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Neusäß

14.07.2016

Eine Spitzenpolitikerin kommt zum Lernen nach Neusäß

Katrin Göring-Eckardt hat im Beruflichen Schulzentrum Neusäß eine Integrationsklasse besucht. Über die schwierigen Aufgaben, die die Schüler lösen, war sie ziemlich überrascht.
Bild: Marcus Merk

Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, ließ sich am Beruflichen Schulzentrum erklären, wie Asylbewerber in Integrationsklassen lernen.

Als Katrin Göring-Eckardt die Aufgaben sieht, die der 18-jährige Zerom aus Eritrea lösen soll, entfährt ihr ein „Krass“. Auf dem Zettel, der vor dem jungen Mann liegt, steht: „Schreiben Sie einemillionfünfhundertzweiundzwanzigtausendeinundachtzig als Zahl auf“. Das ist schon für viele Deutsche eine Herausforderung. Wie schwierig muss es dann erst für einen Asylbewerber sein, der erst seit wenigen Monaten in Deutschland lebt und die Sprache noch nicht gut beherrscht?

Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, besuchte am Dienstagnachmittag das Berufliche Schulzentrum (BSZ) in Neusäß, wo sie sich das Konzept der Integrationsklassen erklären ließ.

Seit September 2015 haben asylsuchende Schüler die Möglichkeit, am BSZ in das deutsche Schulsystem einzusteigen. Derzeit gibt es 16 Integrationsklassen mit insgesamt etwa 300 Schülern. Im Regelfall sind diese 16 bis 21 Jahre alt, in Ausnahmefällen älter. „Wir können Schüler, die zwei Jahre auf der Flucht waren, nicht nur anhand ihres Alters in eine Klasse stecken“, sagt Göring-Eckardt. Zudem wäre einigen zunächst nicht bewusst gewesen, dass für sie die Schulpflicht gelte, berichtet Karin Kowalke, die für die Grünen im Kreistag Augsburg-Land sitzt. Sie wären von ehrenamtliche Helfer in den Gemeinschaftsunterkünften darauf aufmerksam gemacht worden.

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Zahl der Integrationsklassen soll aufgestockt werden

Bis zum kommenden Schuljahr soll Zahl der Integrationsklassen auf insgesamt 24 aufgestockt werden. Neben Intensivunterricht in Deutsch erhalten die Schüler auch Ethik-, Sozialkunde- sowie Lebens- und Landeskundeunterricht. „Im ersten Jahr liegt der Fokus auf dem Spracherwerb, im zweiten Jahr dann auf der Berufsvorbereitung“, erklärt Studienrätin Barbara Dilberowic. Insgesamt besuchen 2000 Schüler das Berufliche Schulzentrum in Neusäß. „Durch gemeinsame Projekte oder Nachhilfe bringen wir unsere regulären Schüler und die Flüchtlinge in Kontakt“, sagt Dilberowic.

Von der bekannten Raumknappheit am gesamten BSZ sind auch die Integrationsklassen betroffen, der Unterricht findet in Containern statt. Eigentlich sehen sie aus wie normale Klassenzimmer. Erst bei näherem Hinsehen fallen die Buchstabentafeln an der Wand auf: O für Oman. S wie Somalia. Und U für Uganda. In anderen Schulen stände dort wahrscheinlich Ofen, Säge und Uhr. An der hinteren Wand hängen bunte Plakate: „Was mir an Deutschland gefällt“.

Unterricht im Schichtbetrieb

Einige Schüler der Integrationsklassen werden im Schichtbetrieb am Nachmittag unterrichtet. Göring-Eckardt zeigt sich begeistert von dieser Idee, die aus der Not heraus geboren wurde. „Das ist toll. Natürlich können Schüler auch nachmittags lernen“, sagt sie. Neben Lehrern kümmern sich auch Sozialpädagogen und Ehrenamtliche um die jungen Asylbewerber und stehen ihnen bei jeglichen Fragen zur Seite.

Waren zuerst die Räumlichkeiten ein Problem, steht das BErufliche Schulzentrum nun vor einem anderen, wie Dilberowic weiß: „Wir haben zu wenige Lehrer für die vielen neuen Schüler“. Aus diesem Grund kämen auch viele Gymnasiallehrer ans BSZ, die jedoch nicht immer für die Lehre an einer Berufsschule ausgebildet seien. Dennoch gäbe es kaum Probleme: „Viele Kollegen sind sehr aufgeschlossen und haben von Anfang an ihre Hilfe angeboten.“

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