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Bildung

21.04.2016

Eine Schule mit Schafen im Garten

Jana Roßmann, Sarah Baumgartner, Antonia Farthmann und Natalie Wüst (von links) haben an diesem Tag auf dem Montessori-Campus Küchendienst.
Bild: Manuela Rauch

Am Freitag wird der Montessori-Campus in Häder eingeweiht. Die Jugendlichen machen dort fast alles selber

Es ist kurz vor 10 Uhr, und in der Küche wird konzentriert gearbeitet. Jana, Sarah und Antonia füllen Joghurt in kleine Gläser. Natalie setzt das Sahnehäubchen auf die Creme. Das Dessert für das Mittagessen ist damit fertig. Die Mädchen gehen gleich in den Unterricht. „Es macht Spaß, gemeinsam zu kochen“, sagt Antonia. Hier drückt sich keiner: Einmal pro Woche hat am Campus Häder jeder mal Küchendienst. Das Grundkonzept der Schule basiert auf dem „Erdkinderplan“. Die Pubertät steht im Fokus. Eine Zeit, so glaubte 1920 die Ärztin Maria Montessori, in der die jungen Erwachsenen am besten außerhalb des Elternhauses gedeihen. In der sanierten alten Dorfschule von Häder, die jetzt Montessori-Campus heißt, soll das geschehen.

Als eine Erziehung zur Selbstständigkeit bezeichnet Montessori-Geschäftsführerin Isabelle Reiter das Konzept. Und tatsächlich: Hier kümmern sich die mehr als 100 Schüler in Eigenregie um sämtliche Belange des täglichen Lebens. So wie das Küchenteam gerade das Mittagessen vorbereitet, wird in der schuleigenen Schreinerei gesägt und gehobelt und im Garten das Gemüse angepflanzt. Auf der Wiese grasen drei Schafe, es gibt einen Bienenstock und, wenn es nach dem Wunsch der Schüler geht, dann auch bald ein paar Hühner.

„Die Jugendlichen machen fast alles selber“, sagt Reiter. Das Konzept geht auf. Viele Kinder stehen hier das erste Mal in ihrem Leben auf eigenen Füßen. Und sie fühlen sich gut dabei. Einen Teil der Renovierung haben sie selber geplant und gestaltet. Schulleiterin Petra Stern-egger ist stolz auf ihre Schützlinge. „Sie haben sich mit vielen Ideen eingebracht und können zurecht sagen: Das ist unsere Schule.“ Die Nachfrage ist seit der Fertigstellung des Hauses gewachsen. Viele Schüler wechseln vom Gymnasium oder der Realschule an den Campus. Die Gründe sind oft die gleichen. „Die Eltern sagen: Wir wollen, dass unser Kind wieder Freude am Lernen hat“, sagt Reiter. Die jungen Schüler seien oft frustriert und unglücklich. Einige haben Mobbing-Erfahrungen hinter sich. Auf dem Campus geht man entschieden dagegen vor. „Natürlich haben auch wir keine heile Welt“, erklärt Sternegger. „Aber unsere Schüler sind verantwortungsbewusster, und sie reflektieren mehr.“ Die Zufriedenheit der Jugendlichen spiegelt sich auch in ihren Leistungen wieder. 2015 hatten alle Prüflinge ihren Abschluss erreicht. Auch im vergangenen Jahr befanden sich wieder Landkreis-Bestnoten darunter.

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Am Freitag soll das Schulhaus nun offiziell eingeweiht werden. Damit wächst auch die MontessoriDinkelscherben-Familie. Reiter sagt: „Wenn wir über Häder reden, dann auch über das Montessori-Kinderhaus und die Montessori-Grundschule.“ Ohne die anderen Einrichtungen hätte man den Campus so nicht realisieren können. „Wir sind Teil des großen Ganzen, und das ist wunderbar.“

des neuen Schulhauses für die Jahrgangsstufe 7 bis 10 Montessori Campus Häder, St.-Stephan-Str. 4-6, ist am Freitag, 22. April. Ab 13 Uhr ist das Haus für Besucher geöffnet.

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