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Emersacker

16.12.2018

Ein Ort der Stille, der provoziert

Zur Segnung der Wegkapelle in Emersacker kamen trotz Kälte viele Besucher.
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Zur Segnung der Wegkapelle in Emersacker kamen trotz Kälte viele Besucher.
Bild: Simone Kuchenbaur

Die zweite Wegkapelle am Waldrand von Emersacker soll ein Raum für die innere Einkehr sein - und ist eine architektonische Herausforderung.

Gewitzelt wurde bereits, ob Emersacker nun eine Skischanze bekommt. „Provozierend in der Ausgestaltung“ und „architektonisch herausfordernd“ nannte Bürgermeister Michael Müller das Bauwerk von Wilhelm Huber in seiner Rede. Auf Veranlassen der Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung ist am Waldrand am Radweg von Emersacker nach Welden eine von sieben Kapellen entstanden.

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Am vergangenen Samstag erfolgte die Segnung des in der Tat etwas ungewöhnlichen Bauwerks. Nach den Erläuterungen des Architekten war zu verstehen, warum die Kapelle, die Radfahrer und Wanderer zum Innehalten, Besinnen und Entschleunigen einladen soll, genau so aussieht, wie sie nun dasteht. So soll der zwölf Meter hohe Turm aus Lärchenholz an einen Baumstumpf erinnern, der sich im Lauf der Jahre optisch dem Fugger’schen Waldbestand ringsherum anpassen soll. Das blaue Oberlicht stellt eine Verbindung mit dem Himmel dar. Die Farbe symbolisiere außerdem göttliche Wahrheit, Sehnsucht, Ferne und Ewigkeit, so der Architekt. Im Inneren befinde sich vor dem metallenen Kreuz mit der Plattform eine Sitzgelegenheit, aber auch Raum für Meditation – ein Ort der Stille.

Wasser, das bei Regen vom Dach heruntertropfe, symbolisiere eine Perlenschnur, die für Leben und Lebenskraft stehe und außerdem für die Verbindung des Himmels mit der Erde.

Ein Ort der Stille, der provoziert

Wegekapellen können ihre eigene Geschichte erzählen

Maria Theresia Gräfin Fugger von Glött lobte die Initiative der Denzel-Stiftung. „Wegekapellen haben eine lange Tradition in unserer Heimat. Sie können uns alle ihre eigene Geschichte erzählen“, so die Gräfin. Die Idee eines Ortes für Ruhe, Entspannung und Entschleunigung sei nicht veraltet. Mut gehöre dazu, moderne Gebäude an den Wegesrand zu stellen. Ihre Familie freue sich, etwas Ewiges mit ermöglichen zu können.

Landrat Martin Sailer erklärte, dass die Segnung der Kapelle zu etwas ganz Besonderem und nicht Alltäglichem in seiner Amtszeit gehöre. Dass die neue Kapelle aus Holz gebaut sei, passe auch zum gegenwärtigen Thema Nachhaltigkeit.

Bezirksheimatpfleger Peter Fassl, der stellvertretender Vorsitzender der Stiftung ist, erklärte, dass die neu gebauten Radwege eine neue Form der Kommunikation bieten und zukünftig noch an Bedeutung gewinnen werden. Jedoch seien sie bisher nicht geprägt durch christliche Zeichen. Nachdem das Anliegen einer Stiftung sei, etwas Dauerhaftes zu errichten, hätten sich Elfriede und Siegfried Denzel für die sieben Kapellen in ihrer Heimat entschlossen.

Architektur als Kunst im öffentlichen Raum

Diese sollen nicht nur ein geistliches Zeichen setzen, sondern auch Architektur als Kunst in den öffentlichen Raum bringen. Es sei gelungen, für das Sieben-Kapellen-Projekt namhafte Architekten zu gewinnen. Vom evangelischen Pfarrer Hagen Faust aus Zusmarshausen sowie dem Ortspfarrer Joachim Seiler erhielt das neue Bauwerk den Segen.

Während die Jagdhornbläser ihre Instrumente erklingen ließen, waren die Gäste der Veranstaltung dankbar, dass der Pfarrgemeinderat aus Emersacker bei den frostigen Temperaturen heißen Glühwein und Punsch sowie Bratwurstsemmeln anbot, sodass zumindest Hände und Magen wieder aufgewärmt wurden.

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