1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Einblick ins Seniorenheim: So leben die Bewohner 

Dinkelscherben

10.01.2019

Einblick ins Seniorenheim: So leben die Bewohner 

Copy%20of%20MMA_08419(1).tif
6 Bilder
Modern sieht anders aus. Die Zimmer im Seniorenheim sind in die Jahre gekommen und oft nicht barrierefrei. Das entspricht nicht den Auflagen der Heimaufsicht. Nun wird darüber diskutiert, ob eine Sanierung Sinn ergibt. 
Bild: Marcus Merk

Plus Enge Gänge, kleine Zimmer, nicht barrierefrei – es muss viel getan werden in der Seniorenheim in Dinkelscherben, da sind sich alle einig. Ist das überhaupt noch möglich?

Es gibt Abendessen im Spital. Ein paar Senioren im Rollstuhl müssen auf dem Gang essen. Der Aufenthaltsraum ihrer Gruppe ist nicht groß genug. Knallgrüner Boden, weiße Wände, grelles Licht. Es ist ungemütlich auf den langen Gängen des Spitals – sterile Krankenhausatmosphäre in der für die Bewohner meist letzten Station ihres Lebens. Es muss viel getan werden im Seniorenheim in Dinkelscherben. Das wird beim Rundgang durch das alte Gebäude, der aus Respekt vor den Bewohnern nicht in bewohnte Zimmer führt, klar. Aber geht das überhaupt?

Ein modernes Seniorenheim könne das Spital nicht mehr werden, meint Ulrich Hörwick, Vorsitzender der Stiftung, der das Heim gehört. Ganz egal, wie viel Geld man in die Hand nehme, „es bleibt ein altes, denkmalgeschütztes Haus“, sagt Hörwick. Vieles dürfe man wegen des Denkmalschutzes nicht verändern. Die kleinen Fenster zum Beispiel oder die Breite der Gänge. „Langfristig macht eine Sanierung keinen Sinn.“ Was die kosten würde? Darauf gibt Hörwick keine klare Antwort. Von mindestens acht Millionen Euro ist in Unterlagen des Verwaltungsausschusses, der das Heim-Aus beschlossen hat, die Rede.

Was kostet die notwendige Sanierung des Heims?

Geld ist das bestimmende Thema in der Diskussion um das Seniorenheim. Davon habe die Stiftung mit ihren vielen Grundstücken und Wäldern doch genug, sagen die Leute auf den Straßen, die seit Wochen zu Hunderten für ihr Heim demonstrieren. „Wir haben keine Reichtümer, wo man glänzende Augen bekommt“, sagt der Stiftungschef. Konkret wird er nicht. Eine Sanierung sei nicht wirtschaftlich.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Grüner Boden, grelles Licht, weiße Wände – ein Gang des Spitals.
Bild: Marcus Merk

Immer wieder betont Hörwick aber auch, dass es bei der Entscheidung zum Heim-Aus in erster Linie um die derzeit 70 Bewohner und 72 Mitarbeiter ging. Für sie habe man eine „gute Entscheidung“ getroffen.

Denn das Leben für die Bewohner im Seniorenheim ist nicht optimal, erklärt Brigitta Hofmann. Sie ist Leiterin der CAB Caritas Augsburg, welche die Arbeit vor Ort im Heim übernimmt. Viele Zimmer sind nicht barrierefrei. Einige Duschen sind erhöht, Fenstergriffe zu weit oben, vor den Balkonen gibt es eine Stufe – Rollstuhlfahrer stehen im Spital vor unüberwindlichen Problemen. Bei einigen Gruppen sind die Bäder keine fünf Quadratmeter groß. Vier Menschen müssen sie sich jeweils teilen. Die Zimmertüren sind teils so eng, dass man kein Krankenbett hinausschieben kann. Doch nicht jedes Zimmer sieht so aus.

Nicht barrierefrei – die Balkone dürfen eigentlich nicht genutzt werden.
Bild: Marcus Merk

Nicht alle Zimmer im Seniorenheim Dinkelscherben sind zu klein

Das Heim hat auch viele positive Seiten. Es gibt einige größere, barrierefreie Zimmer. Auch die Bäder sind nicht alle zu klein. Angehörige von Heimbewohnern berichten, dass sich die Senioren hier wohlfühlen. Experten erklären, dass ein Umzug sehr belastend für die Bewohner sein kann.

Hofmann kennt Dutzende Seniorenheime im Landkreis. Sie sagt, die Bedingungen, das Spital weiterzuführen, seien nicht gegeben. Die Auflagen der Heimaufsicht könne man hier nicht einhalten. Die Entscheidung fürs Heim-Aus: „alternativlos“.

