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Thierhaupten

04.05.2020

Ein Südafrikaner findet seine Wurzeln in Thierhaupten

Im März 2019 hat Alexander Köhler zum ersten Thierhaupten besucht und sich dort unter anderem den Prälatenbau des Klosters Thierhaupten angesehen. Der Südafrikaner war auf den Spuren seines Urgroßvaters Quirin Herb unterwegs, der 1923 von Thierhaupten nach Johannesburg auswanderte.
Bild: Sammlung Köhler

Plus Im Jahr 1923 wanderte Alexander Köhlers Urgroßvater aus und gründete ein Textilgewerbe in Johannesburg. Heute fühlt sich der Urenkel mit Deutschland verbunden.

Alexander Köhler trägt einen der 100 häufigsten Nachnamen Deutschlands – das behauptet jedenfalls der Duden. Schnell mag man auch an den ehemaligen Bundespräsidenten denken, Horst Köhler. Aufgrund seines Familiennamens ist es dann wohl für so manch einen verwunderlich, dass Alexander Köhler nur sehr wenig Deutsch spricht. Der Hintergrund: Der 27-Jährige ist in Südafrika aufgewachsen und lebt heute in Katar. Im vergangenen Jahr kam er zum ersten Mal nach Deutschland und auch nach Thierhaupten – jene Gemeinde, aus der sein Urgroßvater Quirin Herb 1923 auswanderte.

Alexander Köhlers Vorfahren wanderten nach Johannesburg aus. Die Metropole ist die größte Stadt Südafrikas.
Bild: Ralf Krüger, dpa (Symbol)

Quirin Herb war damals der älteste unter elf Geschwistern und einer von gleich mehreren Brüdern, die nach Südafrika gingen. „Der Vater hat seine Kinder immer dazu ermutigt, hinauszugehen und die Welt zu erforschen“, erzählt Alexander Köhler auf Englisch, seiner Muttersprache. Er weiß: Zur damaligen Zeit war das Reisen nicht einfach. Große Fluggesellschaften gab es noch nicht, und so war das Schiff das bevorzugte Transportmittel. Nachdem Quirin Herb also seine Lehre zum Färber abgeschlossen hatte, wanderte er nach Südafrika aus. Dort arbeitete er eine Weile in Kapstadt und gründete später sein eigenes Textilunternehmen in Johannesburg.

Die Tischgebete immer auf Deutsch gesprochen

An einer deutschen Schule vor Ort lernte er seine Frau kennen, das Paar bekam vier Kinder. Eine der Töchter, Wally Herb, heiratete später den Deutschen Charles Ali Köhler: Alexander Köhlers Großeltern väterlicherseits, die er stets auf Deutsch mit „Oma und Opa“ ansprach. Heute sind beide bereits verstorben. „Die beiden haben oft versucht, mir ein bisschen Deutsch beizubringen“, erinnert sich Köhler. „Wir haben auch unsere Tischgebete immer auf Deutsch gesprochen.“ Die „Oma“ erzählte ihrem Enkel häufig von ihrem Vater Quirin Herb aus Thierhaupten. Doch Alexander Köhler hätte nie geglaubt, diesen Ort einmal selbst zu sehen. Der heute 27-Jährige denkt zurück an eine schöne Kindheit in Südafrika. Viel Zeit verbrachte er im Ferienhaus der Herb-Köhler-Familie am Strand von Zinkwazi, Südafrika. Dort hatte er immer viel Spaß mit seinem Bruder und seinen Cousins – egal ob beim Surfen, Wasserski- oder Kajakfahren. Alexander Köhler besuchte ein katholisches College in Bedfordview und studierte später an einer Universität in Johannesburg.

Seit 2017 lebt er nun in Katar, wo er als professioneller Editor im Bereich Film und Fernsehen arbeitet. „Dort zu leben hat es mir ermöglicht, mehr zu reisen“, sagt der Südafrikaner.

Alexander Köhler machte zum ersten Mal Urlaub in Deutschland

So machte er dann im März 2019 zum ersten Mal Urlaub in Deutschland, besichtigte unter anderem Berlin und München. Einen ganzen Tag verbrachte er auch in Thierhaupten, wo heute noch viele seiner Verwandten leben. Vor Ort zeigte ihm Gertrud Ebner die sehenswertesten Ecken. Die Waltershofenerin ist eine Enkelin von Franziska Herb, einer Schwester von Quirin Herb – Alexander Köhler nennt sie einfach „Tante“. Im Laufe ihres Lebens ist Gertrud Ebner schon mehrmals in Südafrika gewesen, um die große Verwandtschaft dort zu besuchen. „Wir haben einen regen Kontakt und das genieße ich sehr“, schwärmt sie. „Auch, wenn man sich oft lange nicht sieht: Man steht sich trotzdem ganz nah.“ Als Alexander Köhler dann seine erste Deutschlandreise plante, meldete er sich direkt bei seiner „Tante“ aus Waltershofen. Er erzählt: „Für mich war es sehr aufregend, zum ersten Mal nach Thierhaupten zu kommen.“

Nelson Mandela gilt als Symbolfigur für Freiheit und Gerechtigkeit. Er setzte sich sein Leben lang für die Rechte der Schwarzen in Afrika ein.
15 Bilder
Nelson Mandela - Ein Leben für die Freiheit
Bild: Jon Hrusa, dpa

Dort habe er das Gefühl gehabt, die Präsenz seiner Vorfahren spüren zu können. Er sei beeindruckt gewesen von der friedlichen Ortschaft, den schönen Gärten und der Landschaft. Gemeinsam mit Gertrud Ebner besuchte Köhler unter anderem auch das örtliche Kloster, das Klostermühlenmuseum und die alte Schule des Urgroßvaters Quirin Herb.

Corona-Krise legte sämtliche Reisepläne auf Eis

So konnte der Südafrikaner mehr über seine eigene Herkunft erfahren. Auf jeden Fall möchte Alexander Köhler eines Tages wieder nach Deutschland kommen und das Land weiter erkunden, doch aufgrund der Corona-Krise liegen erst einmal sämtliche Reisepläne auf Eis. Sehr gerne hätte der 27-Jährige auch einen deutschen Pass, was sich aus bürokratischer Sicht jedoch schwierig gestaltet. Um ins Land seiner Wurzeln einreisen zu können, benötigt er also weiterhin ein Visum.

Und trotzdem: „Deutschland fühlt sich für mich wie Heimat an und nicht wie irgendein touristisches Reiseziel.“

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