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Kreis Augsburg

22.05.2019

Ein Wolf war in der Region unterwegs - und hat ein Lamm gerissen

Das Landesamt für Umwelt hat am Mittwochabend bestätigt, dass das im April bei Biberbach entdeckte tote Lamm von einem Wolf gerissen worden ist.
Bild: Bernd Thissen, dpa (Symbolbild)

Im April wurde bei Biberbach im Kreis Augsburg ein totes Lamm gefunden. Eine genetische Analyse bestätigt: Es war ein Wolf. Es gibt noch einen zweiten Fall.

Es war ein Wolf! Das Lamm, das im April bei Biberbach nördlich von Augsburg tot auf einer offenen Weide am Ortsausgang zur Umgehungsstraße aufgefunden wurde, ist von einem Wolf gerissen worden. Das hat das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg nach Recherchen unserer Redaktion am Mittwochabend offiziell bestätigt.

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Die genetische Analyse einer Probe des toten Lammes „hat einen Wolf als Verursacher ergeben“, heißt es in einer Mitteilung des Landesamts. Eine weitergehende Analyse soll noch erfolgen und Erkenntnisse zu Geschlecht und Rudelzugehörigkeit des „bösen“ Wolfes liefern. Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern würden informiert, teilt das Landesamt weiter mit, das erst nach Recherchen unserer Redaktion den Fall publik gemacht hat.

Der Vorfall mit dem toten Lamm hat sich am 23. April ereignet. Der Tierhalter erhält nach LfU-Angaben eine Entschädigung aus dem Ausgleichsfonds Große Beutegreifer. Das LfU bestätigte außerdem Informationen, wonach in einem weiteren Fall eines in der Region aufgefundenen toten Tieres eine genetische Untersuchung beauftragt wurde. Dabei soll es sich um ein Kalb handeln, das auf einer Weide zwischen Biberbach und der Zollsiedlung gegrast hat.

Wolf im Kreis Augsburg: Bürgermeister kritisiert die Informationspolitik

„Mehr als seltsam“ nannte Biberbachs Bürgermeister Wolfgang Jarasch noch am Abend die Informationspolitik des Landesamtes. Obwohl der Schaf-Riss schon vor einem Monat stattgefunden hat, habe er erst auf eigene Nachfrage beim LfU am Mittwoch von dem brisanten Hintergrund des Vorfalls erfahren. Auch das Landratsamt Augsburg war nicht über die Tätigkeit der LfU-Wolfsexperten informiert, teilte man dem Bürgermeister dort mit. Informationen für die Bürger sind für Jarasch aber nun das Wichtigste, denn „wir sind alle Anfänger im Umgang mit Wölfen“. Was muss der Spaziergänger im Wald beachten? Welche Vorkehrungen müssen Landwirte treffen, deren Tiere auf der Weide stehen? „Auf diese Fragen erwarten wir umgehend Antworten“, so der Bürgermeister.

Das LfU gab zunächst allgemeine Informationen: Nach Bayern können nach Angaben der Umweltbehörde jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern, sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus den Alpen. Jungtiere wandern bei Geschlechtsreife weite Strecken auf der Suche nach einem eigenen Territorium. Dass der Wolf auch in der Region Augsburg früher oder später auftauchen würde, war also zu erwarten.

In Bayern sind wieder mehr Wölfe unterwegs

Schon vor 200 Jahren hatten die Tiere im Augsburger Land Angst und Schrecken verbreitet: Wölfe sollen damals in den tiefen Wäldern eine Bäuerin und ihre Tochter getötet haben. Daran erinnert eine Tafel „Beim Blutigen Herrgott“ im Wald zwischen Aystetten und Adelsried. Auch der Heimatdichter Ludwig Ganghofer hielt den Vorfall in seinen Kindheitserinnerungen fest.

Der Mythos vom bösen Wolf trug dazu bei, dass die Tiere nach und nach ausgerottet wurden. Jetzt also kommt der „Canis lupus“, wie der Wolf auf Lateinisch heißt, zurück. Auf der Durchreise war wohl ein Tier, das eine Wildkamera im April 2018 im östlichen Landkreis Donau-Ries festhielt. Auch im Unterallgäu löste eine Wildkamera aus – allerdings war am Ende nicht eindeutig, ob das Foto tatsächlich eines der streng geschützten Exemplare oder vielleicht einen Schäferhund zeigte. Die Tendenz in Bayern ist klar: 2017 wurden in 16 Fällen mindestens sechs unterschiedliche Wölfe ausgemacht. Drei Jahre zuvor waren es nur drei.

Mehrfach gab es im Allgäu in der jüngeren Vergangenheit Vorfälle, bei denen Wölfe auf Kühe losgegangen sein sollen. In Oberbayern wurde zuletzt im Jahr 2017 ein Wolf nachgewiesen, erst im März dieses Jahres hat das Augsburger Landesamt eine Wolf-Sichtung im oberfränkischen Bamberg bestätigt.

