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Gersthofen

22.01.2020

Ein Liebesbrief an Gersthofen für den Wahlkampf

Wer schreibt den heute noch Liebesbriefe – handschriftlich auf Papier und so? In Gersthofen gibt’s das noch.
Foto: René Lauer (Symbolfoto)

Ein emotionales Schriftstück wird an 8000 Haushalte zugestellt.  Das Briefeschreiben der Politiker in Gersthofen hat schon eine kleine Tradition.

Wer schreibt den heute noch Liebesbriefe – handschriftlich auf Papier und so? In Gersthofen gibt’s das noch. Und dieser Liebesbrief hat sogar eine politische Dimension – nicht zuletzt weil er in 8000-facher Ausfertigungen in Gersthofer Briefkästen gelandet ist. Damit ist er allerdings nicht der erste.

„An meine heimliche, große Liebe“ richtet der Gersthofer CSU-Bürgermeisterkandidat Max Poppe sein emotionales Schriftstück. „Weißt Du, dass wir uns schon ein Leben lang kennen“, fragt er in eigener Handschrift. Seine Ehefrau ist zwar mit dieser Anrede nicht gemeint, aber wie Poppe auf Anfrage erklärt, weiß sie von seinem Geständnis und „kann damit auch leben – sie war ja eingebunden“.

Unkonventioneller Wahlkampfschachzug Max Poppes

Nun ja, der Brief endet auch „Du bist meine Liebe, meine Herzensangelegenheit. Mein Gersthofen, mein Zuhause, meine Heimat: Willst Du mit mir gehen?“ Damit dürfte unzweifelhaft feststehen, dass Max Poppe keiner anderen schönen Gersthoferin die Treue schwören möchte, sondern es sich vielmehr um einen unkonventionellen Wahlkampfschachzug handelt.

„Wir haben nachgedacht, wie man meine Liebe zur Heimatstadt ausdrücken kann“, bekennt der Bürgermeisterkandidat. „Und Aufmerksamkeit zu erregen zum einen für mich, aber auch für die Kommunalwahl als solche – das ist uns offensichtlich gelungen.“ So seien schon am Tag, als der Brief von Poppe und seinem Team eigenhändig in den Briefkästen eingeworfen wurde, überwiegend positive Reaktionen eingegangen, welche die originelle Idee lobten. Schließlich nennt er auch noch eine Handynummer – diejenige seiner Wahlkampagne. Andere konnten sich mit dem Brief weniger anfreunden. „Über das Stadium des Poesiealbums war sich spätestens im Alter von zwölf Jahren hinaus“, hieß es beispielsweise in einer Reaktion, die unsere Zeitung erreichte.

Der Post einen Glücks-Cent mit beigefügt

Übrigens hat das Briefeschreiben der Politiker in Gersthofen schon eine kleine Tradition. So wandte sich unter anderem SPD-Stadtrat Christian Miller einst an die Gersthofer und hatte seiner Post einen Glücks-Cent mit beigefügt. Miller verteilte auch einen Kalender. Allerdings war ihm ein kleiner Lapsus unterlaufen – denn nirgendwo darauf war zu lesen, dass er für die SPD ins Rennen geht. Doch wie sagt der Volksmund: Der Wille zählt.

Ein Wille veranlasste die Vertreter der verschiedenen Fraktionen beim Bürgermeisterwahlkampf vor sechs Jahren ebenfalls zu einem Schreiben. Allerdings handelte es sich hier um alles andere als einen Liebesbrief. Denn die Politiker appellierten an die Bürger, ihre Stimme nicht dem umstrittenen Bürgermeister Jürgen Schantin zu geben. Er hatte nach einem Streit der CSU den Rücken gekehrt und trat mit seiner eigenen Gruppierung W.I.R. an, um eine zweite Periode als Chef im Gersthofer Rathaus zu arbeiten. Am Ende gewann Michael Wörle in der Stichwahl. Ob das Schreiben der Politiker dabei eine Rolle gespielt hat, ist nicht verbrieft.

Von vielen belächelt wurde einst auch der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl: Denn für seinen Wahlkampf hatte er sich einen Handy-Klingelton machen lassen, der penetrant „Gribl“ rief.

Wie dem auch sei – in Zeiten der immer zahlreicher werdenden Gruppierungen, die bei Kommunalwahlen antreten, braucht es offenbar mehr Ideen – jenseits von Argumenten – um sich aus der Menge der Mitbewerber hervorzuheben.

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