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Landkreis Augsburg

29.11.2019

Ein schwarzer Freitag für Einzelhändler im Augsburger Land

Der Spielwarenhändler „Spiel+Freizeit“ wirbt während des „Black Friday“ mit Rabatten. Daran spalten sich die Gemüter: Andere Läden ärgern sich über den Rabatt so kurz vor Weihnachten und klagen über ausbleibende Kunden.
Bild: Marcus Merk

Plus  „Black Friday“ ist ein Phänomen aus den USA. Die Kunden freuen sich über Schnäppchen, doch so manche Geschäfte sind über die Rabattschlachten nicht erfreut.

Große Plakate mit rotem Schriftzug im Gersthofer Hery-Park: „Black Friday“. Ein Anglizismus, hinter dem sich hohe Rabatte verstecken. Ein 72-jähriger Mann aus Todtenweis, der gerade seine Einkäufe in Richtung Auto trägt, kann damit wenig anfangen. Eine 57-jährige Kundin aus Gersthofen kennt diesen Begriff nur von ihrem Sohn. Ein Paar aus Gessertshausen, 18 und 20 Jahre alt, weiß hingegen genau, worum es sich handelt.

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„Black Friday“ stammt ursprünglich aus den USA. Dort haben die Bürger den Tag nach dem Feiertag Thanksgiving häufig als Familientag zum Shopping genutzt. In Deutschland sind „Black Friday“ und „Cyber Monday“ – das Äquivalent am Montag – eine noch junge Erscheinung. Doch der Schnäppchentag nutzt nicht allen – der Einzelhandel beklagt Einbußen im Weihnachtsgeschäft.

Bei den Niedrigpreisen gibt es keine Gewinnspanne.

Einem, dem diese Entwicklung sauer aufstößt, ist Thomas Kalchschmid, Geschäftsführer von Media@home in Stadtbergen. Verbittert sagt er: „Black Friday ist eine Wertvernichtungsmaschine.“ Als Technikeinrichter spüre er die Verluste durch Onlinekäufe an diesem Tag. „Die Kunden kommen nur noch zu uns in den Laden, wenn sie das Produkt im Internet nicht finden.“ Widerwillig nimmt Kalchschmid daher am „Black Friday“ teil. „Ich mache zwar mehr Umsatz, aber das Weihnachtsgeschäft geht durch die Rabattaktion kaputt.“ Zudem habe er bei diesen Niedrigpreisen keine Gewinnspanne.

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Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern teilt diese Einstellung: „Die Rabatte sind ein Eigentor für die Geschäfte“, sagt er. Er sieht die Schnäppchenjagd, die traditionell Ende November stattfindet, mit gemischten Gefühlen. „Warum machen die Läden jetzt schon mit?“ Denn das, was die Kunden schon am „Black Friday“ bekommen, kaufen sie nicht mehr während des Weihnachtsgeschäfts. Auch er sieht, ähnlich wie Kalchschmid, den Online-Handel als klaren Gewinner des „Black Fridays“. Der stationäre Einzelhandel habe das Nachsehen. Seit der Schnäppchentag sich auch in Deutschland durchgesetzt hat, sind die Umsätze an diesen Tagen stark angestiegen. Mit rund 400 Millionen Euro rechnet Ohlmann heuer. Das wären 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Einnahmen, von denen nicht alle was haben. „Der klassische Einzelhandel kann davon nur träumen“, sagt Ohlmann.

Viele Läden werben damit

„Black Friday“ ist ein städtisches Phänomen. Viele Läden werben damit. So zum Beispiel auch das Gersthofer Spiel+Freizeit. Geschäftsführer Karl-Hans Pfleger ist von den Rabattaktionen überzeugt. „Wir läuten dadurch das Weihnachtsgeschäft ein.“ Schon zum dritten Mal beteiligt sich der Spielwarenladen an den Spartagen. Einbußen und „spürbar verhagelte Margen“ hat Pfleger dadurch bislang nicht bemerkt. Auch den Online-Handel sieht der Geschäftsführer nicht als Gefahr. Vielmehr will er so den Kunden zu ihn in den Laden ziehen. Denn: Einkaufserlebnis und Beratung könne das Internet eben nicht bieten.

Je kleiner aber die Orte werden, desto seltener sieht man die Freitagsrabatte. In Neusäß sucht man zum Beispiel lange nach diesen Plakaten. Für Thilo Wank von der Aktionsgemeinschaft Neusäß wenig überraschend. Er ist kein Freund des Schnäppchentags. „Kunden werden durch die Sparangebote großer Unternehmen aus dem Landkreis in die Stadt gezogen“. Das mache sich dann in den Läden und auch auf den Weihnachtsmärkten im Landkreis bemerkbar. „Eine Winterjacke kaufen die Kunden eben nur einmal.“ Im Weihnachtsgeschäft fielen diese Einkäufe den Geschäften weg. Vielmehr zählt für Kunden während des „Black Friday“ die Jagd nach Schnäppchen. Das Umfeld der Unternehmen spielt für ihn eine große Rolle. „Die Menschen kaufen, während sie auf dem Weihnachtsmarkt sind, schnell noch eine Hose im Laden nebenan.“ Das gebe es im Landkreis Augsburg eben nicht. Er meint: „Das ist hier bei uns Energie- und Personalverschwendung.“

Preisnachlässe im Weihnachtsgeschäft seien wichtig

Noch weiter auf dem Land hat der Spielwarenhändler Hutner in Gessertshausen einfach seine eigene Sparwoche ins Leben gerufen. Von dem Konzept, massenhaft Ware zum billigen Preis anzubieten, distanziert sich Besitzer Gerd Hutner. Ganz möchte er sich dem Geschäft aber doch nicht entziehen. „Wir bieten eine Woche lang Rabatte und Gutscheine an.“ Für Kunden seien Preisnachlässe im Weihnachtsgeschäft schließlich wichtig.

Auch ohne „Black Friday“ hat Hutner gut zu tun, der nächste Kunde wartet bereits, für ein Gespräch am Telefon hat er eigentlich gar keine Zeit.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Phillip Kinne: Der Einzelhandel muss besser sein als die Konkurrenz im Netz

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