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Ustersbach-Baschenegg

11.10.2017

Ein Ort der Geborgenheit nach einem Leidensweg

„Ich dachte: was ist denn jetzt los? Ich war nicht darauf vorbereitet.“Wie eine große Familie. Engagiertes Personal kümmert sich im Marienheim Baschenegg rund um die Uhr um das Wohl seiner Schützlinge.“ (von links Jasmine, Betreuerin Pamela Haugg, Michaela, Justin, Betreuerin Nina Schorn, Jil und Nesthäkchen Lenox).„Im Zweifelsfall stehen wir immer auf der Seite der Kinder.“
Bild: Manuela Rauch

In der Not wird das Marienheim Baschenegg für Kinder zur sicheren Zuflucht. Einige bleiben sogar freiwillig im Heim. Ein Besuch in den Wohngruppen.

Als Erzieherin Nina Schorn am Vormittag einen letzten prüfenden Blick in den Waschraum wirft, ist es noch ruhig im zweiten Stock des Marienheims Baschenegg. Lediglich die 17-jährige Jasmine huscht auf Socken leise über den Flur, ist aber sofort wieder verschwunden. Kurze Zeit später ist es mit der Stille vorbei, als sich die Haustür öffnet und Kinderlachen durch das Treppenhaus hallt. Schorn ist dabei, den Esstisch zu decken, da stürmt Lenox mit seinem bunten Rucksack in die Küche und schnattert aufgeregt drauflos. Der quirlige Bub kommt gerade aus dem Kindergarten und will erst einmal in den Arm genommen werden. Mit seinen sechs Jahren ist er das jüngste von insgesamt zwölf Kindern und Jugendlichen der Gruppe „Hedwig“.

Sie alle eint ein ähnliches Schicksal, denn sie leben im Kinderheim. Die Gründe dafür sind so verschieden, wie die Kinder selbst. Viele haben traumatische Erlebnisse hinter sich, kommen aus zerrütteten Familien, haben psychisch kranke Eltern oder wurden schon früh mit dem Verlust eines Elternteils konfrontiert. Für die meisten ist das Marienheim ein Rettungsanker und nicht zuletzt das Ende einer oft langen und traurigen Odyssee. Drei solcher Wohngruppen gibt es im Marienheim, zusätzlich gibt es eine, in der ausschließlich kleine Kinder zwischen drei und sechs Jahren untergebracht werden.

Nina Schorn aus Dinkelscherben ist eine von fünf Betreuern, die sich abwechselnd um die Gruppe „Hedwig“ kümmern. Im 24-Stunden Schichtbetrieb organisieren sie den Alltag der Kinder, helfen bei den Hausaufgaben und haben für alles ein offenes Ohr. Schorn und ihre Kolleginnen sind Profis mit Herz. „Uns geht es um die Grundbedürfnisse der Kinder“, erklärt sie. Viele erfahren hier zum ersten Mal im Leben eine verlässliche Struktur mit geregelten Mahlzeiten und festen Abläufen. Das Kinderheim vermittelt Geborgenheit, die junge Kinderseelen zum Wachsen brauchen. Riesige Schlafsäle und autoritäre Erziehungsmethoden findet man hier nicht. Schorn erzählt: „Tatsächlich gibt es Menschen, die stellen sich ein Heim immer noch so angestaubt vor, aber das hat mit der Realität nichts zu tun. Der Umgang ist sehr herzlich und die Atmosphäre familiär.“

Während sich die jüngeren Kinder in der Regel zu zweit ein Zimmer teilen, bewohnen die Großen ihr eigenes Reich. „Die einen hängen Fußballposter an die Wand, die anderen Tierbilder. Manche stellen auch Fotos von Freunden oder der Familie auf.“ Zieht ein neues Kind in die Gruppe, versuchen die Betreuer die noch ungewohnte Umgebung so gemütlich wie möglich zu gestalten. „Die ersten Wochen sind nicht einfach. Die Kinder haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, da braucht es Zeit und Einfühlsamkeit, das Vertrauen aufzubauen“, sagt Schorn.

