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Allmannshofen

02.06.2019

Eine Reise durch die Zeit und das Augsburger Land

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2 Bilder
Am Sonntagmorgen brach der historische Kaufmannszug 2019 von Gut Schwaighof aus zur zweiten Etappe nach Harburg auf.
Bild: Marcus Merk

Plus Die historische Geleitreise ins hessische Seligenstadt macht in Allmannshofen Station. Rund 200 Personen machen mit und nehmen Strapazen und Mühen auf sich. 

Vorneweg laufen die Fahnenträger. Sie schwenken jauchzend die rot-weiße Flagge aus dem hessischen Seligenstadt, während sie durch den Torbogen auf das Gelände des Guts Schwaighof treten. Es folgen Kaufleute auf ihren Planwagen und Kutschen, beladen mit Körben, Kisten und Fässern.

Teilweise sind die Reisenden zu Fuß unterwegs, teilweise zu Pferd. Am Wegesrand jubeln feine Damen und Herren in edlen Rokoko-Gewändern. Daneben stehen Schaulustige, die das Ereignis auf ihren Smartphones festhalten.

Nachtlager auf dem Gut Schwaighof

Alle vier Jahre zieht der historische Kaufmannszug von Augsburg aus in das hessische Seligenstadt, ausgerichtet vom Heimatbund Seligenstadt. Auch in diesem Jahr machen die etwa 200 Beteiligten ihren ersten Halt auf dem Gut Schwaighof bei Allmannshofen und schlagen dort ihr Nachtlager auf. Morgens setzte sich der Tross auf dem Augsburger Rathausplatz in Bewegung – dann galt es, eine 38 Kilometer lange Strecke hinauf in den nördlichen Landkreis zu bewältigen. „Das war unser längster Wegabschnitt gleich zu Beginn der Reise“, erzählt Richard Biegel, Vorsitzender des Heimatbunds Seligenstadt. „Normalerweise ist dieser Streckenabschnitt kürzer, aber heuer gab es viele Umleitungen.“ Zwei Wochen lang sei der Kaufmannszug nun unterwegs und lege täglich im Schnitt 25 Kilometer zurück.

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Mit der Geleitreise werden die Strapazen und Mühen nachempfunden, die die Kaufleute bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf sich nahmen, um ihre Ware auf dem Handelsweg von Augsburg aus auf die Frankfurter Messe zu bringen. Letzter Rastort vor dem Ziel war damals Seligenstadt, wo sich 2002 der Arbeitskreis Kaufmannszug gründete. Der historische Zug findet heuer zum fünften Mal statt, mit dabei sind 44 Pferde, 16 Planwagen und drei Kutschen.

Helfer kümmern sich um Technik und Verpflegung

Bereits vor Ankunft des eigentlichen Zugs auf dem Schwaighof war Birgit Sprey mit dem Support-Team vor Ort. Die Helfer kümmern sich auf jedem Halt um Technik und Verpflegung sowie Dusch- und Toilettenmobile. Zelte und Gatter für die Pferde stehen bereits, wenn die Kaufleute ankommen. „Wenn der Tross dann wieder weitergezogen ist, gibt es noch einmal viel Arbeit“, so Sprey. „Wir müssen alles so hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.“ Als Raststation sei der Schwaighof ideal, betont auch Richard Biegel. „Wir sind sehr dankbar, dass wir immer wieder hier Halt machen dürfen.“

Hinter dem Kaufmannszug stecken viele organisatorische Mühen. Einige der Beteiligten nehmen sich extra Urlaub, und die Kinder müssen von der Schule befreit werden. Das sei kein Problem: „Die Lehrer stehen voll hinter unserer Aktion, es handelt sich schließlich um eine Bildungsreise“, erzählt Biegel zufrieden. Geschichte werde lebendig, und man lerne Mensch und Natur besser kennen. Der Vorsitzende ist besonders stolz auf die Jugend, die sich zunehmend am Brauchtum beteilige. Alle Generationen seien vertreten – der jüngste zwei Monate alt, der Älteste 74 Jahre.

Es gab auch schon Kälte, Regen und Hagel

An ihrem ersten Reisetag haben die Kaufleute heuer Glück: Die Sonne scheint strahlend über dem Schwaighof. Aber auch bei schlechtem Wetter finde der Kaufmannszug statt, so Biegel. Der Vorsitzende erinnert sich an vergangene Jahre: „Wir hatten auch schon Kälte, Regen und Hagel.“

Während die meisten Mitreisenden über Nacht im Zeltlager bleiben oder in einem der Wagen schlafen, suchen sich andere ein Hotel im Umkreis. Letzteres macht auch Biegel so, der in seiner edlen Gewandung einen wohlhabenden Kaufmann darstellt – im Volksmund „Pfeffersack“ genannt, weil ein solcher gerne einmal „gepfefferte Preise“ verlangte. Alle Beteiligten tragen mit Begeisterung historische Gewänder, zum Teil aus dem eigenen Kleiderschrank, zum Teil aus dem großen Kostümfundus des Heimatbundes Seligenstadt.

Der Geleitzug wird von sechs Pärchen empfangen

Auch die spitzenbesetzten Kleider und die weißen Perücken der Rokoko-Tänzerinnen stammen aus diesem Fundus. Auf dem Schwaighof wird der Geleitzug von sechs Pärchen empfangen. „Vor Ostern haben wir angefangen zu trainieren“, erzählt Nadja Rausch, eine der Tänzerinnen. Mit einer Vorführung im Rokoko-Stil kann der erste Abend für die Kaufleute auf dem Schwaighof ausklingen. Noch liegen etwa 300 Kilometer vor ihnen, bevor sie ihr Ziel in Seligenstadt erreichen.

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