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Gemeinderat

16.05.2018

Eine Neue Mitte mit einem altem Saal?

Das Fünf-Millionen-Euro-Projekt in Bonstetten an der Hauptstraße wird kontrovers diskutiert

Das neue Zentrum der Gemeinde soll nun doch weniger kosten als geplant. Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Antonius Janotta geht von knapp fünf Millionen Euro aus für eine moderne Ortsmitte unterm Stauffersberg. Allerdings wurden der richtige Standort und das Thema Bürgersaal erneut kontrovers diskutiert. Janotta bezog jedoch eindeutig Stellung: „Wenn man so etwas neu plant, dann ist da in der Regel auch ein Bürgersaal dabei.“

Die Grünen und die Freien Wähler (FW) sehen den seit 2011 bestehenden Saal beim Kindergarten als ausreichend für fast alle Veranstaltungen an. „Wir haben da eine schöne Einrichtung“, sagten Petra Zinnert-Fassl (FW) und ihr Fraktionskollege Werner Halank. Nachdem man sich jüngst auf einen Westausbau der dortigen Kita geeinigt habe und somit der „alte“ Bürgersaal nicht für weiterer Umbauten benötigt werde, mache eine Neuplanung im Zentrum keinen Sinn. Es sei besser, das Geld stattdessen in andere künftige Vorhaben zu stecken, und nicht am Bedarf vorbeizuplanen. Diese Ansicht konnte Leo Kränzle von den Grünen voll teilen, der vor einer „Überhöhung des Projekts“ warnte.

Der geplante Raum an der Hauptstraße sei „überflüssig wie ein Kropf“. Denn: „Der geeignete Saal befindet sich 100 Meter von der Ortsmitte entfernt – wo ist das Problem?“, fragte er. Auch Gertrud Wagner sah das so. „Der bisherige Saal, zu Fuß nur wenig entfernt vom Zentrum, reicht als Begegnungsstätte aus und kann ebenso als zentral angesehen werden“, sagte sie. Rückenwind bekam Bürgermeister Gleich für das geplante Mehrzweckgebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 1000 Quadratmetern von den Christsozialen. So setzte sich Rita Lehmann mit Vehemenz für die moderne Variante des Saals ein. „Den alten können wir ja künftig für andere Zweck nutzen, etwa Seniorenaktivitäten.“

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Auch Zweiter Bürgermeister Bernd Adam, der sich über das „Klein-Klein“ der vorhergehenden Debatte, wie beispielsweise die Lage der Teeküche und Abstellflächen, wenig erfreut zeigte, riet eher zu einer strategischen Entscheidung: „Es geht hier um ein Zukunftprojekt für mehrere Generationen.“ Der „Alte“ an der Hasenbergstraße sei zu klein geworden, könne aber auch als „Reserve“ gehalten werden. Ins Detail gehen wollte dennoch Planer Janotta, bevor die neue Lösung mit einer Mehrheit beschlossen wurde.

So wird das wohl ab 2020 gebaute Rathaus inklusive Archivräume über 192 Quadratmeter verfügen und die Musiker über 208 Quadratmeter, in dem ein 130 Quadratmeter großer Probenraum enthalten ist. Den Löwenanteil von 400 Quadratmetern und drei Stellplätzen beansprucht die Feuerwehr. Eine von Daniel Schmid zusätzlich ins Spiel gebrachte Schlauchwaschanlage hielt Gleich als „nicht zwingend notwendig“. Dies könne extern vergeben werden, statt einen aufwendigen Turm zu bauen. Die Feuerwehr soll aber für Besprechungen und Schulungen den 60 Quadratmeter großen Ratssitzungssaal nutzen können.

Diese multifunktionale Ausgestaltung zieht sich wie ein roter Faden durch das Zentrum des Mehrzweckgebäudes. Denn mobile Trennwände sollen einerseits verhindern, dass man sich bei Veranstaltungen in die Quere kommt. Gleich: „Die moderne Dämmung funktioniert wunderbar, wie ich das jetzt in Dinkelscherben erleben durfte.“ Zudem erlaubt die hohe Variabilität eine flexible Nutzung zum Beispiel durch die Vereine oder Bildungsinstitutionen.

Zu den Skeptikern dieses ausgeklügelten Systems zählte neben Zinnert-Fassl auch Leo Kränzle. Er riet zu mehr Beweglichkeit bei der Finanzierung und einer „Planung mit Augenmaß“. Kränzle erinnerte zum Beispiel an das mögliche Holzwinkel-Bad. Damit die Räte politisch nicht baden gehen, kündigte Janotta beim möglicherweise noch heuer anstehenden Architektenwettbewerb (Kostenpunkt: 150000 Euro) die Begleitung durch Fachleute an. Begrüßt wurde seine Ankündigung, dass auf die geplante Tiefgarage für rund eine Million Euro verzichtet werde. „Damit ist das Parkproblem aber noch lange nicht gelöst“, gab Petra Zinnert-Fassl zu bedenken.

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