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Biberbach

11.09.2019

Eine 150 Meter lange Hecke als Gemeinschaftswerk

Wie gut die Feldhecke eingewachsen ist, zeigte Manfred Meyer-Burgmayer (links) den Vertretern der Biberbacher Gartenfreunde, der Imker und des Bund Naturschutz bei einem Spaziergang.
Bild: Sonja Diller

Lange hat sich Manfred Meyer-Burgmayer aus Markt über eine Reihe gestutzter Birken geärgert. Dann hatte er eine Idee und änderte er etwas.

Früher gehörten sie ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild. Die Feldhecken, in denen Tiere und Pflanzen Schutz und Nahrung fanden, ein Gleichgewicht zwischen Landbau und wilder Natur entstand. Dann fielen sie der immer großflächigeren Bewirtschaftung der Flächen und der Flurbereinigung zum Opfer. Im Biberbacher Ortsteil Markt gibt es jetzt wieder ein Paradebeispiel einer solchen Feldhecke. Rund 150 Meter lang und fünf bis sechs Meter tief ist sie. Dort entwickeln sich sorgfältig ausgesuchte, einheimische Pflanzen an einem Hang zwischen einem Feldweg und einer Wiese prächtig.

Die Idee für das Pflanzen- und Tierparadies hatte Manfred Meyer-Burgmayer schon lange. Vor 31 Jahren zogen Familie und Praxis des Tierarztes nach Markt. Seitdem war dem passionierten Gärtner der nahe gelegene Hang mit einer langen Reihe „abgesäbelter Birken“ ein Dorn im Auge. Die Birken hatte der Vater des heutigen Eigentümers Josef Fries gepflanzt. Doch läuft direkt darüber eine Stromleitung, zu deren Schutz der Netzbetreiber die Birken immer wieder radikal stutzte. Das Resultat: unnatürlicher Wuchs und eine starke Schädigung durch das in die Stämme eindringende Wasser.

Meyer-Burgmayer sagt: „Eine höchstens drei bis vier Meter hoch wachsende Feldhecke ist die ideale Bepflanzung für so eine Fläche, die wegen der Hanglage auch landwirtschaftlich nicht genutzt werden kann.“ Er suchte den Kontakt zum Eigentümer und Gleichgesinnte zur Umsetzung seiner Idee. Die fand er bei den Gartenfreunden Biberbach, die 2014 ihr 111. Vereinsjubiläum feierten und sich unter dem Motto „Biberbach blüht“ noch mehr Grün für den Ort auf die Fahnen geschrieben hatten.

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Imker und Naturfreunde freuen sich über die Hecke

Feuer und Flamme waren auch die Biberbacher Imker, der Bund Naturschutz und eine Reihe von Naturfreunden. Landwirt Josef Fries konnte sich ebenfalls mit dem Gedanken anfreunden und unterstützte das Vorhaben mit dem Fällen der desolaten Birken. Er stellte auch Hackschnitzel zum Mulchen zur Verfügung. Danach mussten die Wurzelstöcke ausgefräst, der Boden abgerecht werden.

Die Mitarbeiter einer Baumschule setzten einheimische Heckengewächse wie Kornelkirschen, Schlehen, Hartriegel, Liguster oder Wildrosen nach einem von Meyer-Burgmayer ausgetüftelten Pflanzplan. Danach wurde gemulcht und ein Wildschutzzaun gezogen, der allzu hungriges Rehwild von den saftigen Trieben fernhält. „Anfangs ist der Aufwand immens“, ist der „Heckenpapa“ glücklich über die vielen Helfer. „Wir haben gerne mitgearbeitet, aber ohne das Engagement und die ganze Organisation, die Manfred geleistet hat, wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, ist Christina Mareth, Vorsitzende der Gartenfreunde, überzeugt.

6000 Euro für die Anlage der Hecke in Markt

Die rund 500 Euro für den Kauf der besonderen, autochthonen Pflanzen übernahmen die Imker. „Das sind Pflanzen, die so vermehrt sind, dass sie genetisch genau in die Region passen“, ist Meyer-Burgmayer das Zusammenspiel in der Natur wichtig. Rund 6000 Euro hatten die Gartenfreunde für die Anlage der Hecke zur Verfügung gestellt. Viele helfende Hände halbierten die Kosten am Ende. Ganz selbstverständlich wurde bei Hitze und Regen gegraben und gemäht, Helfer Stefan Lösch fuhr den ganzen heißen Sommer 2018 Wasser zu den durstigen Pflanzen.

Das Resultat vieler Stunden harter Arbeit feierten die Heckenbauer kürzlich und spazierten stolz an den vielen Metern prächtiger Feldhecke entlang, die sich heute nach altem Vorbild unter dem Spielplatz mit Burgblick entlang ziehen. Allerlei Insekten, Igel, Hase und Co. haben dort ein Zuhause gefunden. Mehrmals in der Woche sieht Manfred Meyer-Burgmayer nach dem Rechten. Es müssen immer mal ein junger Trieb angebunden und überschießende Brennnessel in die Schranken gewiesen werden. Aber bald regelt die Tier- und Pflanzengemeinschaft ihr Zusammenleben wieder selbst, und der Zaun kann weg. Dann sieht es wieder aus wie früher, als die Feldhecken noch überall ihren Beitrag zum natürlichen Gleichgewicht leisteten.

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