Der 15-jährige Justin kam vor zwei Jahren nach Baschenegg. Er erinnert sich: „Ich dachte: was ist denn jetzt los? Ich war nicht darauf vorbereitet.“ Justins Eltern lebten da schon getrennt, seinem Vater war die Erziehung der Kinder irgendwann über den Kopf gewachsen. Seit dem hat sich viel verändert. Das Verhältnis zu seinem Vater sei jetzt viel besser, sagt er. „Wir sehen uns regelmäßig, mal fahre ich hin, mal kommt er zu Besuch.“

Trotzdem hat sich Justin bewusst dazu entschieden, im Marienheim zu bleiben. Die Stabilität in der Gruppe hilft ihm, sich auf seine Ziele zu konzentrieren. Den Schulabschluss hat er in der Tasche, jetzt beginnt er eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Justin packt sein Leben aktiv an. Auch im Kinderheim engagiert er sich. Jüngst haben ihn seine „Geschwister“ zum Gruppensprecher gewählt. Justin passt jetzt auf, dass alle zu Wort kommen und Entscheidungen demokratisch getroffen werden. „Wir verlangen den Kindern schon eine große Portion Selbstständigkeit ab“, sagt Schorn. Justin hat davon profitiert. Wenn alles klappt, will er irgendwann in ein eigenes kleines Apartment im Marienheim ziehen, bevor er ganz auf eigenen Füßen steht.

Die Zukunft der jüngeren Kinder ist hingegen noch offen. Das Ziel sei meist die mögliche Rückführung in die Familie, erklärt Simone Gebhard. Sie hat die Leitung des Marienheims von Norbert Haban übernommen. Doch auch die Rückkehr in die Herkunftsfamilie geschehe nicht um jeden Preis. „Im Zweifelsfall stehen wir immer auf der Seite der Kinder“, versichert sie. Wenn dann ein Kind geht, hinterlässt es nicht selten eine Lücke in der „Familie“.

Zwar halten viele ehemalige Heimkinder noch Jahre später Kontakt zu ihren Betreuern aber das mache den Abschied trotzdem nicht leichter. Simone Gebhard: „Da können auch schon mal Tränen fließen.“

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11.10.2017

Auch für mich war einmal das Kinderheim von Baschenegg meine Heimat. Da meine Mutter von mir

und meinen Zwilillingsbruder nichts wissen wollte ,wurden wurden wir in das Kinderheim von

Baschenegg abgeschoben. Damals waren noch die Dillinger Franziskanerinen die verantwortlichen.

Personen vom Marienheim - Baschenegg.Ich war von 1954 bis 1958 im Kinderheim- Baschenegg

und wurde am Karsamstag vom Hausgeistlichen und einer Schwester vom Josefsheim nach

Reitenbuch gebracht. Diese Schwester erzählte mir nach vielen Jahren was sich damals

abgespielt hatte,als ich vom Marienheim Baschenegg fort musste. Jeden Tag hatte sie mir erzählt

mussten sie mich schlagen weil ich immer nur geschrien und geweint habe, weil ich so Heimweh

hatte nach dem Marienheim- Baschenegg . Auch mein Zwillingsbruder wurde in Baschenegg zur

Adoption frei gegeben,denn ich erst nach 45 Jahren zum erstenmal sehen konnte. Woran ich mich

dann noch an das Marien- Baschenegg erinnern kann wahr als wir Kinder vom Josefsheim

nach Baschenegg mussten zum Kartoffelglauben, einige Schwestern erkannten mich sofort wieder

und fragten mich wie es mir im Josefsheim geht.doch ich rannte weg und fing wieder zu weinen an.

Ich wünsche keinem Kind das es einmal so was erleben muss wie ich damals in der Zeit vom

Marienheim Baschenegg und dem Josefsheim Reitenbuch. Das sich heute vieles geändert hat

in diesen Kinderheimen ist ein Segen für die heutigen Heimkinder. Ich meine trozdem sind

Kinder bei Pflegefamilien oder bei Adoptiveltern besser aufgehoben. Ein Kinderheim kann nie eine

Familie ersetzen.

Ich habe meine ganzen Erlebnisse vom Marienheim Baschenegg und vom Josefsheim Reitenbuch

in einem Blog der Augsburger- Zeitung aufgeschrieben.

Ein Kinderheim ist ein Ort wo viele Trännen fließen, doch sie zu trocknen ist die

Aufgabe der Menschen die in diesen Heimen arbeiten,und ich weiß von was ich rede

http://www.augsburger-allgemeine.de/community/profile/achstaller_erhard/Heimat-ohne-Wiederkehr-fuer-die-Schwestern-vom-Marienheim-Baschenegg-id13452391.html

Man sagt immer Zeit heilt Wunden,doch es stimmt nicht ganz,denn Erinnerungen bleiben fürs

ganze Leben

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