Dass in Bayern wieder mehr Wölfe unterwegs sind, liege an der erhöhten Quellpopulation, hatte ein Sprecher des Landesamts für Umwelt bei einer früheren Anfrage unserer Zeitung erläutert: „Im südwestlichen Alpenbogen und in den neuen Bundesländern gibt es mittlerweile etliche etablierte Rudel. Deren Nachwuchs geht auf Wanderschaft.“ Auf der Suche nach einem eigenen Territorium könnten sie täglich 50 bis 70 und noch mehr Kilometer zurücklegen.

Ein Wolf war in der Region unterwegs - und hat ein Lamm gerissen
9 Bilder
Diese Tiere sterben in Bayern aus - und diese kehren zurück
Bild: Uwe Anspach, dpa/Bernd Thissen

Damit ein Wolf sich in einem Gebiet niederlässt, benötige er aber ausreichend Nahrung und Rückzugsräume. Stellt sich also die Frage: Was tun mit den Wölfen? Der Wolf ist von Natur aus vorsichtig und weicht dem Menschen aus. Doch Landwirte sind in Sorge. Wann ist ein Wolf eine Gefahr und darf abgeschossen werden?

Bundeskabinett erleichtert den Abschuss von Wölfen

Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch den Gesetzesentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze. „Ernste Schäden“ für Nutztierhalter reichen künftig für eine Abschussgenehmigung. Bisher musste der Nutztierhalter in seiner Existenz bedroht sein. Wenn es in einer Region zu wiederholten Rissen kommt, dann muss kein Einzeltier als Verursacher ausgemacht werden. Dann geht es allen Wölfen einer Region an den Kragen, bis es keine Schäden mehr gibt. Als streng geschützte Tierart gelte der Wolf nach wie vor und die Genehmigung zum Abschuss sei an zeitliche und räumliche Grenzen geknüpft, so der Inhalt des Gesetzesentwurfs.

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.05.2019

Bei vermutlich einem einzelnen Wolf sollte man jetzt nicht gleich in Panik fallen. Einem Keiler oder Bachen mit Frischlingen zu begegnen ist gefährlicher.

Ein dauerhaftes Leben von ganzen Rudeln ist bei uns nicht möglich. Dafür ist Mittelschwaben zu dicht besiedelt. Ein dauerhaftes Niederlassen von Wolfsrudeln in Deutschland ist in einigen Gebieten möglich, wo die Bevölkerungsdichte deutlich geringer ist bzw. wird.
Hier, wo die Bevölkerung sogar noch wächst, wird es unausweichlich zu Konflikten kommen.

Inwieweit sich noch mehr Wölfe hier niederlassen ist erst mal abzuwarten. Wenn denen es zu stressig ist, werden der / die weiterziehen um ruhigere Gebiete zu finden.

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23.05.2019

Die Statitistiken zeigen, dass in Deutschland das Wildschwein das weitaus gefährlichere Tier für den Menschen ist.
Trotzdem habe leider viele Leute mehr Angst vor dem Wolf.
Und auch der Schaden durch Wildschweine ist ungleich größer. Trotzdem ist deswegen wohl noch keine Existenz zu grunde gegangen.

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23.05.2019

Der Wolf ist ein Raubtier und hat im dicht besiedelten Mitteleuropa in der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen .

Unsere Umweltromantiker, die vernünftigen Naturschutz mit kindischer Schwärmerei verwechseln , können sich doch gerne auch dort ansiedeln , wo für den Wolf auch heute noch Platz ist : in den unendlichen Weiten der russisch-assiatischen Tundra oder im dünn besiedelten Alaska !
Wer oder was hält sie davon ab , dort in der Nähe ihres romantisch verklärten Wolfs zu leben ?

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23.05.2019

... wie schon angerissen wurde: der Wolf kommt menschlichen Siedlungs- und Zuchtgebieten nur nahe, wenn er in freier Wildbahn nicht genügend Futter findet, oder der Lebensraum eingeengt wird. Dazu kommt, dass er, was man ihm kaum zutraut, eher scheu ist ... zu denjenigen Kommentatoren, die die "Knute", äh Rute einziehen: der Wolf war zuerst da - nicht er missachtet unseren, sondern wir seinen Lebensraum - ergo: es ist wie immer, dass ein Konsens und ein Nebeneinander gefunden werden muss; das bedeutet aber nicht "Abschuss" oder "Viehbauern-Sponsoring", sondern "Bestandsregulierung bei zeitgleicher Lebensraumanerkennung" und "selbstfinanzierte Umrüstung beim Viehschutz" - dazu kommt eine entsprechende Rot- und Niederwildpflege (Wolfsfutter !); diese basiert auf entsprechender Forst- und Flurpflege (Wolfslebensraum !)... alles andere ist/sind Ignoranz, Egoismen und arrogante Eitelkeiten des Homo Sapiens ...

