Dialekte

20.10.2014

Ein Sitz auf Rädern

In unserer Serie über sprachliche Besonderheiten gehen wir heute Fahrzeugen nach

Was in München die Tram ist, heißt in Augsburg gemeinhin „Stroßaboh“. Doch im Schwäbischen gibt es noch einen weiteren Begriff für das beliebte städtische Verkehrsmittel, nämlich „Funkaschees“. „Schees“ oder auch „Sches(e)n“ heißen in den süddeutschen, französisch beeinflussten Mundarten Fahrzeuge.

Basis ist „chaise“, das französische Wort für Stuhl. Daraus wurde in der deutschen Umgangssprache ein Sitz auf Rädern, eine halb offene Kutsche. Und weil die Stromabnehmer der Straßenbahn früher an der Oberleitung häufig Funken erzeugten, war im schwäbischen Dialekt die „Funkaschees“ geboren.

„Schees“ heißt im Schwäbischen auch der Kinderwagen, „a glois Schäsle“; auch in Altbayern kennt man die „gloa Schäsn“. Und so wenig charmant unsere Mundarten manchmal eben auch sind, heißen rechts und links des Lechs in die Jahre gekommene Damen unattraktiven Aussehens „alte Schesen“. Wobei die Altbayern jenen Frauen obendrein noch ein dem Alter unangemessenes, besonders aufgetakeltes Auftreten unterstellen. Im Allgäu dagegen sind „alte Schesen“ eher komische Weiber. So nennt man heute vor allem klapprige und angerostete alte Autos, die kaum mehr die Chance haben, die nächste Hauptuntersuchung zu überstehen. Der Duden führt auch das Tätigkeitswort „schesen“ an, das allerdings in unseren Mundarten weniger oder nicht bekannt ist und die Bedeutung von „eilen, hetzen, rennen“ hat.

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Ihren eigentlichen Ursprung hat die „Schees“ im altgriechischen Wort „Kathedrale“, was wie im Französischen Stuhl heißt. Später bezeichnete man auch den Bischofsstuhl und die Kanzel in der Kirche so. Wenn man in der katholischen Religionslehre von einer Entscheidung „ex cathedra“ spricht, dann sind im Zusammenhang mit der päpstlichen Unfehlbarkeit weder Zweifel noch Widerspruch möglich.

Im heutigen Sprachgebrauch kennen wir den Katheder als Pult in der Schule – nicht zu verwechseln mit dem Katheter, jener in der Medizin verwendeten Sonde zur Diagnostik und Therapie von hohlen Organen. Auch dieses Wort hat seinen Ursprung im Altgriechischen und bedeutet so viel wie „hinabsenden“.

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