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03.02.2020

Ein meisterlicher Veranstaltungstechniker

Ralf Suiter hat im Jahr 2013 sein Unternehmen gegründet. Seit der Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik agiert er national und international als Ansprechpartner für Veranstaltungssicherheit.
Bild: Steffi Brand

Unternehmensporträt Ralf Suiter ist in Erlingen als „Enkel des Kaminkehrers“ bestens bekannt. Beruflich ist er aber in einer ganz andern Sparte tätig, obwohl ihm viele Leute in seinem Umfeld „den Vogel gezeigt haben“

Meitingen-Erlingen Wenn Ralf Suiter von seinem Lebenslauf berichtet, dann ist eines immer Thema: die Schule. Nicht etwa, weil der 26-Jährige dort so gerne gewesen wäre, sondern vielmehr, weil Schule ihm „immer ein Gräuel“ war. Als „hochschlechten Schüler“ beschreibt er sich selbst und schmunzelt. Denn: Trotz schlechter Noten hat er es geschafft, eine unternehmerische Nische zu finden.

Als Tontechniker und Veranstaltungstechniker mit Meisterbrief hat er einen Beruf entdeckt, der ihn begeistert – auch wenn das bedeutet, dass er vornehmlich nachts und an den Wochenenden arbeitet.

Was ihn bereits zu Schulzeiten viel mehr interessierte, als für die Mittlere Reife zu lernen, war eines: die Musik. Mit sechs Jahren begann der Erlinger, der im Ort als „Enkel des Kaminkehrers“ bekannt ist, mit dem Schlagzeugunterricht. „Ein Jahr lange trommelte ich auf Telefonbüchern, bevor ich ein Schlagzeug bekam“, erinnert er sich. Noch heute steht das Instrument höchst-prominent in seinem Wohn- und Arbeitsbereich: im Dachgeschoss in der Feldstraße. Dort lebt Suiter mit seiner Freundin zusammen, aber irgendwie doch am Rest der Gesellschaft vorbei, erklärt er.

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Dass aus der Liebe zur Musik sein Job werden sollte, stand für Suiter schon immer fest. Doch welche Optionen er haben würde, das war lange Zeit nicht klar. Mit 15 Jahren begann der Erlinger ein Praktikum in Augsburg und berichtet begeistert davon, beim Kabelwickeln und Kabelputzen Bands und Musikern nahegekommen zu sein. Nach zwei weiteren Praktika unterschrieb er seinen Ausbildungsvertrag.

Nach der Lehre durfte er sich hochoffiziell als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bezeichnen und wusste zugleich auch: Das kann kein Job fürs Leben werden. Überstunden, Arbeiten an den Wochenenden und nachts sowie schwere körperliche Belastung wollte Suiter nicht für den Rest seines Lebens machen – zumal eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik vor allem im Angestelltenverhältnis keinen guten Verdienst hat, wie Suiter erklärt.

Die fixe Idee, via Studium Toningenieur zu werden, legte der heute 26-Jährige ganz schnell wieder ad acta: Zunächst hätte er an der Berufsoberschule sein Abitur nachholen müssen, um anschließend studieren zu können. Mit Blick auf seine Liebe zur Schule wurde dem damals 19-Jährigen schnell klar, dass dieser Berufswunsch wohl Utopie bleiben würde. Über eine Studioaufnahme, die er gemeinsam mit seiner Band Expulsiv bestritt, kam Suiter in Kontakt mit einem Tonstudio und zu seinem nächsten Job.

Zwei Jahre rannte er der Idee hinterher, das Tonstudio übernehmen zu können, in dem er nicht nur seine Fähigkeiten als Tontechniker vertiefen konnte, sondern auch Kontakte in der Branche geknüpft hat. Nach zwei Jahren als Aufnahmeleiter war der Traum von der Selbstständigkeit als Tonstudio-Eigentümer beendet, und Suiter machte Ende 2016 Nägel mit Köpfen.

Das Gewerbe, das er nach seiner Ausbildung angemeldet hatte und seither nebenberuflich betrieben hat, sollte nun sein Hauptjob werden – und das, „obgleich viele Leute in meinem Umfeld mir den Vogel gezeigt haben“, erinnert sich Suiter. Unterwegs als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bemerkte der Erlinger schnell, woran es in der Branche mangelt: an Meistern für Veranstaltungstechnik.

Sie sind mittlerweile in vielen Bereichen Pflicht, um beispielsweise Veranstaltungen mit über 5000 Gästen oder auf einer Großbühne mit über 200 Quadratmetern durchführen zu dürfen. Doch die festangestellten Meister für Veranstaltungstechnik sind oft ausgebucht, und selbstständige Meister könne man an einer Hand abzählen, berichtet Suiter von der Branche. Um den Meisterbrief zu erhalten, musste der „hochschlechte“ Schüler also doch wieder zurück auf die Schulbank. Mit 70 Fehltagen (schließlich war Suiter weiterhin selbstständig tätig), Bestnoten in der Praxis und einem bestandenen Theorieteil schaffte er es dann zum Meistertitel.

Heute sieht’s in seinem Ein-mannbetrieb so aus: Bei 70 Prozent der Aufträge agiert Suiter als Meister für Veranstaltungstechnik, bei 30 Prozent der Aufträge sind seine Fähigkeiten als Tontechniker gefragt. Unterwegs ist er hauptsächlich in Bayern und überwacht beispielsweise den sicheren Ablauf von Veranstaltungen im Münchner Zenith, bezogen auf die Veranstaltungstechnik. Sicherheits- und vor allem auch versicherungstechnisch hat Suiter dann den Hut auf und stellt ein Bindeglied zwischen dem Veranstalter, dem Sicherheitsdienst, den Veranstaltungstechnikern und anderen Akteuren der Veranstaltung dar. Bindend ist für Suiter dann die Versammlungsstättenverordnung, deren Paragrafen der einstige Schlagzeuger in- und auswendig kennen muss, um seinen Job richtig zu machen.

Von der Kreativität des Tontechnikers ist dem 26-Jährigen nur wenig geblieben, heute muss er sich im schlechtesten Fall mit Evakuierungen und Räumungsfällen auseinandersetzen, allerdings sieht er gerade im Bereich Sicherheit auch großes unternehmerisches Potenzial. In zehn Jahren will er Chef einer kleinen Agentur sein, die sich auf Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen spezialisiert hat.

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