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11.03.2019

Ein Leben für den Gesang

Schöne Urkunden und noch viel schönere Stunden sind für Maria Zimmermann das Resultat aus 70 Jahren Singen im Kirchenchor.
Bild: Sonja Diller

Porträt Maria Zimmermann ist seit 70 Jahren im Gablinger Kirchenchor aktiv und gehört zur Stammbesetzung. Aber nicht nur dort macht sie mit. Der Ehemann muss deshalb aber nicht allein zu Hause sitzen

Langweid-Achsheim/Gablingen Langsam wird es eng an der Urkundenwand in der Diele der Zimmermanns in Achsheim: Für 50 Jahre, 60 Jahre und jetzt gerade 70 Jahre Mitgliedschaft im Kirchenchor Gablingen bekam die Hausherrin eine schöne, große Urkunde überreicht. Und dann noch eine für 25 Jahre Singen mit dem Landfrauenchor des Landkreises. Ein bisschen stolz ist sie schon darauf, gibt Maria Zimmermann zu.

„Wenn ich nicht mehr singe, dann ist es bald aus mit mir“, nickt Maria Zimmermann ernst und lacht dann herzlich. Lachen, das kann die energiegeladene waschechte Gablingerin ganz wunderbar, auch wenn in bald 80 Lebensjahren nicht immer alles zum Lachen war. Immer schön und vor allem ausgesprochen gut für die Seele war für die Mutter von fünf Kindern und stolze Oma von 14 Enkeln das Singen im Chor.

Das tut sie deshalb schon seit 70 Jahren. Im Gablinger Kirchenchor gehört sie zur Stammbesetzung, seit die Lehrerin in der Grundschule festgestellt hatte, dass die neunjährige Maria die Tonleitern einwandfrei und vor allem in den höchsten Tönen singen konnte. Damals hieß der Chorleiter Sommer, blättert Maria Zimmermann in den Seiten ihres Gedächtnisses.

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Eine beachtliche Leistung, denn in 70 Jahren standen schon viele vor den Sängern und gaben den Ton an. Der Herr Gruber ist auch so einer, der im Gedächtnis haften blieb. Er leitete den Chor und gleichzeitig auch die Schule. Streng war der Rektor, aber es kam auch etwas heraus bei den hohen Anforderungen. Klassische Messen wurden damals gesungen. Und im März oder April gab es ein Frühlingssingen für die ganze Gemeinde.

Glücklicherweise wurden die Bräuche 1967, als Maria Zimmermann ihren Georg aus Achsheim geheiratet hat, nicht mehr ganz so eng gesehen und die junge Ehefrau konnte auch nach der Hochzeit Chorsängerin bleiben. „Meine Mutter war als Mädchen auch im Kirchenchor, durfte aber verheiratet nicht mehr hinauf zur Empore wo der Chor singt.“ Damals saßen die Männer noch auf den Bänken rechts im Kirchenschiff, die Frauen links.

Gut, dass das zu Maria Zimmermanns Zeiten schon anders war. Denn ob sie sich kampflos das Singen hätte verbieten lassen, das kann man guten Gewissens bezweifeln. Damals wie heute „gehört der Mittwochabend mir“. Da ist sie resolut. Doch Ehemann Georg muss deshalb nicht alleine zu Hause sitzen. Der hat am selben Abend seine Kartenrunde in den Grünholder Stuben, wo sich auch die Sänger nach der Probe zur gern gepflegten Geselligkeit treffen. Dann kann man prima miteinander heimgehen und so haben beide einen unterhaltsamen Abend.

Die meiste Zeit ihres Lebens haben die Zimmermanns in Gablingen gelebt und immer viel Arbeit gehabt. Zusätzlich zum Bauernhof, den Maria von ihren Eltern übernommen hatte, wurde Georgs Hofstelle in Achsheim geführt. Nun leben sie in Achsheim, haben nach dem Singen und Karteln einen weiteren Weg nach Hause, aber für Maria Zimmermann kam es nie infrage wegen der Entfernung den Chor in Gablingen zu verlassen.

Einen Solotermin hat die Sängerin dann am Donnerstag. Da ist Probentermin beim Landfrauenchor, der in Stadtbergen für seine Auftritte im ganzen Landkreis übt. Am Wochenende ist dann vielfach Familienzeit, im Garten ist einiges zu tun, und wenn die Enkel sich Omas Apfelkrapfen wünschen, dann geht es eben in die Küche. Gewohnt ist die 79-Jährige den Umtrieb und möchte es gar nicht anders haben. Als Ortsbäuerin hat sie 25 Jahre lang Feste organisiert und manchmal ging es vom Tanzboden direkt in den Stall. Ein bisschen langsamer lassen es die Eheleute heute schon angehen. Aber der Chor und das Singen sind immer mit dabei. Bei der groß gefeierten goldenen Hochzeit vor zwei Jahren sang der Kirchenchor für das Jubelpaar die Turmbläsermesse in der Kirche und feierte ausgelassen mit.

Maria Zimmermann wird auf die Empore der Gablinger Kirche steigen, solange es nur geht. Denn dort ist sie daheim und zufrieden.

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