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23.05.2019

Korrektur: (Wolfs- und Futtertierlebensraum)

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23.05.2019

Was heißt "der Wolf war zuerst da"? Vor 2000 Jahren, meinen Sie?
Bei 820.000 Menschen in ganz Deutschland mag das noch gegangen sein, aber jetzt ist die Kulturlandschaft von 82 Mio Menschen besiedelt. Da ist nur wenig Platz für Naturromatik.
Wenn der Bestand nicht tatsächlich durch Entnahmen reguliert wird, wird der Wolf seine Scheu vor dem Menschen verlieren. Es gibt aus den letzten Jahren bereits genug Beispiele aus Nord- und Ostdeutschland, wo keine Rede davon war, dass der Wolf sich Menschen nicht nähert. Bei einem Einzeltier, das durchzieht, mag das noch gehen. Im Rudel werden aber nicht nur halbstarke Menschen mutig, sondern auch große Beutegreifer.

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23.05.2019

... laut Ihrer Theorie hat der Mensch also, wegen nicht stattfindender Entnahmeregulierung und damit einhergehender unkontrollierter Vermehrung um das Hundertfache, seine Scheu vor Wildtieren verloren - ja; man munkelt, es gäbe schon Übergriffe von Menschen auf Wildtiere [Spaß beiseite] ...... das hat doch nix mit Naturromantik zu tun - das hat etwas mit Verantwortung und Respekt des (leider nur scheinbar) verstandsüberlegeneren Wesen zu tun!

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23.05.2019

"Wesens" muss es heißen ;o)

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23.05.2019

Nur wenn man Willens ist, dem Wolf enge Grenzen zu setzen, ist seine dauerhafte Existenz in Deutschland aus meiner Sicht möglich. Der Wolf ist kein niedlicher Schoßhund, sondern ein Raubtier. Wie soll das konfliktfrei abgehen, wo doch heute auch das letzte Stück Unterholz von Pilzsuchern, der engste Waldweg von Reitern und der hinterste Abhang von Mountainbikern genutzt wird? Respekt vor der Kreatur heißt ja nicht, dass die natürlichen Triebe des Tieres hingenommen werden müssen.

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23.05.2019

Vermutlich kennt der Herr Knut E. den Wolf nur aus dem Märchenbuch. Echt putzig.

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23.05.2019

Die Einschläge kommen näher.
Ich möchte jedenfalls keinem Wolf begegnen, wenn ich am Sonntag mit den Kindern unterwegs beim radeln bin.

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23.05.2019

Wieso was passiert dann? Zu viel Game of Thrones geschaut?

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23.05.2019

Wider mal ein Beweis wie hilflos der Mensch ist wenn sich die Natur ein Stück zurückholt. Es wird abgeschossen, vergiftet, zugemauert. Wie erbärmlich doch dieser Mensch, ist er doch der größte Feind und Ausrotter von Flora und Fauna.

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23.05.2019

Der Mensch gehört nicht zur Natur ?
Übrigend war es der Mensch selbst, der den Wolf"zurückgeholt" hat.
Ein paar Naturbären fehlen noch.

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23.05.2019

Da kann man jetzt darauf warten, dass die Agrarlobby - äh Politik - die Gesetze wieder zu Gunsten der Landwirtschaft verbiegt. Wir Menschen dürfen jedes Tier töten ohne mit Konsequenzen zu rechnen, aber wehe der "böse" Wolf macht dies...
Falls es soweit kommt, machen wir einfach eine Petition: "rettet die Wölfe"

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22.05.2019

So läuft das nun einmal in der Natur.

Seltsamerweise finden es die meisten süß, wenn eine Katze eine Maus fängt. Wenn ein Vogel einen Regenwurm picket oder eine Spinne ein Insekt verspeist, dann ist das ebenfalls normal.

Aber beim Wolf ist das Geschrei groß! Klar, hier gehts um das Geld der Landwirte - und bei Geld hört bekanntlich der Spaß auf...

Wie im Artikel angerissen, ist der Wolf jedoch wichtig für den Bestand anderer Tiere. Weil schwache, kranke Tiere für den Wolf natürlich leichte Beute sind, sorgt er damit für einen natürlichen Selektionsprozess im Fortbestand der Tiere. Auch kommt der Wolf dem Menschen in aller Regel nicht Nahe und hält großen Abstand zu besiedeltem Gebiet.
Die Landwirte müssen ihre Tiere halt besser schützen und in stabilere Weidezäune investieren.

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23.05.2019

"und bei Geld hört bekanntlich der Spaß auf..."
Bei Ihnen nicht ?

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23.05.2019

... ganz Ihrer Meinung !

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23.05.2019

Welche "schwachen, kranken Tiere"?
Auf der Weide kümmert sich der Schäfer/Nutztierhalter um den Zustand der Herde, im Wald der Jäger um die Wildtierhege.
Niemand braucht in einer eng besiedelten Kultulandschaft einen Wolf.
Auch das Märchen, dass der Wolf dem Menschen nicht nahe komme, ist genau dasselbige: Ein Märchen

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