Die Türen sind teils so eng, dass keine Krankenbetten herausgefahren werden können. 
Bild: Marcus Merk

Seniorenheim in Zusmarshausen ist deutlich moderner

Ortswechsel: Eine Gruppe von Senioren spielt Karten im großen Eingangsbereich des Seniorenheims St. Albert in Zusmarshausen. Auch das vor 15 Jahren neu gebaute Haus gehört der Hospitalstiftung. Große Räume, breite Türen, natürliches Licht, barrierefrei. Die Doppelzimmer hier sind 28 Quadratmeter groß, das ist mehr als vorgeschrieben. Der Unterschied zum Dinkelscherber Spital ist nicht von der Hand zu weisen. Hofmann verspricht: „Alle Senioren aus Dinkelscherben könnten hier vorübergehend untergebracht werden.“ Doch auch in St. Albert ist nicht alles perfekt. Die Einrichtung wirkt ein wenig altbacken. „Heute würde man das moderner gestalten“, sagt Hofmann. Die großen Glasfronten fluten das Heim zwar mit Tageslicht, im Sommer soll es aber schnell zu heiß werden, erklärt eine Mitarbeiterin. Sie sagt auch, dass die meisten sich für das Zusmarshauser Heim entscheiden, wenn die Alternative das Spital in Dinkelscherben ist. Auch wenn das rund hundert Euro mehr im Monat kostet.

Anders sieht es im Heim in Zusmarshausen aus: ein helles, einladendes Zimmer.
Bild: Marcus Merk

Bürgermeister will Heim in Dinkelscherben retten

Dass das Heim in Zusmarshausen moderner ist, lasse sich nicht bestreiten, meint Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb. Jedem sei klar, dass man im Spital renovieren müsse. Anders als Hofmann oder Hörwick sagt Kalb aber: „Eine Sanierung des Heims ist durchaus möglich.“ Man könne zum Beispiel Wände aus den Zimmern reißen, um sie zu vergrößern. Außerdem stehen große Teile des Spitals leer – ungenutzter Raum. Letztlich sei das alles eine Frage des Geldes. Man habe bisher zum Beispiel zu wenig über potenzielle Fördermittel von Bund und Freistaat gesprochen. Vor allem aber bemängelt Kalb, dass in den vergangenen Jahren „null gemacht“ wurde. Keine größere Umbaumaßnahme trotz Investitionszulage, die jeder Bewohner Monat für Monat zahlt. Der Bürgermeister wünscht sich eine klare Auflistung aller Mängel und Kosten. Immer wieder sprach Kalb in der Diskussion davon, dass alle „Zahlen, Daten und Fakten“ auf den Tisch müssen. Bislang sei das bei den Runden Tischen zum Streit um das Heim nicht geschehen. Im Februar steht ein nächstes Gespräch an. Dann sollte auch klar sein, ob die einstweilige Verfügung, die Kalb gegen den Beschluss zum Heim-Aus vor dem Landgericht Augsburg gestellt hat, greifen wird.

Auf Basis dieser Entscheidung werde weiterdiskutiert. Inzwischen wird auch laut über einen Neubau oder einen neuen Träger für das Heim nachgedacht.

Das sind die bisherigen Geschehnisse im Überblick:

  • Schließung Die Hospitalstiftung hat des Ende der Einrichtung zum Juni 2019 am 29. November öffentlich bekannt gegeben.
  • Gründe Als Hauptgrund gelten dringend notwendige Sanierungen, für die das Geld fehlt. Außerdem ist das Personal knapp. Die Hospitalstiftung will sich künftig auf ihr zweites Heim in Zusmarshausen konzentrieren.
  • Beschluss Das Ende des Seniorenheims wurde Anfang November von dem zuständigen Ausschuss der Hospitalstiftung beschlossen. In dem Ausschuss sitzen sieben Vertreter von Bistum, Landratsamt, Kirche und den Gemeinde Zusmarshausen und Dinkelscherben.
  • Reaktionen Die Marktgemeinde reagierte überrascht. Bürgermeister Kalb wurde erst nach dem Beschluss zum Heim-Aus informiert. Die Stiftung betont, dass auch ein Vertreter der Gemeinde den Entschluss mitträgt und dass alle Akten einsehbar waren. Demonstrationen Bürger gründeten ein Aktionsbündis gegen die Schließung. Immer wieder wird demonstriert.
  • Rechtliche Schritte Die Gemeinde will das Heim-Aus mit einer einstweiligen Verfügung stoppen.
  • Runder Tisch Landrat Martin Sailer hat alle Beteilligten zu einem Runden Tisch geladen um über mögliche Lösungen zum Heim zu sprechen. Bislang brachten diese Treffen kein Ergebnis.
  • Themen Folgen

    Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

    Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

    Lesen Sie dazu auch
    MMA_083987.jpg
    Dinkelscherben

    Kann ein Richter das Seniorenheim retten?

    ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

    Webseite und App freischalten!

    Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
    Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
    Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

    Zum Web & Mobil Starterpaket