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Jahrestag

24.06.2014

Eine „Quelle der Erleuchtung“ zur Stadterhebung

Diesen „Erleuchtungsbrunnen“ mit leeren Stadtkassen stellten einige Gersthofer zur Stadterhebung im Juni 1969 vor dem Rathaus auf.
Bild: Karl-Heinz Wagner

Vor 45 Jahren nahmen Gersthofer mit einem Brunnen die Stadtspitze auf die Schippe

Vor 45 Jahren wurde dem Markt Gersthofen die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Das damals zugleich tausendjährige Gemeinwesen hatte deswegen allen Grund zur Freude. Nicht nur über die feierliche Überreichung der Stadturkunde am 7. Juni 1969 um 11.16 Uhr in der TSV-Turnhalle durch den damaligen Innenminister Bruno Merk an den früheren Bürgermeister Karl J. Weiß. Auch die Verschwisterung mit der französischen Partnerstadt Nogent-sur-Oise und der unvergessliche imposante Festzug waren einige der vielen weiteren Höhepunkte in der Festwoche. Darüber wurde in den Medien viel berichtet und die Ereignisse im Jubeljahr 1969 wurden auch fotografisch für die Nachwelt dokumentiert.

Weitgehend unbemerkt blieb jedoch für die breite Öffentlichkeit eine für die Honoratioren und Festverantwortlichen damals unliebsame Aktion. Bislang schlummerte ein Foto darüber im Archiv von Karl-Heinz Wagner. Dieses Foto zeigt ein besonderes „Kunstwerk“. Es ist ein aus Metallteilen zusammengeschweißter Brunnen. Über die künstlerische Bedeutsamkeit dieses Objektes lässt sich trefflich streiten. Aber wie alle Kunstwerke hat auch dieses einen sich selbst zugesprochenen Titel – und dieser heißt „Erleuchtungsbrunnen“. Da stellt sich die Frage: Wer wollte da wem zweideutig etwas anschaulich machen und hintersinnig gedanklich auf die Sprünge helfen?

Heute nach 45 Jahren erinnert sich Peter Smolek, selbst Mitwirkender an der Aktion im Jahr 1969, noch genau an den Ausgangspunkt: Die werdende Stadt hatte kein Geld, wollte sich aber einen Rathausplatz-Brunnen, entworfen von dem Künstler Reinhold Grübl, leisten. Das Brunnenprojekt war damals in der Bürgerschaft bei einer Verschuldung von 9,5 Millionen Mark im Jubiläumsjahr nicht unumstritten. Diese Stimmung brachte einige junge Burschen aus dem Umkreis der Jungen Union und der Kolpingsfamilie auf die Idee, einen „Gaudi“-Brunnen zu bauen, um somit den am 6. Juni 1969 enthüllten Rathausbrunnen in direkter Anspielung zu veräppeln.

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Zusammengebaut wurde das „künstlerische Machwerk“ aus alten Eisenteilen, ergänzt mit einer „leeren Kasse“ und der Aufschrift „ Erleuchtungsbrunnen – 7.6.1969“, in einer LEW-Werkstatt am Gersthofer Lechwehr.

In einer geheimen Blitzaktion um Mitternacht zum 7. Juni 1969 wurde der „Brunnen“ in Windeseile dann vor dem Gersthofer Rathaus am Eingang zur Augsburger Straße aufgestellt. „Schnell noch ein Foto geschossen und dann nichts wie weg“, weiß Peter Smolek noch in seiner Erinnerung.

Geplant war, dass möglichst viele Gersthofer am Tag der Stadterhebung dieses Gaudi-Kunstwerk sehen sollten. Es kam aber anders. Es war Felix Christa, Geschäftsführer der Marktwerke, der auf dem Weg in die Frühmesse dieses sonderbare Ding entdeckte. Christa zeigte sich dienstbeflissen und meldete sofort an höchster Stelle den Fall. Innerhalb kürzester Zeit verschwand unter Einsatz des Bauhofes der „Erleuchtungsbrunnen“.

Wie nach und nach durchsickerte, hatte die damalige Gersthofer Obrigkeit keinen Sinn für solchen Humor und wollte wenige Stunden vor dem feierlichen Festakt der Stadterhebung sich vor allem die Festesfreude nicht vermiesen lassen.

Lange Zeit stand der „Erleuchtungsbrunnen“ dann am alten Bauhof in der Nähe des Turms des Ballonmuseums. Immer wieder wurde gerätselt, wer wohl hinter dieser Aktion gestanden hatte. Jetzt nach entsprechender Verjährung für alle Beteiligten ist das Rätsel endlich gelüftet.

Rathausbrunnen wird bei strömendem Regen enthüllt

Der von dem Künstler Reinhold Grübl aus Ebenhausen gestaltete Rathausbrunnen wurde am 6. Juni 1969 bei strömendem Regen auf dem damals neu gestalteten Rathausplatz enthüllt. Der elf Tonnen schwere Brunnen ist aus einem Granit aus dem Fichtelgebirge. Er symbolisiert das Aufwärtsstreben des Gersthofer Gemeinwesens. Die Anschaffung des Brunnens belastete übrigens damals die Gersthofer Stadtkasse nicht. Er ist ein Geschenk der Gersthofer Geldinstitute, der Lechwerke und der Hasenbrauerei zur Stadterhebung. Der Rathausbrunnen musste im Dezember 1990 wegen Bauarbeiten auf dem Rathausplatz abgebaut werden. Er fand später seinen jetzigen Platz im westlichen Bereich des Stadtparks.

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