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Meitingen

16.10.2019

Ein Meitinger Sänger hat Priester Metzger kennen gelernt

Während sich der Una-Sancta-Chor in der katholischen Kirche St. Wolfgang formiert, haben sie eine spezielle Funktion im Projektchor (von links nach rechts): Helene Lindqvist (Sopran-Solistin), Udo Scheuerpflug (Tenor-Solist), Erika Beer (Chorleiterin des St.-Wolfgang-Chors), Josef Schrötter (Zeitzeuge), Andrea Henkelmann (Chorleiterin des Johanneschors) und Heinrich Schilling (Projektleiter).
Bild: Steffi Brand

Der Meitinger Josef Schrötter wirkt Anfang November bei einem einmaligen Konzert mit, das an den von den Nazis getöteten Pfarrer erinnert. 

Josef Schrötter ist einer von mehr als 80 Mitgliedern des Una-Sancta-Projektchors, der am 3. November um 16 Uhr die Welt-Uraufführung der Vertonung der „Gefängnisgedichte“ von Max Josef Metzger bestreiten wird. Doch der 86-Jährige ist auch ein ganz besonderes Mitglied. Denn der Meitinger hat als kleiner Bub Max Josef Metzger die Hand geschüttelt.

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„Die Erinnerung hängt in meinen Kopf“, berichtet der 86-Jährige. Präsenter denn je wurde die Situation, die nun gut 80 Jahre zurückliegt, durch die Gründung des Una-Sancta-Projektchors und die Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Christkönigs-Instituts. Die Bilder an den Wänden der Ausstellung und die Auseinandersetzung mit Metzger sowie den Zeilen, die er im Gefängnis geschrieben hat, regten die Erinnerung von Schrötter an. „Vielleicht ist Metzger öfter an mir vorbeigegangen“, fragt sich der 86-Jährige. Doch an nur einem Tag will Schrötter Metzger im Büro von Schwester Benedikta die Hand geschüttelt haben.

Musikalisch hat sich im Chor einiges getan

Einen derart persönlichen Bezug zu dem von den Nazis hingerichteten Metzger haben die anderen Akteure des Una-Sancta-Chors und des Orchesters nicht. Auch an musikalischen Jahren ist Josef Schrötter, der seit 67 Jahren im Männerchor und seit 53 Jahren im Kirchenchor von St. Wolfgang singt, nicht zu überbieten. Dennoch hat sich vor allem musikalisch in den letzten Wochen vieles getan. Erika Beer, die Chorleiterin des St.-Wolfgang-Chors, und Andrea Henkelmann, ihre Chorleiter-Kollegin des Johannes-Chors, sind sich einig: „Das intensive Probenwochenende hat den Chor persönlich und musikalisch zusammengeschweißt.“ Udo Scheuerpflug, Tenorsolist und Darsteller von „Pater Max“, verhalf der Truppe dazu, den Probenraum mit einem Klang zu erhellen, der die Gefühlswelt aus der Zelle aufgreift. Als einen „familiären“ Klang habe Scheuerpflug diesen beschrieben und gleichzeitig die Mitglieder des Chors dazu aufgefordert, mutig zu sein. „Wir sollten dem Komponisten, Cormac Brian O’Duffy, das anbieten, was wir erarbeitet haben“, erklärte er uns. „Und wir waren so mutig“, verraten Beer und Henkelmann. Scheuerpflug, der erst vor einigen Jahren erstmals mit Metzgers Wirken in Kontakt kam, empfindet seine Funktion als Solist als „große Ehre“. Darüber hinaus steht er im regen Kontakt zu Cormac Brian O’Duffy, der in Charleston, im US-amerikanischen Bundesstaat South Carolina, lebt. Dieser verrät auf Nachfrage, wie gespannt er ist, das Gesamtwerk zu hören. Eine genaue Vorstellung davon, wie es final klingen wird, hat er bislang noch nicht. „Sie haben eine Idee während sie schreiben, aber nur wenn alles zusammenspielt, entfaltet es seine Wirkung“, erklärt der Komponist.

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Übertragung in die Gemeindesäle

Damit das Zusammenspiel zur Welt-Uraufführung auch gut funktioniert, bedarf es auch einiger technischer Abstimmung im Vorfeld. Für Ryan McKown ist es eine ganz besondere Herausforderung, denn er hat die schwierige Aufgabe zu meistern, den Klang in der Kirche so abzustimmen, dass sich alle Sänger und Sängerinnen des Una-Sancta-Chors, Tenor-Solist Udo Scheuerpflug, Sopran-Solistin Helene Lindqvist sowie die Musiker des Orchesters gleichermaßen gut hören. Dass alle Akteure zugleich einen Blick auf die Probenleitung haben können bis der Komponist selbst diese Aufgabe eine Woche vor der Welt-Uraufführung übernimmt, ist eine weitere logistische Herausforderung. Die übrigen Herausforderungen, wie etwa die Finanzierung des Projekts, die Koordination der Werbemaßnahmen sowie die rechtssichere Übertragung der Welt-Uraufführung, stemmt Heinrich Schilling, der als Projektleiter fungiert und die Sache ins Rollen gebracht hat. Er erklärt: „Zwei Drittel des Budgets stehen.“ Auch weiterhin ist das Mitglied des Una-Sancta-Chors auf der Suche nach Sponsoren und kümmert sich darüber hinaus noch um eine technische Lösung für den Fall, dass zur Welt-Uraufführung die katholische Kirche St. Wolfgang aus allen Nähten platzt: „Wir übertragen via Intranet in die Gemeindesäle der katholischen und der evangelischen Kirche.“ So soll sichergestellt werden, dass jeder Interessierte auch die Chance hat, dem Konzert zu lauschen.

Die Programmhefte, für die Daniel Kroul das Titelbild entworfen hat und die alle Texte beinhalten, sehen Erika Beer und Andrea Henkelmann als eine Art „Vermächtnis“, das die Gefängnisgedichte und die Welt-Uraufführung dieser in Meitingen nachhaltig in den Köpfen der Zuhörer verankern wird.

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