt“, lacht der 53-Jährige. Von dort war es nicht mehr weit bis zum Kap der Guten Hoffnung, dem Ziel seiner Reise.

Frank, dessen Bruder 1982 nach Südafrika ausgewandert ist, war seit 1985 schon unzählige Male auf dem schwarzen Kontinent unterwegs. Er tourte durch die Sahara, aber auch nach Senegal, Gambia, Guinea, Mali, Südafrika oder Namibia. Von diesem „sehr deutschen Land“ ist er so begeistert, dass er seit 30 Jahren Mitglied der Deutsch-Namibischen Gesellschaft ist.

Schon vor 20 Jahren hat der EDV-Spezialist eine erste Afrikadurchquerung gestartet. Diese musste er aus Zeitgründen in Kenia beenden. Diesmal hat die Reise in Mauretanien begonnen. Dort hat Günther Frank bei Freunden einen Nissan Patrol (Baujahr 1998) deponiert. 4,2 Liter Hubraum, ohne Elektronik, ohne Turbo. „Ein Zuviel an Technik kann in den endlosen Weiten und auf den holprigen Pisten nur kaputt gehen“, sagt Frank. Er, der seit 2002 jedes Jahr mindestens eine Tour durch Mauretanien gemacht hat, würde es keinem empfehlen, ohne Erfahrung eine Afrikadurchquerung anzugehen. Nicht wegen Ebola, nicht wegen Boko Haram, der Terrorgruppe, die in Nigeria für chaotischen Verhältnisse sorgt, aufgrund dessen er im Vorfeld die Strecke zweimal umplanen musste. „Hauptgefahr ist nach wie vor der Straßenverkehr mit einer unglaublichen Unfallquote und sehr, sehr viel Toten“, erzählt Frank.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für einen ersten Afrikaurlaub empfiehlt Frank das seit 1990 unabhängige Namibia, „da sich hier afrikanische Kultur mit europäischer Infrastruktur trifft.“ Ansonsten sagt er über den Kontinent mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern und einer Fläche von 30 Millionen Quadratkilometern: „Afrika und seine Bewohner sind anders als dargestellt. Afrika ist größtenteils friedlich, Afrika ist hilfsbereit, Afrika ist fröhlich, Afrika ist ehrlich, Afrika und seine Menschen sind wunderbar.“

Am Weihnachtstag ist er durch den Tschad gefahren. „Alle waren im besten Sonntagsgewand in weihnachtlicher Feststimmung auf der Straße unterwegs. Ich hatte den Eindruck, dass auch die islamische Bevölkerung mitfeiert. In den Dörfern stehen stehen die Kirchen und Moscheen friedlich nebeneinander. Was Afrika wirklich fehle, sei nicht die Art der Hilfe, die in den letzten Jahrzehnten dorthin floß. „Das ist eher kontraproduktiv. Afrika und seine Menschen brauchen vor allem Respekt!“

Günther Frank hat in Afrika absolut keine negativen Erfahrungen gemacht. Ganz im Gegenteil: Als ihm in Gabun eine Teil der Lenkung brach, wurde das Teil von Baustellen-Arbeitern, die bei chinesischen Straßenbaufirmen angestellt sind, fachmännisch geschweißt. „Und das kostenlos“, sagt Frank. Längst gibt es auch die Frage von Polizisten oder Zöllnern nach dem früher obligatorischen „Cadeau“ (Geschenk) nicht mehr. Lediglich mit einer Kassiererin an einer Teerstraße in Kamerun gab es kleinere Probleme: „Sie wollte meine kleinen Scheine nicht akzeptieren und hatte angeblich für große Scheine kein Wechselgeld. Es ging um 15 Euro. Das wäre für sie ein Tagesverdienst gewesen.“

Geschlafen hat Günther Frank meist auf dem mit Matratzen ausgelegten Dachträger seines Autos, aber auch in katholischen Missionsstationen oder mondänen Lodges und Farmen von Freunden. Einen davon hat er nach 21 Jahren wiedergesehen. Oft erhielt er spontane Einladungen, wenn er sich ein Nachtlager suchte. Die Dorfbewohner brachten ihm Essen.

„Das Highlight der Reise war natürlich die Ankunft am Kap der Guten Hoffnung“, erzählt Günther Frank. „Aber am besten gefallen hat mir das Kaokoveld.“ Im abgelegensten Teil Namibias, der an Angola und die Namib-Wüste grenzt, lebt eines der letzten traditionellen Naturvölker, die Himbas. „Aufgrund der Abgeschiedenheit kann man Löwen, Elefanten, Giraffen und viele andere Arten einer umfangreichen Wildpopulation in freier Natur erleben“, schwärmt der Afrika-Experte. „In diesen außerordentlich schönen Teil Namibias verirren sich fast keine Touristen, da die Reise dorthin Expeditionscharakter hat“, sagt Frank. Da von engagierten Einheimischen einige Lodges aufgebaut wurden, will er im Herbst geführte Touren dorthin anbieten. Die Sehnsucht nach Afrika lässt ihn nicht mehr los. Am liebsten möchte er sie mit anderen teilen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_9465.tif
Klosterlechfeld

Er will eine erdbebensichere Schule in Nepal bauen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden