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Gersthofen

16.07.2018

Ein großes Haus gegen die Einsamkeit

Gemeinsam geht es einfacher. Gersthofen plant deshalb ein Mehrgenerationenprojekt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Stadt plant ein Mehrgenerationenprojekt. Es soll jetzt am Ballonstartplatz entstehen

Die Zeiten, in denen in einer Familie mehrere Generationen – von den Großeltern bis hin zu den Enkeln oder Urenkeln – zusammenlebten und sich gegenseitig unterstützten, sind vorbei.

Um der Vereinsamung vorzubeugen, möchte die Stadt Gersthofen jetzt ein Haus errichten, in dem Menschen mehrerer Altersgruppen zusammenleben und sich gegenseitig unterstützen.

Als Standort für ein solches Mehrgenerationenhaus ist derzeit ein städtisches Grundstück im Baugebiet Am Ballonstartplatz im Gespräch. Achim Friedrich, der Leiter des Mehrgenerationenhauses in Königsbrunn, stellte ein Konzept für eine solche Einrichtung im Sozial- und Ordnungsausschuss vor.

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Er ging auf die wachsende Alterung in der Gesellschaft ein: „Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der über 65-Jährigen von heute 20 Prozent auf 24 Prozent steigen“, zitierte er Prognosen. Gleichzeitig werde aber auch die Zahl der Menschen unter 16 Jahren steigen – die Migration eingerechnet. Von 2003 bis 2015 hat sich die Zahl der Menschen, die im Alter Grundsicherung benötigen, verdoppelt“, sagte Friedrich.

Bis 2035 würden dann voraussichtlich auch 44 Prozent aller Haushalte Einpersonenhaushalte sein – mit der Gefahr der Vereinsamung der alleinlebenden Menschen.

Ein Mehrgenerationenhaus könne hier helfen, gegenzusteuern: „Es kann bürgerliche Selbsthilfe aktivieren, preisgünstigen Wohnraum anbieten und generationenübergreifende Begegnungspunkte schaffen.“ Ziel sei in solchen Wohnhäusern ein Mit- und Füreinander statt des oft in konventionellen Wohnanlagen üblichen Nebeneinanders.

Für Gersthofen sah er folgende Rahmenbedingungen vor: Die Wohnanlage am Ballonstartplatz soll sowohl für junge, alleinstehende Menschen und Familien als auch für Senioren geeignet sein. „Eine gute Altersmischung gewährleistet nicht nur den generationsübergreifenden Kontakt, sondern schafft ein gutes Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen im nachbarschaftlichen Engagement.“

Dabei müsse im Sinne eines ausgewogenen Verhältnisses der Altersgruppen schon bei der Planung der Wohneinheiten darauf geachtet werden, dass die Bereiche der Alten und Hochbetagten nicht zu groß sind.

Menschen mit und ohne geistige oder körperliche Beeinträchtigung sollen im Mehrgenerationenhaus wohnen können. „Das inklusive Miteinander sollte nicht als Belastung, sondern als Bereicherung erlebt werden“, betonte Achim Friedrich.

Damit auch Menschen mit geringem Einkommen davon profitierten, sollte dem Experten zufolge das Gersthofer Mehrgenerationenhaus am Ballonstartplatz als Mietobjekt geplant werden. Der Anteil sozial geförderter Wohnungen sollte bis zu einem Drittel der gesamten Wohnungszahl betragen. „Hier ist die Mieterauswahl auch unter gemeinschaftlich sozialen Bedingungen möglich.“ Interessenten müssten sich um eine Wohnung bewerben und in einem Gespräch deutlich zu erkennen geben, dass sie auch bereit seien, die anderen Mieter bei Bedarf zu unterstützen.

Zumindest in den Anfangsjahren sei in einer solchen Wohnanlage eine professionelle Begleitung an zehn bis zwölf Wochenstunden nötig, am besten mit einer Kraft mit sozialpädagogischer Ausbildung. Laut Susanne Hafner von der Stadtverwaltung könnte das Projekt in Gersthofen zwischen 23 und 29 Wohnungen umfassen. „Dann ist zu erwarten, dass sich die Nachbarn auch untereinander noch kennen.“

Mindestens ein Teil der Wohnungen müsste im Sinne der Inklusion auch behinderten-/rollstuhlgerecht und barrierefrei sein.

Weiter muss es auch Begegnungsmöglichkeiten geben, beispielsweise in einem multifunktionellen Gemeinschaftsraum, einem offenen Treff oder Café, einem Mehrgenerationenhof mit Spielplatz oder Veranstaltungsräumen. Belebt wird das Gebäude durch Veranstaltungen, Kurse. „So könnte es je nach Bedarf auch einen Wickelkurs geben“, nannte Friedrich ein Beispiel.

Auch wenn das Mehrgenerationenhaus Am Ballonstartplatz – außerhalb des Stadtzentrums – installiert werden soll, ist dies für Achim Friedrich ein geeigneter Standort: „Veranstaltungen in der Wohnanlage werden auch von Menschen besucht, die von außerhalb kommen. Dieses Modell des gemeinsamen Lebens wird das gesamte Quartier aufwerten“, war er überzeugt.

Einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder für dieses Konzept aus. Eine Mehrheit zeichnete sich auch dafür ab, dass die Stadt die Planung und Trägerschaft des Mehrfamilienhauses übernehmen soll. Eventuell könnten auch die Familienstation und der Seniorenbeirat mit Büroräumen dort untergebracht werden.

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