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Gersthofen

28.09.2019

Eine Schulklasse steht in Gersthofen im toten Winkel

So groß ist die Fläche, die ein Lastwagenfahrers aufgrund des toten Winkels nicht sehen kann. Die Klasse 4a zusammen mit den offiziellen Gästen. Von links: Kerstin Kühner und Ralf Slisch, Georg Brummer, Bernd Krämling, Armin Falkenhein, Markus Trebes, Martin Schomanek und Marianne Birkle.
Bild: Tobias Karrer

Ein Lastwagen wird für den Unterricht zum Verhalten im Straßenverkehr modernisiert. Doch auch das Verhalten der Eltern ist ein großes Thema.

Seit 2003 ist im Zuständigkeitsbereich der Polizei Schwaben Nord kein Kind mehr auf dem Schulweg gestorben. Damit das so bleibt, investiert die Polizei zusammen mit ihren Partnern viel Zeit und Geld

Die Klasse 4a der Goethe-Grundschule in Gersthofen steht im toten Winkel des Lastwagens der Jugendverkehrsschulen im Landkreis Augsburg. Zum Glück befinden die Kinder sich aber nicht im Straßenverkehr, sondern auf dem Hof der Grundschule. Die orange Plane am Boden zeigt deutlich: Im Straßenverkehr würde ein Lastwagenfahrer keines der Kinder und keinen der offiziellen Gäste sehen.

Eines der wichtigsten Themen der polizeilichen Verkehrserziehung

Der Tote Winkel ist eines der wichtigsten Themen der polizeilichen Verkehrserziehung. Der Lkw wurde deshalb jetzt mit Spendengeldern der Kreissparkasse und Unterstützung der Verkehrswacht Augsburg auf den neusten Stand gebracht. Außer einer Rückfahrkamera wurden auch Kameras angebracht, die den toten Winkel einsehbar machen. Auch die Plane, auf der die Schüler jetzt zusammen mit den offiziellen Gästen des Vorstellungstermins stehen, wurde von den Spenden angeschafft.

Eine Schulklasse steht in Gersthofen im toten Winkel

Die Kreissparkasse unterstützt die Verkehrserziehung jedes Jahr mit 6000 Euro. Im Vier-Jahres-Turnus kommt das Geld jedes Jahr einer anderen Polizeiinspektion im Landkreis zu Gute. Den laufenden Betrieb des Wagens finanziert das Landratsamt und die Verkehrswacht investiert laut dem Vorsitzende Martin Schomanek jedes Jahr etwa 22.000 Euro in die Ausstattung der Jugendverkehrsschulen. Die neuen Kameras sind laut Markus Trebes, dem Vizepräsidenten des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, nicht nur ein Sicherheitsplus für den Fahrer, sondern auch eine gute Möglichkeit, Kindern die Gefahren des toten Winkels zu vermitteln. Trebes erklärte den Kindern die gemeinsamen Anstrengungen von Lehrern, Eltern, Verkehrswacht und Polizei, „damit ihr möglichst fit für den Straßenverkehr seid“.

Seit 2003 ist kein Kind mehr auf dem Schulweg ums Leben gekommen

Verkehrserziehung geht über den toten Winkel hinaus. Gerade „im Hinblick auf die immer weiter steigende Verkehrsdichte ist sie unverzichtbar“, betont eine Mitteilung des Polizeipräsidiums. Noch in den 70er Jahren passierten laut Trebes im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord zwischen 30 und 40 tödliche Unfälle auf dem Schulweg. Dann wurde die Verkehrserziehung eingeführt und seit 2003 ist kein Kind mehr auf dem Schulweg ums Leben gekommen. Aktuell sind 22 Polizisten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Nord mit der Verkehrserziehung betraut, sie kümmern sich jedes Jahr um 7700 Schüler.

Für etwa 1000 von ihnen ist die Polizeiinspektion Gersthofen zusammen mit der Inspektion sechs Augsburg-Nord zuständig. Zur Vorstellung der neuen Ausstattung des Lastwagens war auch Ralf Slisch gekommen. Nach 21 Jahren als Verkehrserzieher bei der Polizei ist er dieses Jahr in den Ruhestand gegangen. Seine Nachfolgerin bei der Inspektion sechs, Kerstin Kühner, zeigte den Kindern gerade das Innere des Lastwagens, während Slisch die Grundzüge des Fahrradführerscheins erklärte. Die theoretische Vorarbeit in den Klassen übernehmen die Lehrer. „Wir sind dann für den praktischen Teil zuständig“, erklärt Slisch. Das Konzept der Verkehrserzieher in der vierten Klasse: „Die Kinder so viel wie möglich fahren lassen.“

Die Verkehrserzieher der Polizei sind in allen Altersstufen aktiv

Der Fahrradführerschein ist in fünf Einheiten aufgebaut. Am Anfang geht es um Vorfahrtsregeln, dann kommt ein Schwerpunkt auf links abbiegen. Es folgt „freies Fahren mit Hindernissen“ und eine Prüfung. Das Highlight ist laut Slisch aber „das Fahrradfahren in der Verkehrswirklichkeit“ in der Nähe der Schule. Die Verkehrserzieher der Polizei sind in allen Altersstufen aktiv. Bernd Krämling, bei der Inspektion Gersthofen für die Verkehrserziehung zuständig, erklärt: „Es kommt auf das Alter der Kinder an. Wir machen zum Beispiel schon Schulwegtraining in der Vorschule.“

In der ersten Klasse stehe die Beratung der Eltern im Vordergrund. Besonders wichtig: Die Frage ab wann das Kind alleine zur Schule gehen dürfe. „Unsere große Bitte ist, dass die Kinder zu Fuß zur Schule kommen.“ Frische Luft und Bewegung seien wichtig für den Start in den Schultag.

Bis zu den Herbstferien sollten Kinder laut Krämling in Begleitung unterwegs sein, dann könne man ihnen langsam mehr und mehr Verantwortung überlassen. Für den Fußweg zur Schule appelliert er auch aus einem anderen Grund: „Das Problem der Elterntaxis ist, dass so zwar die eigenen Kinder sicher in die Schule kommen, andere aber dafür in Gefahr gebracht werden könnten.“

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28.09.2019

Ist ja alles ganz nett, aber schon der zweite Absatz zeigt doch, dass der tote Winkel gar nicht mehr existiert. Schon seit zehn Jahren sind die dafür erdachten Vorschriften maßgeblich. Wer einen LKW rum fährt, der nicht so ausgerüstet ist, dass es keinen toten Winkel gibt, ist schlicht illegal unterwegs. Aber selbst wenn man das ernst nimmt, warum genau treibt man die Leute dann ständig genau in diesen angeblichen toten Winkel? Jeder Radweg ist exakt das! Man kann nur hoffen, dass jene Verkehrserzieher sich dieses Umstands bewusst sind und genau das ebenfalls vermitteln...

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