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Kreativ

14.05.2020

Eine Polka setzt viele Musikanten in Marsch

„Der Musikunterricht darf nicht zu lange ausfallen, denn wenn Kinder mal zwei Monate nicht üben, kann man wieder von vorne anfangen.“Die einzelnen Worte des Satzes „Wir Musikanten, vereint durch Spiel und Gesang, sind verbunden – trotz Corona – ein Leben lang!“ sollen die Musiker innerhalb von 48 Stunden auf Fotos darstellen.
Bild: Musikverein Biberbach

Mit einer besonderen Aktion zeigen die Kapellen im Augsburger Land, dass sie sich von den Folgen der Pandemie nicht unterkriegen lassen

Eigentlich haben sie jetzt Hochsaison. Die Musikerinnen und Musiker der vielen Kapellen und Orchester überall im Land sorgen in normalen Jahren bei Frühlingsfesten und in den Bierzelten der Jahrmärkte bis in den Herbst hinein für Stimmung.

Sammeln bei ihren zahlreichen Auftritten neben viel Applaus auch das nötige Geld ein, um finanziell über die Runden zu kommen. Instrumente und Noten, Vereinsheime und Dirigenten müssen bezahlt werden. Trachten und die Nachwuchsarbeit kosten viel Geld. In Zeiten von Corona fehlen die Einkünfte, die Kosten laufen aber weiter. Neben dem Geld fehlt aber auch noch der wichtigste Faktor des Vereinslebens: das intensive Miteinander. Ohne Übungsabende und Auftritte wird die Zeit ganz schön lang.

Doch nun gibt es eine Challenge, die wieder Schwung in die Kapellen bringt: Anstatt ihrer Instrumente nehmen Musiker im Augsburger Land gerade ihre Kameras in die Hand und zeigen auf Hunderten von Fotos wie sie auch in Zeiten von Corona-Kontaktbeschränkungen zusammenhalten.

Eine Polka setzt viele Musikanten in Marsch

Eine Challenge, die unter #stayathome im Eiltempo durchs Netz marschiert, begeistert.

Mit „Wir Musikanten, vereint durch Spiel und Gesang,“ beginnt der Text der Polka „Wir Musikanten“ von Kurt Gäble. Die einzelnen Worte des Satzes „Wir Musikanten, vereint durch Spiel und Gesang, sind verbunden – trotz Corona – ein Leben lang!“ sollen die Musiker innerhalb von 48 Stunden auf Fotos darstellen und mit der Collage aller Bilder die nächsten Kapellen zum Mitmachen animieren.

Das scheint auch hervorragend zu funktionieren, denn die Brotzeit, die bei Nichterfüllung der Aufgabe fällig werden würde, musste unseren Informationen nach noch keine Kapelle berappen.

Wolfgang Löcher, Vorstand beim Blasorchester Biberbach war gleich begeistert von der Aktion. Nominiert wurden die Biberbacher von der Stadtkapelle Kaufbeuren, den Musikanten aus der Heimat ihres Dirigenten Andreas Vogt.

In Windeseile stellten sich ganze Familien in Tracht und mit ihren Instrumenten in Pose und hatten einen Riesenspaß beim Gemeinschaftsprojekt.

Nach erledigter Aufgabe reichten sie die Challenge gleich weiter an den Musikverein Langweid, die Harmoniemusik Welden, den Musikverein Welden und das Jugendblasorchester Meitingen. Alle haben sich sofort an die Arbeit gemacht und pünktlich abgeliefert.

Mit einer Collage aus Videoclips hatte das Jugendblasorchester sogar eine bewegte Variante im Angebot. Auch die Stadtkapelle Neusäß war Feuer und Flamme, als sie vom Musikverein Batzenhofen nominiert wurde. In gut 24 Stunden waren alle Wörter vergeben, die Fotos wieder eingesammelt und die Bildcollage zusammengestellt.

Rund 5600 Musiker sind im Landkreis Augsburg im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM) organisiert. Mit einem Hilfsfonds für kulturschaffende, gemeinnützige Vereine soll ihnen finanziell unter die Arme gegriffen werden, wünschen sich die Präsidenten der Blasmusikverbände.

Dafür wollen sie sich beim Ministerpräsidenten Markus Söder stark machen. Die Vereine sind zwar überwiegend gut aufgestellt und können ihre laufenden Ausgaben vorerst mit Rücklagen decken, weiß Angela Ehinger, die Vorsitzende im ASM Bezirk 15 Augsburg.

Einige Dirigenten können während der Ausfallzeit auf ihr Honorar verzichten, andere sind auf die Einkünfte angewiesen. Auch die Jugendarbeit und speziell der Musikunterricht des Nachwuchses ist meist nicht im Ehrenamt zu stemmen und darf nicht zu lange ausfallen, denn „wenn Kinder mal zwei Monate nicht üben, kann man wieder von vorne anfangen“, befürchtet Ehinger.

Damit es nicht soweit kommt, sind die Vereine erfinderisch. Musiklehrer und Schüler treffen sich dann eben nicht im Vereinsheim, sondern auf dem heimischen Computerbildschirm zum eifrigen Üben für den nächsten Auftritt, der hoffentlich schon bald wieder stattfinden wird. Da ist man nach bester Musikerart einfach mal extrem positiv gestimmt.

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